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Dieser Artikel: Ausgabe 43/2009 vom 25.10.2009
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Auf der ewigen Baustelle

Der Schwabe Wolfgang Eychmüller leitet den Ulmer Münsterbauverein


»Des goht it!« ist ein Satz, der Wolfgang Eychmüller fremd ist. Lösungen findet er immer, damit geht, wofür er sich mit Herz und Verstand einsetzt. Dabei arbeitet der 80-jährige Schwabe, der bis vor Kurzem Aufsichtsratsvorsitzender der Wieland-Werke in Ulm war und als Architekt des heute weltweiten Marktführers für Kupfer-Halbzeuge gilt, im Stillen - große Worte sind sein Wesen nicht, was schon mancher Journalist zu spüren bekam. Er sei auch »alles andere als ein Vereinsmeier«, verrät Eychmüller lächelnd. Doch gibt es einen außergewöhnlichen Verein, den Eychmüllers Familie auf eine Weise prägt, wie sie deutschlandweit selten ist.

Wolfgang Eychmüller.
Foto: dk
   Wolfgang Eychmüller.

Redliche Bescheidenheit, Eigenverantwortung und die mit Eigentum verbundene Verpflichtung alten Unternehmerdenkens schufen und schaffen im zunächst von Vater, seit 1973 vom Sohn Eychmüller geleiteten Münsterbauverein seit 84 Jahren die Basis für den Erhalt des Ulmer Münsters. Allein im vergangenen Jahr flossen aus dem Münsterbauverein 680.000 Euro in Projekte zur Sanierung des Münsters.

Die ewige Baustelle Ulmer Münster stellte 1925 Kirche und Stadt in Ulm wieder einmal vor große Probleme: Die Strebebögen mussten unbedingt gerichtet werden, Geld war keines vorhanden. So gründete sich aus dieser Not heraus der Münsterbauverein, dem anfangs viele Ulmer angehörten, weil die Identifikation der Menschen in der Stadt mit ihrer Bürgerkirche groß ist. Den Vorsitz des Vereins zu übernehmen bat man Karl Eychmüller, der sich seine Mitarbeit am Erhalt des Münsters fortan zu einer Lebensaufgabe machte. »So viel muss zusammenkommen; so viel geb ich«, gab Karl Eychmüller den anderen Vereinsmitgliedern klar die vorbildhafte Richtung vor.

Im Ulmer Münster wird am 25. Oktober die Synode der EKD eröffnet.
Foto: sob
   Im Ulmer Münster wird am 25. Oktober die Synode der EKD eröffnet.

1935 ahnten Eychmüller und die Familien um ihn, die sich im Münsterbauverein engagiert hatten, den missbrauchenden Zugriff, den die nationalsozialistische Gleichschaltung der Vereine für das symbolkräftige Gotteshaus gehabt hätte. Der Münsterbauverein tauchte unter, indem er sich auf die für einen Verein notwendige Mindestzahl von sieben Mitgliedern reduzierte. Das Ringen um die innere Freiheit trieb Karl Eychmüller in den Folgejahren um.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Struktur des ungewöhnlichen Vereins bis heute erhalten: Es gibt sieben berufene Mitglieder und drei »ex officio« - den Prälaten, den Dekan und den Ulmer Oberbürgermeister. »Deshalb sind wir eigentlich mehr eine Aktionsgruppe«, sagt Eychmüller. Postenrangeleien, Vereinsfeste - all das gibt es nicht. »Durch diese Struktur können wir schnell reagieren, wo es nötig ist«, sagt Eychmüller. »Wir sind autonom, aber mit klar erklärtem Ziel.«

Enormes Vertrauen hat Dekan Ernst-Wilhelm Gohl in den Münsterbauverein, der unbürokratisch hilft, wenn Eile nottut. »Diese Arbeit steht und fällt mit dem Vorsitzenden«, sagt er auch im Hinblick darauf, wie wichtig ein Netzwerk zum Erhalt des Münsters ist. So bekam der Verein jüngst gar ein Vermächtnis aus Perth (Australien).

Vor verdienten Ehrungen scheut Wolfgang Eychmüller zurück. Da ist zum einen das Gebot »Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir«, das ihn stets begleitete und ihn vor jeder Form von Überhöhung seiner Person bewahrte, da ist zum anderen seine Lebenserfahrung der Bereicherung aus seinem vielfältigen kulturellen wie kirchlichen Engagement heraus.

Lieber lächelt er über einen Tag, an dem er, wie er sagt »den Teufel auf den Kirchturm führen durfte«. Natürlich rang Eychmüller dem damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel an jenem Tag eine kräftige Unterstützung des Landes für den Münstererhalt ab.

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Dagmar Königsdorfer

 


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abgerufen 08.02.2012 - 12:08 Uhr

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