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Dieser Artikel: Ausgabe 50/2009 vom 13.12.2009
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Schafe in der Bibel

Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel


Dem Evangelisten Lukas haben die Schafe zu verdanken, dass sie heute weltweit unentbehrlicher Bestandteil jeder Weihnachtskrippe sind. In der Bibel sind sie jedoch mehr als nur tierisch stumme Zeugen am Stall von Bethlehem.

Das verlorene Schaf.
Foto: sob
   Das verlorene Schaf.

Opfertier Schaf - 1. Mose 22, 13; 4. Mose 28, 1-9

»Einjährige Schafe ohne Fehler« sind die bevorzugten Opfertiere im alten Israel. Nach genauen Vorschriften wurden sie geschlachtet und verbrannt, an manchem Tag erlitten morgens und abends Schafe dieses Schicksal. In der Geschichte der Versuchung des Abraham opfert dieser einen Widder, der sich zufällig in einem Gebüsch verheddert hatte. ( 1. Mose 22, 13,  4. Mose 28, 1-9)

  Zitat: »Da nahm Abraham den Widder und opferte ihn an seines Sohnes statt.«

 

Der Herr ist mein Hirte - Psalm 23; Johannes 10, 1-8

Der wohl bekannteste, weil trostreichste Psalm der Bibel handelt von Schafen, obwohl keines genannt wird. Der Grund: Er ist quasi aus Sicht eines Schafes geschrieben. Das Schaf lobt die Geborgenheit und die Wohlgefühle, die sein Hirte ihm bietet, es fürchtet kein Unglück, weil »Stecken und Stab« es trösten. Die Übertragung ist einfach: Der Gläubige schlüpft in die Rolle eines Schafes, Gott wird zum Hirten. Diesem Psalm haben heutige Christen es zu verdanken, dass sie manchmal despektierlich als »Schäfchen« bezeichnet werden, als Christenherde, die sich dümmlich oder ohne eigenen Willen einem Pastor (lateinisch für Hirte) oder Gott unterordnet. Den unpersönlichen Herdencharakter versucht der Evangelist Johannes zu mildern. In einem Gleichnis erzählt er von einem Hirten, der jedes Schaf bei seinem Namen ruft. Demnach ist Jesus der gute Hirte. ( Psalm 23,  Johannes 10, 1-8)

  Zitat: »Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.«

 

Schafe an der Krippe in Bethlehem - Lukas 2

Die einzigen Tiere, die der Bibel zufolge den neugeborenen Jesus und seine Eltern besuchten, waren Schafe. Auch sie haben den »Engel des Herrn« und die »himmlischen Heerscharen« gesehen, die den Hirten erschienen und ihnen die Geburt des Heilands verkündeten. Anzunehmen ist, dass die Hirten ihre Schafe nicht allein ließen, sondern sie mit zum Stall nahmen, in dem diese sonderliche Geburt stattfand, die die Welt verändern sollte. ( Lukas 2)

  Zitat: »Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.«

 

Christus, das »Lamm Gottes« - Jesaja 53, 6f.; Johannes 1, 29; Apostelgeschichte 8, 32

Der »Gottesknecht«, von dem der Prophet Jesaja berichtet, weist nach christlicher Auffassung auf Jesus hin. Jesaja vergleicht das Leiden dieses »Knechtes« mit dem eines Lammes, das zur Schlachtbank geführt wird und »willig« leidet. Diese Tradition ist an mehreren Stellen des Neuen Testaments aufgenommen. Zum Beispiel im Johannes-Evangelium, in dem Johannes der Täufer von Jesus sagt: »Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!« Bis in die heutigen Kirchen wirkt die Lamm-Symbolik für Christus nach. »Christe, du Lamm Gottes«, singen evangelische Christen in der Abendmahlsliturgie. ( Jesaja 53, 6f.,  Johannes 1, 29,  Apostelgeschichte 8, 32)

  Zitat: »Wir gingen alle in die Irre wie Schafe.«

 

Gleichnis vom verlorenen Schaf - Lukas 15, 1-7

»Der isst mit den Sündern!«, ereiferten sich Pharisäer und Schriftgelehrte über Jesus. Der antwortet souverän mit einem Gleichnis. Wer denn ein verlorenes Schaf nicht suche und sich freue, wenn er es finde, fragt er sie. Die Deutung des Gleichnisses liefert er gleich mit: »So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.« ( Lukas 15, 1-7)

  Zitat: »Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.«

 

Dürfen Schafe am Sabbat gerettet werden? - Matthäus 12, 9-14

Nach strenggläubiger jüdischer Bibelauslegung darf am Sabbat bis heute nichts getan werden, das irgendwie an eine schöpferische Tätigkeit erinnert. Mit diesem Gebot versuchen einige Pharisäer, Jesus des Unglaubens zu überführen. Sie präsentieren ihm einen Kranken und fragen: »Ist's erlaubt, am Sabbat zu heilen?« Jesus antwortet wiederum mit einem Beispiel aus der Welt der Schafe. »Wer ist unter euch, der sein einziges Schaf, wenn es ihm am Sabbat in eine Grube fällt, nicht ergreift und ihm heraushilft? Wie viel mehr ist nun ein Mensch als ein Schaf! Darum darf man am Sabbat Gutes tun.« Dann heilt er den Kranken. So setzt er um, was er an anderer Stelle bereits betonte: »Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.« ( Matthäus 12, 9-14)

  Zitat: »Wie viel mehr ist nun ein Mensch als ein Schaf!«

 

Am Ende: Friede zwischen Lamm und Wolf - Jesaja 65, 25

Kraftvoll und bildreich malt der Prophet Jesaja den Menschen die Zustände in der Ewigkeit vor Augen. Im »neuen Himmel« soll weder Klagen noch Weinen sein, Harmonie pur, Gerechtigkeit wird herrschen und Friede nicht nur zwischen menschlichen Feinden, sondern auch zwischen Tieren, die sich in freier Wildbahn normalerweise fressen statt zu kuscheln. Es spricht für den Mut des Schafes, dass es sich neben den Wolf stellt. ( Jesaja 65, 25)

  Zitat: »Wolf und Schaf sollen beieinander weiden.«

 

BIBLE'S DIGEST

»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...

 

  »Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.

 

SCHAF UND HIRTE

  Wegen ihrer Anspruchslosigkeit waren (und sind) Schafe bis heute im Nahen Osten verbreitet. Sie spende(te)n Wolle und Milch, Fleisch und Horn. In biblischen Zeiten waren sie außerdem bevorzugtes Opfertier. Schaf und Hirte sind in der gesamten antiken Kultur ein Sinnbild für die göttliche Geborgenheit des Menschen.

  Zum Weiterlesen: Hans-Werner Durau / Werner Tiki Küstenmacher: Das Schäfchenbuch. Wissenswertes rund um das meistgenannte Tier der Bibel, Holzgerlingen 2006.

 

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 09.02.2012 - 00:41 Uhr

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