´s ist Krieg ...
... sagt der Verteidigungsminister
Von
Lutz Taubert
Was findet da am Hindukusch statt: Die »Verteidigung der Demokratie«? Ein »Stabilisierungseinsatz«? Oder handelt es sich nicht doch um »kriegsähnliche Zustände«? Gar einen Krieg?
Kein Land quält sich mit der oder auch ereifert sich über die Definition dessen, was ihre Armee im Einsatz tut und bezweckt so, wie wir Deutschen. Eigentlich merkwürdig, da doch - um das einmal ganz banal und keineswegs zynisch auszusprechen - für die Menschen, die dort unten sterben, die Benennung der Umstände, unter denen sie sterben, keine Bedeutung hat.
Weshalb und mit welchem Interesse führt man also den Begriff Krieg ein? Was hat ein Verteidigungsminister davon, von Krieg zu sprechen? Er hat den Beifall der Soldaten und des Bundeswehrverbands und derer, die - wie wir im Internet nachlesen können - für die reine Wahrheit über einen bisher offenbar absolut verlogenen Einsatz eintreten. Was letztlich eine desaströse Einsicht ist: War also aller guter Wille, den Frieden zu wollen, falsch? Was hat, zweitens, der Soldat davon, der in Afghanistan seinen gefährlichen Dienst tut, dass wir das jetzt einen Kriegsdienst nennen? Müsste er nicht froh und gar stolz sein, wenn man anstelle der kriegererischen die wiederaufbauende, die friedensstiftende Wirkung seiner Mission herausstellt?
»´s ist leider Krieg - und ich begehre nicht Schuld daran zu sein.« Die Verszeile von Matthias Claudius enthält zwei einfache Einsichten: Wenn wir im Krieg sind, sind wir moralische Partei, hineingezogen in gut und böse, richtig oder falsch, ob wir wollen oder nicht! Und: Krieg an sich ist böse! Der jahrhundertealte Streit um einen »gerechten Krieg« ist in dieser Zeile verdichtet. Christliche Friedensethik schlägt sich, quält sich seit dem Zweiten Weltkrieg mit einer »ultima ratio« der staatlichen Gewalt im Konfliktfall herum, mit dem Ergebnis, dass die traditionelle Lehre vom gerechten Krieg für alle Zeiten überwunden sein sollte zugunsten einer neuen Lehre vom »gerechten Frieden«. Wie es scheint, kehrt mit dem wieder eingeführten Begriff des Kriegs auch wieder eine alte Diskussion zurück.
Was bedeutet es juristisch, völkerrechtlich, von Krieg zu sprechen? Der Gegner, bisher Krimineller, Terrorist, wird aufgewertet zum Kriegsgegner. Und was, schließlich, bedeutet es für uns Deutsche von Krieg zu sprechen? Es bedeutet einen erst- und insofern einmaligen Tabubruch seit 1945. Denn Krieg ist in unserer säkularen Werteordnung, dem Grundgesetz, aus gutem Grund nicht mehr vorgesehen.
Und dass wir weit hinter der Türkei »einen robusten Stabilisierungseinsatz mit Wiederaufbaumaßnahmen« betreiben, nun gut: der Ausdruck ist schrecklich. Aber die Sache so zu nennen und auch ausführen zu wollen ist viel besser als sich mit der Tatsache eines schrecklichen Krieges abzufinden. |
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