Viel Glück! - in der Bibel
Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel
Sich selbst und anderen zum neuen Jahr Glück zu wünschen, ist eigentlich ein frommes Ritual. Denn letztlich, sagt die Bibel, stammt Glück von Gott.
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sob
 Sandro Botticelli: Die Rückkehr Judiths nach Bethulia, 1473, Florenz.
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Gott, der Glücksbringer - 1. Mose 39, 23; 5. Mose 30, 9
Das Glück kommt nicht von ungefähr, sondern direkt aus dem Himmel, von Gott. Das hat unter anderem Josef erfahren. Niederträchtig hatten seine Brüder ihn nach Ägypten verkauft, wo er im Haus des Hofbeamten Potifar arbeitete. Dessen Frau zettelte eine sexuelle Intrige gegen Josef an. Prompt landete er im Gefängnis. In seiner Verzweiflung sorgte Gott dafür, dass die anderen Gefangenen »die Herzen zu Josef neigten«. Außerdem gab Gott ihm in allem, was er tat, Glück. An anderer Stelle wird Gottes Funktion als Glücksbringer noch deutlicher hervorgehoben: »Gott wird dir Glück geben zu allen Werken deiner Hände, zu der Frucht deines Leibes, zu den Jungtieren deines Viehs, zum Ertrag deines Ackers, dass dir's zugute komme.« ( 1. Mose 39, 23, 5. Mose 30, 9)
Zitat: »Was er tat, dazu gab der Herr Glück.«
Kein Glück für Bösewichter - Psalm 140
Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Auch aufs Glück übertragen gilt diese Lebenserfahrung. »Das Unglück, über das meine Feinde beraten, komme über sie selber«, wünscht sich der Psalmist und ergeht sich in Gewaltfantasien. Gott möge feurige Kohlen auf die Feinde schütten und sie in Gruben schubsen. Doch, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt, darf sogar ein Christ solche Rachegelüste entwickeln. Solange er sie nicht selbst in die Tat umsetzt, sondern seine Gedanken Gott anvertraut. Der wird's schon richten. ( Psalm 140)
Zitat: »Ein böses Maul wird kein Glück haben auf Erden.«
Glück für ein mörderisches Vorhaben - Judit 9, 15
Was für den einen Glück ist, kann für den anderen das Gegenteil bedeuten. An der Geschichte von Judit lässt sich das trefflich demonstrieren. Die betuchte Witwe fasst den Plan, den gegnerischen Feldherrn Holofernes zu töten. Sie hat Gutes damit im Sinn, nämlich Israel aus der Feindeshand zu retten. Für ihr mörderisches Vorhaben erbittet sie von Gott Glück. Offensichtlich gibt er es ihr, denn Judit schleicht sich erfolgreich bei Holofernes ein und köpft ihn. Aus der Perspektive des Holofernes würde sich die Geschichte ganz anders lesen... ( Judit 9, 15)
Zitat: »Denke, Herr, an deinen Bund, und gib mir ein, was ich reden und wie ich vorgehen soll, und gib mir Glück dazu.«
Glück und Unglück kommt von Gott - Sirach 11, 14; Matthäus 5, 45
Ach, wäre es so einfach: Glück kommt von Gott, Unglück von dessen Widersacher, dem Teufel. Für biblische Fromme wie für heutige Theologen ergibt diese Denkweise allergrößte Probleme. Gott ist allmächtig, folglich muss er stärker als jede andere Macht zwischen Himmel und Erde sein. Was wiederum bedeutet: Für alles, was auf der Welt geschieht, ob gut oder schlecht, ob Glück oder Unglück, muss letztlich Gott verantwortlich sein. Ähnliches sagt Jesus in der Bergpredigt: Gott »lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.« ( Sirach 11, 14, Matthäus 5, 45)
Zitat: »Es kommt alles von Gott: Glück und Unglück, Leben und Tod, Armut und Reichtum.«
Glückliche Gottlose - Psalm 73
Da ärgert sich der Psalmist so richtig über die »Gottlosen«, »für sie gibt es keine Qualen, gesund und feist ist ihr Leib. Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst, sie reden böse und lästern hoch her.« Und zu alledem werden sie auch noch reich. Das ist eine Anfechtung - gerade für jene Gläubigen, die trotz ihres frommen Lebens von Krankheit oder Unglück geplagt werden. Der Psalmist beantwortet die Frage nach dem »Warum« damit, dass Gott die glücklichen Gottlosen doch irgendwann zu Boden stürzt und sie in Schrecken untergehen werden. Die Gerechtigkeit wird siegen, ist er überzeugt. ( Psalm 73)
Zitat: »Siehe, das sind die Gottlosen; die sind glücklich in der Welt und werden reich.«
Eine Schatzkiste für Unglückszeiten - Sirach 29, 15
Eine pragmatische Glücksstrategie empfiehlt Jesus Sirach. Für Zeiten des Unglücks solle man sich einen »Schatz von Wohltaten« anlegen. Wenn man dann mal unglückliche Zeiten erlebt, könne man in diese Schatzkiste greifen und das Unglück mindern. Das erinnert an ein Kinderbuch: Die Maus Frederick sammelt im Sommer Farben für den grauen Winter und kann sogar sie Seelchen anderer Mäuse damit erhellen. Einen Versuch ist's wert! ( Sirach 29, 15)
Zitat: »Lege dir einen Schatz von Wohltaten an; der wird dich erretten aus allem Unglück.«
Für das Glück danken - Tobias 13, 11
Danken ist keine religiöse Vorschrift, sondern selbstverständliche Folge einer frommen Lebenseinstellung. Da es nicht selbstverständlich ist, Glück zu erleben, ist auch das einen Dank wert, und zwar am besten direkt an den Urheber. ( Tobias 13, 11)
Zitat: »Danke dem Herrn für dein Glück und preise den ewigen Gott.«
| BIBLE'S DIGEST
Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...
»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.
Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.
GLÜCK
Ein eigenes Wort für »Glück« gibt es in der hebräischen Sprache nicht. »Schalom« bedeutet Heil, Friede - und eben auch Glück; ein anderer Begriff bedeutet gleichzeitig »Erfolg haben«. Von Gott kommt Glück wie Unglück, so die biblische Sicht. Die ältesten Traditionen gehen davon aus, dass das Glück eines Menschen mit gottgefälligem Lebenswandel zu tun hat und Unglück eine Art Strafe sei. Dieser sogenannte »Tun-Ergehen-Zusammenhang« klärte nicht die Frage, warum es unglückliche Fromme und glückliche Gottlose gibt.
Zum Weiterlesen: Luzia Sutter Rehmann u.a. (Hg.): Zum Leuchten bringen. Biblische Texte vom Glück, Gütersloh 2006.
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