Von der Strahlkraft der Protestanten
Synode bestimmt Ende Oktober Nachfolge des EKD-Ratsvorsitzenden Huber
Sechs Jahre lang hat Wolfgang Huber die 25 Millionen Protestanten in Deutschland repräsentiert. Als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat der versierte Theologe viel bewegt. Wer nach den Ratswahlen bei der Synode am 27. Oktober in Ulm an die EKD-Spitze rückt, ist offen.
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 Er gab in den letzten sechs Jahren dem Protestantismus Gesicht und Stimme: der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber.
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Doch soviel steht fest: Die Messlatte liegt hoch. Huber, der dem neuen Rat nicht mehr angehören wird, hat mit seinen Auftritten in der Kirche, den Medien und der politischen Öffentlichkeit Maßstäbe für die gesellschaftliche Strahlkraft des Protestantismus gesetzt.
Als wichtigstes Projekt nennt der 67-Jährige die tiefgreifende Reform der EKD und ihrer Landeskirchen, die vor drei Jahren unter dem Titel »Kirche der Freiheit« angeschoben wurde. »Ich hoffe, dass dies über die sechs Jahre hinaus fortwirken wird«, sagt Huber. Der geforderte Umbruch stieß zunächst auf Vorbehalte. Inzwischen ist die Einsicht in die Notwendigkeit gewachsen, denn die Kirche verliert nach allen Prognosen bis 2030 ein Drittel der Mitglieder und die Hälfte ihres Budgets. Das erfordert die Konzentration auf Kernaufgaben und schmerzhaften Abschied von manchen Arbeitsfeldern.
Intellektuelle Schärfe
Im September hat die EKD in Kassel eine Zwischenbilanz der Reformen gezogen und beispielhafte Initiativen aus Gemeinden und Kirchenkreisen vorgeführt. Bei der Zukunftswerkstatt steht Huber noch einmal vor 1200 Teilnehmern im Rampenlicht und erntet Applaus für seine gründliche Analyse. Seine strahlende Zufriedenheit ist aber wie verflogen, nachdem einige kritische Stimmen zu Wort gekommen sind. Plötzlich steht auf der Bühne der Professor, der für seine Sicht der Dinge kämpft und Widerspruch streng zurückweist.
Dass der Spitzen-Protestant weniger pastorale Wärme ausstrahle als etwa sein Vorgänger Manfred Kock, ist moniert worden. Doch auch Kritiker erkennen an, dass Huber mit intellektueller Schärfe die evangelische Kirche profiliert hat. Er wendet sich dagegen, dass vor lauter Verständnis für Andersdenkende die Klarheit evangelischer Positionen auf der Strecke bleibt. Unter seiner Führung artikulierte die EKD mehr Selbstbewusstsein - etwa mit der Forderung an Muslime, dass es keinen Dialog zwischen den Religionen ohne ein klares Bekenntnis zum deutschen Gemeinwesen geben kann. Auch gegenüber der katholischen Kirche fand die EKD deutliche Worte, nachdem der Vatikan erneut den Protestanten abgesprochen hatte, »Kirche im eigentlichen Sinne« zu sein.
Huber, der sich selbst und seinem Umfeld ein enormes Maß an Tempo und Leistung abverlangt, entstammt dem bürgerlichen Bildungsmilieu, geboren im deutsch besetzten Straßburg, seine Eltern sind beide Juristen. Wolfgang Huber setzt sich mit der NS-Belastung seines Vaters auseinander und tritt nach Theologie-Studium und Vikariat 1968 in die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg ein.
Huber wird zu einem der Vordenker des Linksprotestantismus, lehrt in Marburg Sozialethik und in Heidelberg systematische Theologie. 1985 leitet er als Präsident den Kirchentag in Düsseldorf. Für die SPD steht er 1993 vor einer Bundestagskandidatur, doch er entscheidet sich für das Bischofsamt in der Hauptstadt.
Mit »Pro Reli« gescheitert
Eine Rückkehr in die Parteipolitik schließt Huber aus: »In diesen Bereich gibt es keinen Weg zurück«, sagt er. Das bedeute aber nicht, dass er ein unpolitischer Mensch werde. Seine Enttäuschung über den SPD-geführten Berliner Senat und das Scheitern des Volksbegehrens »Pro Reli« sitzt tief.
Huber plant erst einmal Urlaub und mehr Zeit für seine Frau Kara, für Kinder und Enkel. Im Winter wird er für eine gewisse Zeit an eine Hochschule in Südafrika gehen, doch wird man sicher weiter von ihm hören: »Und wenn ich gefragt werde, mich zu dem einen oder anderen Thema zu äußern, werde ich das gegebenenfalls auch tun.« |