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Dieser Artikel: Ausgabe 48/2009 vom 29.11.2009
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Ich habe keine Zeit mehr für mich!

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Das Klagelied (nicht nur) einer Mutter: »Wenn ich aufhöre, alles zu machen, macht es keiner. Aber ich hätte einfach gerne, dass jemand anderer auch mal Verantwortung übernimmt.«

Ich bin 37 und voll berufstätig. Wir haben drei Kinder zwischen sechs und vierzehn, und kürzlich ist auch noch meine Mutter bei uns eingezogen.

Alle sagen, dass ich so ein sozialer Typ bin, und ich bin wirklich gerne für andere da. Aber seit ich mich auch noch um meine Mutter kümmere, merke ich, wie wenig Zeit ich eigentlich für mich habe. Ich ärgere mich auch über meine jüngere Schwester, die viel weniger tut - und trotzdem bei allen beliebt zu sein scheint. Neulich hat sogar mein Mann gesagt, wie toll er sie findet.

Ich möchte eigentlich nicht ärgerlich sein auf Menschen, die ich gern mag. Aber ich hätte einfach gerne, dass jemand anderer auch mal Verantwortung übernimmt. Aber wie soll das gehen? Denn wenn ich aufhöre, alles zu machen, macht es keiner.

Frau R.

 

Sie möchten, dass jemand anderer auch mal die Verantwortung übernimmt. Das ist angesichts all dessen, was Sie machen, verständlich und ein klarer Wunsch. Zugleich aber geht es darum, dass auch Sie Verantwortung übernehmen: nämlich dafür, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht.

»Wenn ich aufhöre, alles zu machen, macht es keiner...« Das klingt, als würde die Erde sich aufhören zu drehen, wenn Sie mal für einen Moment nichts tun. Oder anders: Was würde passieren, wenn niemand »es« macht?

Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten, weil dadurch ja ein bewährtes System in Frage gestellt wird. Ein System, von dem jeder in irgendeiner Weise profitiert, auch Sie (wenigstens bisher).

In Familien übernehmen wir Rollen. Sie sind diejenige, die alles organisiert. Was haben Sie über die Jahre bekommen, indem Sie Menschen geholfen haben? Anerkennung? Beliebtheit? Weniger Schuldgefühle? Was auch immer Sie bisher dadurch gewonnen haben, jetzt überwiegen Ihr Groll und Ihr Ärger. Es ist gut, dass Sie das spüren, denn es sind wichtige Hinweise darauf, dass es jetzt darum geht, etwas zu verändern.

Was, fürchten Sie, würde geschehen, wenn Sie Ihre gegenwärtige Rolle etwas anders definieren? Wenn Sie einmal im Monat (oder öfter?) einen Samstagnachmittag nur für sich nutzen? Wenn Sie gelegentlich mit Ihrem Mann ausgehen und Ihre Mutter bitten, sich um die Kinder zu kümmern - oder Ihre jüngere Schwester, nach der Mutter zu schauen?

Vielleicht müssen Sie ein wenig von der Kontrolle, die Sie bisher hatten, aus der Hand geben. Vielleicht müssen Sie entdecken, dass die anderen auch ohne Sie zurechtkommen. Vielleicht gibt es Auseinandersetzungen, die Sie bisher vermieden haben, indem Sie alles für alle gemacht haben. Aber da ist ja noch Ihr Ärger. Dieser Ärger ermutigt Sie, klar und deutlich zu sein in dem, was Sie eigentlich möchten.

Der Teil in Ihnen, der gerne allen gefallen möchte, wird aushalten müssen, dass Ihre Familie zu Beginn gegen solche Veränderung Widerstand leistet. Solche Gegenwehr gehört zu Veränderungen dazu. Finden Sie also heraus, was Sie für sich tun möchten, überlegen Sie, wie das gehen könnte, und dann machen Sie den anderen freundlich, aber bestimmt klar, was sich von nun an ändern wird.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Deutenbacher Str. 1, 90547 Stein - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Herzog-Wilhelm-Str. 24, 80331 München.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Barbara Hauck

 


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abgerufen 09.02.2012 - 00:17 Uhr

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