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Dieser Artikel: Ausgabe 48/2009 vom 29.11.2009
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»Hui und Pfui der Welt«

Vor 300 Jahren starb Abraham a Sancta Clara, der wortgewaltigste Kanzelredner des Barock


Der Augustinermönch Abraham a Sancta Clara, gestorben vor 300 Jahren am 1. Dezember 1709, galt als der glänzendste Kanzelredner des Barock. Der Dichter Friedrich Schiller nannte ihn »ein prächtiges Original, vor dem man Respekt bekommen muss«, der Philosoph Martin Heidegger rühmte seine »vielgestaltig-schöpferische Beherrschung der deutschen Sprache«.

Abraham a Sancta Clara.
Foto: epd-bild
   Abraham a Sancta Clara.

Seine Geschichte klingt wie ein Roman: Als Johann Ulrich Megerle kam er 1644 als achtes von zehn Kindern eines Gastwirts im Gasthof »Zur Traube« im schwarzwäldischen Krähenheim­stetten zur Welt. Heute heißt das Dorf Kreenheinstetten, ist ein Ortsteil von Leibertingen und gehört nach Auskunft geschickter Tourismusmanager zum sogenannten »badischen Geniewinkel«, weil im benachbarten Messkirch Martin Heidegger und der Poet Arnold Stadler geboren wurden.

Derbe, volkstümliche Sprache

Der Gastwirtssohn hatte wohl wirklich etwas von einem Genie an sich - und einen einflussreichen Onkel, Abraham Megerle. Der lebte als Komponist und Domkapellmeister in Salzburg und wurde von Kaiser Ferdinand III. in den Adelsstand erhoben. Er schickte seinen aufgeweckten Neffen in die Schlossschule von Messkirch, zu den Jesuiten nach Ingolstadt und später auf das Gymnasium der Benediktiner nach Salzburg.

Mit achtzehn Jahren trat sein Schützling in Maria Brunn nahe Wien bei den Augustiner-Barfüßermönchen ein, nannte sich aus Dankbarkeit fortan Abraham a Sancta Clara und ging als Student nach Wien, Prag und Ferrara. Der frisch geweihte Priester versah nur zwei Jahre das Amt des »Feiertagspredigers« im Wallfahrtsort Maria Stern bei Augsburg, dann war er schon so populär, dass man ihn nach Wien holte, wo er in Kirchen und Klöstern auftrat.

Seine derbe, volkstümliche Sprache, geschmückt mit Bildern und gewürzt mit bisweilen liebenswürdigen, oft aber ausgesprochen deftigen Wortspielen machten ihn zum bekanntesten Kanzelredner des 17. Jahrhunderts. Ein »Narrenhäusl« nannte er die Welt, einen »Dieb« die Liebe, »denn diese stiehlt den Menschen gar die Vernunft«. Den Ehestand verglich er mit dem Treiben der Fische: »Da sieht man viel Fröhlichkeit und muntere Sprünge, im Hintergrunde aber findet sich Galle, ungeheuer viel Galle.«

Den Männern riet er - ungewöhnlich für das 17. Jahrhundert - ihre Frauen nicht zu verprügeln, denn »damit schlägt man mehr Teufel hinein als heraus«. Und auch unter den Männern gebe es bekanntlich genug »faule Hunde« und »tyrannische Haustölpel«. Beide Partner müssten sich um Verständnis und Freundlichkeit bemühen, sonst »erkaltet die Liebe, versauert das Gemüt, verwelken die Mittel, verdorrt die Gesundheit«.

Pater Abraham verdammte Völlerei und Luxus, geißelte Unmoral und Heuchelei, tastete aber die gesellschaftliche Ordnung nicht an. Er wetterte gegen Fresslust und Sauferei, führte auf der Kanzel »Saumägen«, »rotnasige Wein­egel« und »Fettbäuche« vor und warnte vertrauensselige »Gimpel« und »geile Böcke« vor den Verführungskünsten schamloser »Mistkrippen«.

Als ihn Kaiser Leopold I. im Jahr 1677 zum Hofprediger ernannte, konnte er zeigen, dass er nicht nur über den drastischen Wortschatz der Vorstadt verfügte, sondern auch über eine solide klassische Bildung. Seine Beziehungen zu vornehmen Kreisen nutzte er, um den Habenichtsen zu helfen.

»Abraham-Bräu« zum Geburtstag

Berühmt geworden sind seine Predigten während einer verheerenden Pestepidemie, gesammelt unter dem Titel »Mercks Wien! Das ist Des wütenden Tods eine umständige Beschreibung«. Ebenso bekannt seine Predigten anlässlich der türkischen Belagerung der Stadt 1683, mit denen er den Durchhaltewillen der Wiener stärkte und die Schiller zu seiner Kapuzinerpredigt im Drama »Wallensteins Lager« inspirierten.

Als kluger Publizist brachte Abraham a Sancta Clara selbst seine Ansprachen in rund 600 Einzelpublikationen und Sammlungen heraus, sie tragen Titel wie »Hui und Pfui der Welt«. Später leitete er die deutsch-böhmische Ordensprovinz der Augustiner-Barfüßer, litt immer schlimmer an der Gicht und starb am 1. Dezember 1709 in Wien.

Die Abraham-a-Sancta-Clara-Gedenkstätte in Kreenheinstetten hat zu seinem 300. Todesjahr ein internationales Symposion veranstaltet und vor dem »Gasthaus zur Traube« ein Historienspiel aufführen lassen.

Im öffentlichen Bewusstsein dürfte das Jubiläum aber eher durch das »Abraham-Bräu« haftenbleiben, das die Wurmlinger Hirschbrauerei mit dem Konterfei des großen Barockpredigers vertreibt.

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Christian Feldmann

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:52 Uhr

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