Sonne und Mond, Himmel und Erde
Die 600 Jahre alten Fenster der Marienkirche in Frankfurt an der Oder sind wieder komplett
Das Bild vom Anfang der Welt ist nach Frankfurt an der Oder zurückgekehrt: Sonne und Mond sind auf den mittelalterlichen Chorfenstern der Marienkirche zu sehen, Himmel und Erde, Bäume und ein demütiger nackter Mensch. Eine Gestalt mit brauner Kutte und Heiligenschein segnet ihn. »Die Erschaffung Adams« heißt das Motiv, das zu den letzten sechs Glasfeldern der Kirchenfenster gehört, die seit 2002 als »Beutekunst« aus Russland zurückgegeben worden sind.
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 Die »Verurteilung Adams und Evas« im Schöpfungsfenster in der Marienkirche in Frankfurt/Oder: Die über elf Meter hohen gotischen Chorfenster waren 1943 zum Schutz vor Zerstörungen ausgebaut und in Potsdam eingelagert worden. 1946 als »Beutekunst« in die Sowjetunion gelangt, galten sie dort über Jahrzehnte als verschollen.
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Erstmals seit fast 70 Jahren ist der Kunstschatz wieder vollständig an seinem historischen Ort zu sehen: Ein »national bedeutendes Denkmal« von »großer Symbolkraft« sei damit wiederhergestellt, lobt Brandenburgs scheidende Kulturministerin Johanna Wanka (CDU).
Im Zweiten Weltkrieg hatte man die 117 rund 80 mal 50 Zentimeter großen Glasbilder aus der gotischen Marienkirche entfernt, um Kriegsschäden zu vermeiden. Nach Kriegsende wurden sie 1946 von der Roten Armee als Entschädigung für NS-Verbrechen in die Sowjetunion transportiert und galten dort lange als verschollen.
Kirchenschatz keine Beutekunst
In den 90er-Jahren tauchten 111 der Glasbilder in der Petersburger Eremitage auf, langwierige Verhandlungen folgten. Der Beschluss der russischen Duma zur Rückgabe der Fenster vom April 2002 galt als Sensation. Als Kirchenschatz waren die Kunstwerke vom Gesetz gegen die Rückgabe von »Beutekunst« ausgenommen. Noch im selben Jahr kehrten die Glasbilder nach Frankfurt an der Oder zurück. Dort wurden sie restauriert, Tausende von Stunden verbrachten die bis zu vier Restauratorinnen mit der Aufarbeitung der Kunstwerke.
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 Die »Landung der Arche« im Schöpfungsfenster in der Marienkirche in Frankfurt/Oder.
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Als erstes der drei mehr als elf Meter hohen Fenster mit je 39 weit überwiegend biblischen Szenen wurde 2005 das »Christusfenster« wieder in der Marienkirche eingesetzt. Zwei Jahre später folgten das Schöpfungs- und das Antichristfenster. Doch im »Schöpfungsfenster« fehlten sechs Felder, die Restauratorinnen ließen die Fehlstellen frei. Unterdessen kamen Gerüchte auf, die sechs Bilder seien gefunden worden. Tatsächlich tauchten die fehlenden Szenen im Moskauer Puschkinmuseum auf.
Weitere Verhandlungen folgten. Im November vergangenen Jahres schließlich kamen auch diese Glasbilder zurück an ihren historischen Ort und wurden wie die 111 anderen Motive in der eigens in der Marienkirche eingerichteten Werkstatt restauriert. Ausgerechnet unter den letzten sechs Bildern wartete eine der schwierigsten Aufgaben: Der »Baum der Erkenntnis« im Paradies. »Das waren die zerstörtesten Stücke des ganzen Bestandes«, sagt Restauratorin Sandra Meinung. Nun ist sie fertig und »stolz, dass das wieder so gut aussieht«.
Feier mit Vertretern Russlands
Einen »unvergleichlichen Schatz« hat der Kulturstaatsminister der Bundesregierung, Bernd Neumann (CDU), die zwischen 1360 und 1370 entstandenen Kunstwerke genannt. Rund eine Million Euro haben die Arbeiten gekostet, Sponsoren und Spender haben einen Großteil der Kosten getragen.
Mit einem Fest hat sich die Stadt am vergangenen Wochenende bei ihren Unterstützern bedankt. Und nicht zuletzt bei der russischen Seite: Auch deren Vertreter waren beim Festakt in der Kirche dabei. |