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Dieser Artikel: Ausgabe 41/2009 vom 11.10.2009
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Christlicher Bestseller aus Nanking

In China - Gast auf der Frankfurter Buchmesse - steht die größte Bibeldruckerei der Welt


Mit China als Ehrengast rückt die Frankfurter Buchmesse (14. bis 18. Oktober) den Blick auf ein Land im Umbruch. Auch die Verlagswelt der Volksrepublik ist in Bewegung. Die Zensur existiert weiter, doch die Grenzen des Machbaren verschieben sich. Die rund 570 Buchverlage sind in staatlicher Hand, aber die treibende Kraft ist der Markt. Immer noch werden kritische Autoren mit Verboten belegt. Auch die Bibel ist noch immer kein staatlich genehmigtes Buch. Aber das Internet schafft neue Möglichkeiten.

Die Bibel als Verkaufs- und Exportschlager: Die Bibel-Druckerei im chinesischen Nanking stellte 2008 rund zehn Millionen Ausgaben der Heiligen Schrift her.
Foto: pa
   Die Bibel als Verkaufs- und Exportschlager: Die Bibel-Druckerei im chinesischen Nanking stellte 2008 rund zehn Millionen Ausgaben der Heiligen Schrift her.

Die Bibel ist in China ein besonderes Buch. In Buchhandlungen findet man sie nicht. Oder doch? Illustrierte »Bibelgeschichten« auf Chinesisch oder auch englische Ausgaben sind sehr wohl zu haben. Nur die vollständige Heilige Schrift fehlt. Denn sie ist keine staatlich genehmigte Publikation.

Wer im chinesischen Internet »Wo kann ich eine Bibel kaufen?« eingibt, bekommt allerdings gleich eine lange Liste mit Vorschlägen, wie's geht: Geh in einen kirchlichen Buchladen, lade sie dir irgendwo im Internet he­runter oder suche sie bei Taobao, dem chinesischen Ebay, da gibt es sie schon für umgerechnet 1,60 Euro. Sehr oft bieten die Tippgeber im Internet aber auch einfach an: »Schreib mir deine Adresse, dann schicke ich dir eine zu.«

Anfänge im 7. Jahrhundert

Das Buch der Bücher hat in China eine wechselvolle Geschichte hinter sich. In Auszügen brachten sie erstmals Missio­nare der Nestorianer Anfang des 7. Jahrhunderts nach Westchina. Die erste vollständige Übersetzung gab die protestantische British und Foreign Bible Study 1822 heraus. Die erste katholische Version der Bibel mit teilweise abgewandelter Übersetzung der lateinischen Namen erschien erst in den 1950er-Jahren.

Während der Kulturrevolution (1966-1976) schloss der chinesische Staat alle religiösen Stätten und ließ Bibeln konfiszieren. Nach 1978 erlaubte die kommunistische Führung in Peking wieder, die Heilige Schrift zu verbreiten. In staatlichen Druckereien wurden innerhalb von sechs Jahren rund fünf Millionen Exemplare gedruckt.

Heute ist die Bibeldruckerei der Amity Stiftung in Nanking für das Drucken chinesischer Bibeln verantwortlich.

Die Stiftung wurde 1985 als Verein für Armen- und Entwicklungshilfe gegründet. Ebenso wie die zwei Jahre später ins Leben gerufene Bibeldruckerei untersteht sie dem Chinesischen Christenrat, dem offiziellen Dachverband der chinesischen protestantischen Kirche. Neben der Amity Stiftung hält der britische Weltbund der Bibelgesellschaften 25 Prozent Anteil an der Druckerei. Liefen im Jahr 1988 zunächst 500000 Exemplare der Bibel vom Band, stellte die größte Bibeldruckerei der Welt 2008 rund zehn Millionen Exemplare her, ein Drittel der weltweit jährlich produzierten Bibeln.

Offiziell gibt es in China rund 20 Millionen Protestanten und sechs Millionen Katholiken. Vermutlich sind die Zahlen jedoch mindestens drei Mal so hoch, denn viele Gläubige gehen in nicht registrierte evangelische Hauskreise. Oder sie gehören nicht der offiziell erlaubten katholischen Kirche, sondern der vatikantreuen Untergrundkirche an.

Pro Sekunde wird in der Bibeldruckerei ein schwarz eingeschlagener Band mit leuchtend pinkfarbenem Schnitt produziert. Der größte Teil davon ist für China gedacht. Über das kircheneigene Verlags- und Vertriebswesen gelangen die Bücher in die rund 55000 kirchlichen Buchläden. Aber die Bibel wird auch bereits für 60 Länder in 75 Sprachen hergestellt - und exportiert.

Die chinesische Regierung steht dem Bestseller Bibel nach wie vor zwiespältig gegenüber. Als die Stiftung im Dezember 2007 ihre 50-Millionste Bibel feierte, gratulierte der damalige Leiter der staatlichen Religionsbüros, Ye Xiaowen, ganz offiziell. Mit großer Härte reagiert die kommunistische Führung aber auf Versuche, Bibeln privat herzustellen oder in die Volksrepublik einzuschleusen.

Der chinesische Hauskreispastor Cai Zhuohua wurde 2004 zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er illegal Bibeln und christliche Literatur gedruckt hatte. Zuletzt wurden im August 2008 rund 300 Bibeln von US-amerikanischen Missionaren am Flughafen der südchinesischen Stadt Kunming konfisziert.

VERLAGE IN CHINA

  Die staatliche Zensur ist im Zuge einer gelenkten Kommerzialisierung lockerer geworden, auch wenn viele chinesische Regimekritiker weiterhin mit Publikationsverboten belegt sind.

  Zu den heiklen Themen in China gehören die Armee oder das Tiananmen-Massaker an friedlichen Demonstranten 1989. Brisante Texte dazu lassen sich in Auszügen aber leicht im Internet finden. Auch Raubkopien kursieren.

  Einige Autoren bringen kritische Bücher bei Verlagen in Hongkong heraus, das als Sonderwirtschaftszone innerhalb der Volksrepublik mehr Freiheiten genießt. Oder die Werke werden auf der - aus offizieller Sicht - abtrünnigen Insel Taiwan gedruckt.

 

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Kristin Kupfer

 


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abgerufen 08.02.2012 - 12:09 Uhr

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