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Dieser Artikel: Ausgabe 43/2009 vom 25.10.2009
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Wenn Kinder nach dem Sterben fragen

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Ein Kind aus dem Kindergarten ist gestorben. Nun fragen die Kinder ihren Eltern ein »ein Loch in den Bauch«: »Wann sterbt ihr? Was ist ein Engel? Wie kommt die Seele in den Himmel? Kann uns die verstorbene Kindergartenfreundin noch hören und sehen?« Die Eltern haben auf die Fragen meist nur sehr unsichere Antworten.

Unsere beiden Jüngsten, drei und vier Jahre alt, besuchen eine Tageseinrichtung. Vor ein paar Wochen ist eines der Kindergartenkinder gestorben. Seit dieser Zeit kommen unsere Kinder immer wieder nach Hause und fragen und fragen und fragen uns ein Loch in den Bauch.

Dabei sind sie gar nicht traurig, wie wir es erwartet hätten, sondern vor allem neugierig. Eine fast grenzenlose Neugierde, die uns da entgegen kommt. Mein Mann und ich stehen vor all diesen Fragen und kommen uns ziemlich hilflos vor. Eigentlich, eigentlich(!), müssten wir doch eine Antwort haben. Wir sind doch erwachsen, wir sind doch die Eltern, wir müssten doch Bescheid wissen.

Aber meist haben wir keine Antwort oder nur eine sehr vage Antwort. Ein paar Beispiele aus dem Reservoir unserer beiden Mädels: Wann stirbst du und wann stirbt Papa? Was ist ein Engel? Wie kommt die Seele in den Himmel? Kann uns Claudia (das verstorbene Kind) noch hören und sehen?

Schon beim Wiedergeben dieser Fragen, und die Liste ist noch lange nicht zu Ende, merke ich, wie Stress aufkommt und wie ich dabei ganz verspanne.

Frau B.

 

Was Sie beschreiben, ist gut nachfühlbar. Da kommen diese Kinderfragen, und schon macht sich Panik breit. Um Himmels willen, was sage ich jetzt? Drei Gedanken zur Entlastung.

1. Wichtig ist nur eines: dass sich unsere Kinder mit ihren Fragen angenommen wissen, und dass wir ihnen als Gesprächspartner zur Seite stehen. Weil es selbst noch im Werden ist, verlangt das fragende Kind keine endgültigen Antworten. Sein Wissensdrang wird es nach einiger Zeit wieder fragen lassen, und die bisherigen Antworten können ergänzt werden.

2. Wir dürfen zu beidem stehen, zu unseren Unsicherheiten und zu unseren Gewissheiten. Mal werden wir mit den Worten beginnen können »Ich bin mir ganz sicher...« oder »Ich vertraue darauf...« oder »Ich stelle es mir so vor...«. Ein anderes Mal werden wir sagen müssen: »Du, ich weiß das auch nicht, aber es könnte doch so sein...« oder »Ich bin mir da auch unsicher...« oder »Ich denke auch darüber nach, lass uns sehen, ob wir gemeinsam etwas finden.«

3. Oft haben unsere Kinder eine eigene Antwort in sich, die ihnen für den Moment genügt. Deswegen achten wir darauf, was uns das Kind entgegenbringt, und interessieren uns dafür. »Was meinst du...?« oder »Wie stellst du dir das vor...« Die Antworten, die wir dann hören, sind oft originell und anrührend.

Ein Beispiel: Anne (4), deren Bruder vor ein paar Tagen beerdigt wurde, sitzt am Fenster und schaut auf den strömenden Regen. »Du«, fragt sie schließlich die Erzieherin, »meinst du, mein Bruder weicht auf von dem vielen Regen?« Die Kindergärtnerin setzt sich neben sie und wartet eine Weile ab: »Hm, was meinst denn du?« Anne überlegt und schüttelt den Kopf: »Ich glaube nicht.« Wieder wartet die Erzieherin: »Und wie kommst du jetzt darauf?« Es arbeitet in Anne. Dann sagt sie: »Mein Papa erlaubt das nicht, dass mein Bruder aufweicht.« Er ist immer noch von Liebe umgeben und gehalten - das sagt sie damit. Aber wie trocken klingt dieser »erwachsene« Satz im Vergleich zu Anne.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Deutenbacher Str. 1, 90547 Stein - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Herzog-Wilhelm-Str. 24, 80331 München.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Waldemar Pisarski

 


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abgerufen 08.02.2012 - 22:47 Uhr

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