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Dieser Artikel: Ausgabe 43/2009 vom 25.10.2009
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Neues Gesicht, neues Denken

Zur anstehenden Wahl eines neuen EKD-Rats

Von Lutz Taubert

Die Kirchenaustritte, so wird aus der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit eher zögerlich gemeldet, nahmen im Jahr der Wirtschaftskrise (also 2008) zu, nachdem in den Jahren davor die Mitgliederstatistik in relativer Stabilität verharrte.

Es ist für einen in seinem Glauben und in seiner Kirche verhafteten Christen eine fatale, wenn auch keine neue Erkenntnis, dass die Ersparnis der Kirchensteuer ein wesentliches Motiv für massenhafte Kirchenaustritte ist.

Das muss man sich klarmachen: Da stellt sich der Protestantismus für die Zukunft auf mit einem Perspektiv-Papier »Kirche der Freiheit«, da werden Landeskirchen reformiert und fusioniert und da wird Mitarbeitern und Kirchengemeinden ein Mentalitätswandel verschrieben, auf dass sie aus ihrem vereinsengen Milieu herauskommen und sich den so genannten »Kirchendistanzierten« öffnen. Und dann fallen die Aktienkurse und die Finanzbelastung steigt, und deswegen treten gleich wieder ein paar Zehntausend aus. Es ist ein billiger Trost, dass das schon seit Jahrzehnten so ist, etwa beim Solidaritätszuschlag 1992 oder beim Konjunkturzuschlag Anfang der siebziger Jahre.

Wie auch immer, die rein quantitativen Prognosen, die jenem Perspektiv-Papier der EKD zugrunde liegen und die viele so erschreckt haben, scheinen sich mit der voranschreitenden Zeit zu erfüllen. Bis 2030, davor sollte niemand den Kopf in den Sand stecken, werden die Kirchen ein Drittel der Mitglieder und gar die Hälfte ihres Budgets verlieren.

Es ist hohe, drängende Zeit, dass sich der Protestantismus gut aufstellt, gut aufgestellt bleibt. Der Neuwahl des EKD-Rates in den letzten Oktobertagen (im Zuge der EKD-Synode in Ulm), schließlich auch der Wahl des oder der Ratsvorsitzenden kommt deshalb hohe Bedeutung zu.

Der Rat ist das Kabinett der Protestanten, der Vorsitzende der Kanzler und Präsident in einer Person. Daneben gibt es freilich mit der Kirchenkonferenz noch einen Bundesrat, der den protestantischen Föderalismus stärkt.

Der scheidende Ratsvorsitzende Wolfgang Huber hat über sechs Jahre vorgemacht, was es heißt, dem evangelischen Christentum ein Gesicht zu geben. Mehr noch und anderes: dem Protestantismus ein neues Denken zu verschreiben in einer sich dramatisch verändernden Welt. Huber, der im atheistischen und muslimischen Berlin kein leichtes Bischofsamt zu schultern hat, präsentierte in seinem intellektuellen Stil eine neue theologische und gesellschaftpolitische Weite.

Für den Protestantismus kann das nur bedeuten, dass er sich aus dem starren Blick des Hasen auf schwindende Mitgliederzahlen lösen muss, ohne die Fakten zu ignorieren. Denn eine solche zwanghaft neurotische Sichtweise passt nicht zur evangelischen »Kirche der Freiheit«. Der Mentalitätswandel dafür braucht Zeit, ist aber beste Voraussetzung, um für Kirchenmitglieder, heutige und künftige, attraktiv zu sein.

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abgerufen 08.02.2012 - 22:54 Uhr

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