Alltag im Konzentrationslager
Dokumentation Obersalzberg zeigt Fotos eines KZ-Kommandanten
Feriendomizil des »Führers« wird der Obersalzberg oft genannt. Doch die idyllische Bergwelt im oberbayerischen Berchtesgaden war viel mehr: Pilgerstätte für tausende jubelnde Deutsche, die einen Blick auf ihren »Führer« erhaschen wollten, und gleichzeitig inoffizieller Regierungssitz, wo Adolf Hitler wichtige politische und militärische Entscheidungen traf. Insgesamt ein Drittel seiner Regierungszeit von 1933 bis 1945 verbrachte Hitler zurückgezogen auf dem Obersalzberg.
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 Das Konzentrationslager als nationalsozialistischer Menschenzoo: aus dem Fotoalbum von Karl Otto Koch, dem ersten Kommandanten des KZ Sachsenhausen.
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Seit 1999 beleuchtet die Dokumentation Obersalzberg in einer Dauerausstellung die NS-Zeit - vom Führerkult über Propaganda bis hin zu Kriegsführung und Judenvernichtung. Die vierte Winterausstellung »Von der Sachsenburg nach Sachsenhausen« zeigt derzeit in der historischen Bunkeranlage die Entwicklung der Konzentrationslager in Deutschland von 1933 bis Sommer 1937.
Ausgestellt sind rund 100 Aufnahmen aus dem Fotoalbum des ersten KZ-Kommandanten von Sachsenhausen bei Berlin, Karl Otto Koch (1897-1945). Das Album soll ein Geschenk zu Kochs 40. Geburtstag gewesen sein und zeigt den Alltag in Konzentrationslagern aus der Tätersicht.
»Es gibt immer noch Menschen, die Nazi-Verbrechen leugnen«, bedauert Albert A. Feiber, wissenschaftlicher Leiter der Dokumentation Obersalzberg. Doch mit einer Ausstellung, die die Tätersicht zeige, könne man dem begegnen. Die Fotos seien natürlich gestellt und geschönt, sagt Feiber. Der Hobbyfotograf Koch werfe sich in Schale, posiere für die Kamera und gebe die »minderwertigen Häftlinge« oft der Lächerlichkeit preis, indem er beispielsweise den größten und den kleinsten Häftling nebeneinanderstellt. »Koch geht auf den Fotos völlig in seiner Arbeit als Lagerkommandant auf und will zeigen, wie gut er sein Lager im Griff hat«, so Feiber. Der Wissenschaftler beschreibt Koch als einen der »schlimmsten KZ-Kommandanten«.
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 Wegen Korruption kurz vor Kriegsende von Seinesgleichen erschossen: Karl Otto Koch posiert als Herrenmensch.
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Zu jedem Foto hat Koch zum Teil recht zynische Kommentare geschrieben. Zwei Häftlinge nennt er »Berufsverbrecher«. Einer anderen Aufnahme verpasst er den Titel »Frankforter Strichjungs«, nachdem er Homosexuelle in einer Reihe sitzend fotografiert hat. Die Ausstellung zeigt Koch als Kommandanten der frühen Konzentrationslager Hohnstein, Sachsenburg, Columbia und Esterwegen.
In dieser Phase wurden die Lager vor allem dazu genutzt, Regimegegner außerhalb des regulären Rechtssystems festzuhalten. Ab 1936, als die KZs immer mehr für rassische Verfolgung und Kriegsproduktion eingesetzt wurden, wurde Koch auch Kommandant von Sachsenhausen und Buchenwald.
In Sachsenhausen heiratete Koch schließlich Ilse Köhler, die noch heute als »Hexe« oder »Kommandeuse« von Buchenwald bekannt ist. Köhler erhielt diese Beinamen, weil sie Häftlingen gegenüber besonders grausam gewesen sein soll. Unter anderem soll sie sich aus Menschenhaut Lampenschirme gefertigt haben.
So rühmlich die Fotos Karl Otto Koch auch darstellen mögen, viel weniger rühmlich ist sein Ende. Nicht von den Alliierten wurde er zum Tode verurteilt, sondern kurz vor Kriegsende 1945 von den Nationalsozialisten. Am 5. April 1945 wurde Koch von der SS im KZ Buchenwald erschossen. Grund: Korruption und Mord vor dem Hintergrund der persönlichen Bereicherung am Vermögen jüdischer Häftlinge.
Die Ausstellung ist bis Ende Oktober montags bis sonntags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Von November bis März dienstags bis sonntags von 10 bis 15 Uhr. Internet: www.obersalzberg.de
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