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Dieser Artikel: Ausgabe 50/2009 vom 13.12.2009
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Lauerndes U-Boot

Wie Martin Niemöller beinahe Albert Schweitzer und dessen Frau versenkt hätte


Martin Niemöller war Ende der 1950er-Jahre eine der prägenden deutschen Gestalten im Kampf gegen die atomare Aufrüstung. Neben Nobelpreisträgern wie den Atomphysikern Otto Hahn oder Werner Heisenberg gehörte auch der Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer zu Niemöllers Mitstreitern. Wenig bekannt ist, dass Niemöller dem Urwaldarzt und seiner Frau im Ersten Weltkrieg ohne es zu wissen nach dem Leben trachtete.

Martin Niemöller als Marine-Offizier im Ersten Weltkrieg.
Foto: sob
   Martin Niemöller als Marine-Offizier im Ersten Weltkrieg.

Es war im November 1917, als sich die Wege der beiden Pastorensöhne Albert Schweitzer und Martin Niemöller erstmals kreuzten. Und um ein Haar wäre die Sache nicht gut ausgegangen.

Erster Weltkrieg: Der Elsässer Albert Schweitzer und seine Frau - offiziell ja Reichsdeutsche - galten den französischen Kolonialbehörden von Gabun als feindliche Zivilisten. Bereits im August 1914 hatten sie beide in Lambarene unter Hausarrest gestellt.

Nun, 1917, auf dem Höhepunkt des in Europa tobenden Stellungskriegs, war das Ehepaar Schweitzer schließlich doch noch festgenommen und interniert worden. Man hat sie nach Westafrika ins senegalesische Dakar verfrachtet, wo sie im Hafen auf einem französischen Schiff mit weiteren Internierten auf ihre Rückfahrt nach Europa warten. Doch vor dem Hafen lauert ein deutsches U-Boot und wartet auf Beute. Erster Offizier an Bord ist Martin Niemöller. Doch das französische Schiff wartet geduldig ab, entkommt Niemöllers U-Boot. Mit den anderen Internierten entgehen auch Albert und Helene Schweitzer der Versenkung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kämpft Martin Niemöller gegen Wiederbewaffnung und atomare Aufrüstung. Dabei sucht und findet er in dem weltberühmten Friedensnobelpreisträger von 1952 einen Mitstreiter. Aber Schweitzer ist die Sache mit Niemöllers U-Boot vor Dakar zu Ohren gekommen.

In einem Brief fragt er nach: »Lieber Herr Niemöller, wo stand Ihr Unterseeboot im November 1917? Das Schiff, auf dem ich mit meiner Frau als Gefangener nach Europa befördert wurde, lag mit einem ganzen Konvoi im Hafen von Dakar und wagte sich nicht heraus, weil ein deutsches Unterseeboot davor läge. Nun habe ich vor längerer Zeit gelesen, dass Ihr Boot zu jener Zeit, in jenen Gewässern sein Wesen gehabt habe. Es wäre mir interessant zu wissen, ob Sie mir wirklich einmal nach dem Leben getrachtet haben, was ich Ihnen natürlich im Voraus verzeihen würde, christlicherweise. Ihr ergebener Albert Schweitzer«

Niemöller antwortet: »Hochverehrter lieber Herr Professor, ich war damals tatsächlich erster Offizier auf U 151, und wir haben vor dem Hafen von Dakar unser Wesen oder Unwesen gehabt. Es ist aber nichts Ernsthaftes passiert bis auf eine Kanonenschießerei mit dem Dampfer Rhone. Das Schiff war aber für uns viel zu schnell. In aufrichtiger Verehrung und dankbarer Verbundenheit, Ihr Martin Niemöller«

Versöhnlich beschließt Schweitzer die Episode mit dem protestantischen Haudegen: »Lieber Herr Niemöller, Sie haben mir also tatsächlich aufgelauert und nach dem Leben getrachtet. Wenn es Ihnen geglückt wäre, hätten Sie jetzt einen braven Kumpan weniger im Anti-Atom Kampf. Da es sich schon so gefügt hat, wollen wir um so besser zusammenhalten. Ihr ergebener Albert Schweitzer.«

»ALBERT SCHWEITZER«

»Lass es uns versuchen« Der Weihnachtsfilm 2009: »Albert Schweitzer - ein Leben für Afrika«. Von Markus Springer. » lesen!

Lauerndes U-Boot. Wie Martin Niemöller beinahe Albert Schweitzer und dessen Frau versenkt hätte. » lesen!

Erfolg mit Luther und Bonhoeffer. Interview mit dem »Schweitzer«-Produzenten Alexander Thies. » lesen!

»Albert Schweitzer - ein Leben für Afrika« Die Bilder zum Film. » ansehen!

 

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Markus Springer

 


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abgerufen 08.02.2012 - 22:49 Uhr

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