Was der Bibel heilig ist
Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel
Am Sonntag gedenken viele katholische Christen der Heiligen. Was weiß die Bibel eigentlich über Heilige und Heiliges?
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sob
 Sein »Allerheiligstes« galt in der biblischen Zeit als Wohnstatt Gottes auf Erden: Modell des Jerusalemer Tempels.
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Heilig sein wie Gott - 3. Mose 19, 2; 3. Mose 10, 3; 1. Thessalonicher 5, 23
Gott ist das Heiligste überhaupt, die Personifikation des Heiligen. Aber Gott will seine Heiligkeit nicht für sich alleine behalten, sondern Menschen daran teilhaben lassen. Die Grenze zwischen Gott und Mensch aufzulösen ist in zwei Richtungen möglich: Entweder das Göttliche kommt in die Welt (in Form Jesu Christi, »Inkarnation«) - oder der Mensch wird selbst durch seine Geisteshaltung und sein Verhalten heilig. So ist zu verstehen, dass Gott sagt: »Ich erzeige mich heilig denen, die mir nahe sind.« Dass die Menschen sich im Prozess der »Heiligung« befinden, beschreibt auch das Neue Testament. »Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch.« ( 3. Mose 19, 2, 3. Mose 10, 3, 1. Thessalonicher 5, 23)
Zitat: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott.«
Die Frage des Psalmisten - Psalm 15, 1-5
Für einen gläubigen Menschen wäre das eine ganz besondere Ehre: Nahe bei Gott auf dessen »heiligem Berge« zu wohnen. Aber wer darf das? »Wer die Zehn Gebote befolgt«, hätte der Psalmist antworten können. Stattdessen wählt er schönere Worte: Wer untadelig und rechtschaffen lebt; wer die Wahrheit redet von Herzen; wer seinem Nächsten nichts Arges tut und seinen Nachbarn nicht schmäht; wer seinen Eid hält, auch wenn es ihm schadet; wer Geld nicht gegen Zinsen verleiht. Demnach dürften Banker und Finanzspekulanten Gott nicht allzu nahe kommen dürfen. ( Psalm 15, 1-5)
Zitat: »Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berge?«
Das Heiligtum als Gottes Stätte - 2. Mose 25, 8
Wie jede andere Religion kennt auch die biblische Tradition Stätten, an denen sich das Heilige in besonderer Weise offenbart. Das erste Heiligtum ist die sogenannte Stiftshütte, in der die Tafeln mit den Zehn Geboten während der Wüstenwanderung durch Ägypten transportiert wurden. In Jerusalem wurde der Tempel zum zentralen Heiligtum Israels. Hier wurde die Lade im »Allerheiligsten« aufbewahrt. ( 2. Mose 25, 8)
Zitat: »Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, dass ich unter ihnen wohne.«
Heilig und profan - 3. Mose 10, 10; Hesekiel 22, 26
Priester sind von Gott beauftragt, zwischen heilig und unheilig zu unterscheiden. Einige von ihnen kommen dieser verantwortungsvollen Aufgabe jedoch nicht nach und »entweihen, was mir heilig ist«, klagt Gott gegenüber dem Propheten Hesekiel, »so werde ich entheiligt«. ( 3. Mose 10, 10, Hesekiel 22, 26)
Zitat: »Ihr sollt unterscheiden, was heilig und unheilig, was unrein und rein ist.«
Jesus als »Heiliger Gottes« - Markus 1, 24; Johannes 6, 69
Bemerkenswerterweise entdeckt dem Markusevangelium zufolge zuerst ein Dämon, dass Jesus göttlichen Wesens ist. »Ich weiß, wer du bist«, raunt ihm das teuflische Wesen durch einen besessenen Menschen entgegen, »der Heilige Gottes«. Prompt demonstriert Jesus seine göttliche Macht, laut schreiend verlässt der Dämon sein Opfer. Dem Evangelisten Johannes lag mehr daran, dass Simon Petrus Jesus erkennt. Im Namen der gesamten Jüngerschar bekennt dieser: ( Markus 1, 24, Johannes 6, 69)
Zitat: »Du bist der Heilige Gottes.«
Ein dreifaches »Heilig« - Jesaja 6, 3
Dreimal »heilig« hintereinander - ist das nicht zu viel des Guten? Eigentlich schon. Aber in Gebeten und Liturgien ist die dreimalige Nennung des Begriffs »heilig« sinnvoll. Sowohl in jüdischen wie christlichen Gottesdiensten wird es bis heute verwendet (in lateinischer Sprache: »Sanctus, sanctus, sanctus«. Das Fachwort dafür lautet »Trishagion«. Die dreifache Wiederholung eines heiligen Begriffes ist übrigens keine biblische Besonderheit, sondern auch in anderen Religionen bekannt. ( Jesaja 6, 3)
Zitat: »Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!«
Der Heilige Geist erfüllt die Menschen - Apg. 2, 1-13
Gottes Geist ist heilig und wird im Neuen Testament als eigene Macht oder Größe dargestellt - was später Theologen dazu führte, ihn als eigenständige Wesenheit der Dreifaltigkeit in den Himmel zu heben. Durch das Wirken des Heiligen Geistes kommen Menschen mit göttlicher Macht in Berührung. Wie das geschieht, schildert die Apostelgeschichte sehr plastisch: durch »Zungen, zerteilt wie von Feuer«. Begleitet wird das Erscheinen des Heiligen Geistes durch ein »Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind«. ( Apostelgeschichte 2, 1-13)
Zitat: »Sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist.«
| BIBLE'S DIGEST
Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...
»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.
Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.
DAS HEILIGE
Als »heilig« bezeichnet die Bibel alles, was Gott und der göttlichen Sphäre zugehörig ist. Vor allem der Tempel mit seinen Geräten (Altäre, Bundeslade) zählt dazu, aber auch die Opfergaben der Menschen. Wer sich ihnen nähert, muss selbst in gewisser Weise heilig sein. Im Neuen Testament wird der Begriff hauptsächlich auf den Heiligen Geist angewendet, durch den Gott und Christus in der Welt wirken. Die Reformation erinnerte angesichts der katholischen Heiligenverehrung an den biblischen Befund, dass neben Christus keine »Heiligen« als Fürsprecher zwischen Gläubigen und Gott stehen; vielmehr seien alle Gläubigen Heilige. In der modernen evangelischen Theologie gilt die strikte Unterscheidung von »heilig« und »profan« als problematisch. »Das Profane und das Heilige können nicht voneinander getrennt werden«, meinte etwa der Theologe Paul Tillich († 1965); »das Profane kann der Träger des Heiligen werden. Das Göttliche kann in ihm manifest werden. Nichts ist unabänderlich profan.«
Zum Weiterlesen: Frère John von Taizé: Abenteuer Heiligkeit. Biblische Perspektiven fürs eigene Leben, Verlag Neue Stadt Oberpframmern 2008.
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