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Dieser Artikel: Ausgabe 43/2009 vom 25.10.2009
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Die »Ich-bin-Worte« Jesu

Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel


Wer Jesus ist? Das Johannesevangelium beantwortet diese Frage nicht mit theologischen Spitzensätzen, sondern mit eingängigen Gleichnisworten.

Segnender Christus, Hans Memling, 1478.
Foto: sob
   Segnender Christus, Hans Memling, 1478.

»Ich bin das Licht der Welt« - Johannes 8, 12

Eigentlich geht es ums Richten: Die Pharisäer, institutionelle Glaubenswächter in Jerusalem, würden Jesus am liebsten den Ketzerprozess machen. Dieser Wanderprediger aus Nazareth findet im Volk immer mehr Anhänger - aus pharisäischer Sicht eine Gefahr. Jesus lässt sich nicht auf einen Disput ein, sondern spricht im Tempel fast poetisch von seinem Auftrag: »Ich bin das Licht der Welt…« Indem er sich so positiv beschreibt, verfällt er nicht der Versuchung, sich gegen andere abzugrenzen, auch nicht gegen die Pharisäer. »Ihr richtet nach dem Fleisch«, sagt er ihnen, »ich richte niemand.« ( Johannes 8, 12)

  Zitat: »Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.«

 

»Ich bin das Brot des Lebens« - Johannes 6, 35

Anders als die anderen Evangelisten, macht Johannes das Abendmahl nicht erst zu Beginn der Passionsgeschichte zum Thema. Am See Genezareth war Wundersames geschehen: Fünftausend Menschen waren von fünf Broten und zwei Fischen satt geworden! Am nächsten Tag hält Jesus eine lange Predigt, in der er sich selbst symbolisch als Brot bezeichnet. Er endet mit einer Aufforderung zum Abendmahl: »Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.« ( Johannes 6, 35)

  Zitat: »Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.«

 

»Ich bin der Weinstock« - Johannes 15, 5

Auf den sonnenreichen Hügeln Palästinas wird seit jeher Wein angebaut; schon im alten Israel galt Wein als segensreiche Gabe Gottes (Jesaja 65,8). Jesus greift also ein allgemein bekanntes Bild auf, wenn er sich als Weinstock tituliert. Seine Nachfolger seien wie die Reben, die ohne den Rebstock verdorren und abfallen. Für Martin Luther bedeutete das, der »Gewalt des Teufels ausgeliefert« zu werden. ( Johannes 15, 5)

  Zitat:: »Ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.«

 

»Ich bin der gute Hirte« - Johannes 10, 11

Bis heute löst der Anblick eines Hirten, der mit seiner Schafherde gemächlich durch die Natur zieht, wohlige Gefühle und die Sehnsucht danach aus, selbst so behütet zu sein wie ein Schaf: stets auf frische Wiese geleitet zu werden, immer versorgt und gehegt zu sein, selbst im finsteren Tal gefunden zu werden. Sicherlich kannte auch Jesus Psalm 23, in dem Gott als Hirte trostreich in Szene gesetzt wird. Einen neuen Aspekt bringt der Evangelist Johannes, indem er auf den Tod Jesu hinweist. ( Johannes 10, 11)

  Zitat: »Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.«

 

»Ich bin die Tür« - Johannes 10, 9

Mit Schafen hat auch dieses »Ich-bin-Wort« zu tun. Die Tür des Stalls ist lebenswichtig für die Tiere: Durch sie können sie auf die Weide gehen und wieder Zuflucht im Stall finden. Trotzdem ist dieses Gleichniswort nicht ganz stimmig und schwer zu verstehen. Denn die »Diebe und Räuber«, von denen Jesus spricht, müssen doch auch durch diese Tür gegangen sein, um den Schafen Schlimmes zu tun? Egal: Dass man nur durch die »Tür« Jesus zum »Vater« - zu Gott - kommt, ist einprägsam. ( Johannes 10, 9)

  Zitat: »Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden.«

 

»Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben« - Johannes 14, 6

Heute gehört dieser Satz zu den Lieblingssprüchen fundamentalistischer Missionare, vielfach plakatiert auch auf Münchener S-Bahnhöfen. Doch was es wirklich bedeutet, den Weg Jesu zu gehen, und wie man das Leben und die Wahrheit in ihm finden kann - darüber herrschen - zu Recht! - unterschiedliche Vorstellungen. Meint es, den Weg ins Leiden - und dann auch in die Auferstehung mitzugehen? Oder meint es, als Nachfolger mit den Geboten und Seligpreisungen Jesu durchs Leben zu gehen, um einst am »ewigen Leben« teilzuhaben? Dieser Satz birgt genügend Tiefe und Anreiz, um ein Leben lang darüber nachzusinnen. ( Johannes 14, 6)

  Zitat: »Niemand kommt zum Vater denn durch mich.«

 

»Ich bin die Auferstehung und das Leben« - Johannes 11, 25

Drastischer geht's kaum: Vier Tage lang lag Lazarus, ein Mann aus dem Dorf Betanien, im Grab. Einige Leute machten Jesus Vorwürfe: Warum hatte Jesus ihn nicht besucht und geheilt - sein Tod wäre vermeidbar gewesen! Jesus »ergrimmte« über die Vorwürfe, ging zum Grab und befahl, den Stein wegzuheben. »Herr, er stinkt schon!« warnt ihn Marta, die Schwester des Verstorbenen. »Lazarus, komm heraus!«, befiehlt Jesus unbeirrt. Tatsächlich erwacht der Tote wieder zu Leben, eingehüllt in Grabtücher kommt er aus der Grabhöhle. Eine bessere Geschichte kann es kaum geben, um die Auferstehung zu illustrieren, die Jesus verheißt. ( Johannes 11, 25)

  Zitat: »Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.«

 

BIBLE'S DIGEST

»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...

 

  »Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.

 

DIE »ICH-BIN-WORTE«

  Zu den Besonderheiten des Johannes-Evangeliums gehören die »Ich-bin-Worte« Jesu. Der Evangelist beschreibt mit ihnen bildreich, was Jesus für die Menschen bedeutet. Die Symbole sprechen tiefe menschliche Bedürfnisse und Sehnsüchte an: Licht, Nahrung, Glaube, Behütetsein. Dass nur der Evangelist Johannes diese Worte überliefert, drängt Neutestamentler zu Erklärungsversuchen. Sind sie Original-Worte Jesu? Oder handelt es sich um spätere Texte, die Jesus in den Mund gelegt wurden?

  Zum Weiterlesen: Jan Janssen/Uwe Appold: So frei. Die Ich-bin-Worte Jesu in Auslegungen und Bildern, Gnadenthal 2007.

 

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 09.02.2012 - 00:36 Uhr

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