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Dieser Artikel: Ausgabe 41/2009 vom 11.10.2009
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Was die Bibel über Liebe sagt

Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel


»Liebe ist alles«, singt das Pop-Duo Rosenstolz. Wörtlich steht das so nicht in der Bibel, aber ähnlich: Liebe ist größer als Glaube und Hoffnung - und so stark wie der Tod.

Paar mit grünem Fächer, Otto Müller, 1913, Köln.
Foto: sob
   Paar mit grünem Fächer, Otto Müller, 1913, Köln.

Das wichtigste Gebot: Gott lieben - 5. Mose 6, 4f.

Das jüdische Glaubensbekenntnis (nach den Anfangsworten »Schma Jisrael« - »Höre, Israel« genannt) weist der Liebe einen hohen Stellenwert zu. Dass man Gott »liebhaben« solle von ganzem Herzen, wünscht es sich. Um das nicht zu vergessen, solle man es an jede Tür schreiben. Bis heute beherzigen die meisten jüdischen Gläubigen dieses Zeichen und befestigen eine Mesusa, eine Kapsel mit dem Glaubensbekenntnis, am rechten Türpfosten. Im christlichen (nichtbib­lischen) Glaubensbekenntnis kommt das Wort »Liebe« seltsamerweise nicht vor. ( 5. Mose 6, 4f.)

  Zitat: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen.«

 

Gott liebt sein Volk - 5. Mose 7, 6f.

Weder aus herablassendem Wohlwollen noch aus Berechnung habe Gott das Volk Israel auserwählt, sondern aus Liebe. Liebevoll wie ein Vater oder eine Mutter handelt er folglich. Dass er oft Gnade vor Recht walten lässt und zum Beispiel angekündigte Strafen wieder zurücknimmt, ist auf die Liebe zurückzuführen, die sogar stärker ist als Gottes Wille. Einmal bekennt Gott sogar, dass ihm sein Herz breche, würde er seine Drohungen gegenüber dem unfolgsamen Volk wahrmachen ( Jeremia 31, 20). ( 5. Mose 7, 6f.)

  Zitat: »Der Herr hat euch angenommen, weil er euch geliebt hat.«

 

Loblied auf die Erotik - Hoheslied

In der Bibel findet sich auch eine Hommage an die erotische Liebe: das »Hohelied«. Es schildert das Verliebtsein von Salomo und einer namentlich nicht genannten Frau (der Legende nach heißt sie »Sulamith«), die die Wonnen der Erotik erleben. Bis ins 20. Jahrhundert haben Theologen behauptet, es handele sich um eine Allegorie für die Liebe zwischen Gott und der Kirche. Wer das mitreißende und herzerwärmende Buch liest, wird diese Auffassung schwerlich nachvollziehen können. ( Hoheslied)

  Zitat: »Liebe ist stark wie der Tod.«

 

Das »Doppelgebot der Liebe« - Markus 12, 31

Als »Doppelgebot der Liebe« gilt ein Ausspruch Jesu: Erstens solle man Gott lieben »von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«; außerdem solle man seinen Nächsten lieben wie sich selbst. Die fromme Weisheit stammt keineswegs von Jesus; vielmehr greift er zwei alttestamentliche Grundgebote auf und fasst sie zusammen (5. Mose 6,4f. und 3. Mose 19,18). Auf diese Weise signalisiert er den Schriftgelehrten Jerusalems, dass er mit seiner Lehre ganz auf dem Boden des jüdischen Glaubens steht. ( Markus 12, 31)

  Zitat: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.«

 

Die Liebe hörte niemals auf - 1. Korinther 13

In diesem Kapitel des Korintherbriefes wird aus dem systematisch denkenden Theologen Paulus ein demütiger Liebes-Bekenner. Dass die Liebe größer als der Glaube sei: Diese Einsicht wird bis heute von den Dogmatikern und Glaubenswächtern aller Konfessionen und Religionen viel zu wenig beachtet. Wer sich im Besitz des Glaubens wähne, sogar Berge versetzen könne: Ohne Liebe wäre dieser Mensch nichts. Auch allen religiösen Schönrednern und -predigern schreibt Paulus Denkwürdiges ins Stammbuch: »Wenn ich mit Engelszungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich eine klingende Schelle.« ( 1. Korinther 13)

  Zitat: »Nun aber bleiben Glaube, Liebe und Hoffnung, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.«

 

Gott ist Liebe - 1. Johannes 4, 16

Wie man sich Gott vorstellen kann? Der Verfasser des ersten Johannesbriefes hat eine ebenso schlichte wie ergreifende Antwort: »Gott ist Liebe.« Ein Ausspruch, der seine verkitschte Version in der Formulierung »Ich glaube an die Macht der Liebe« findet. Dem neutestamentlichen Verfasser geht es jedoch um eine ganz bodenständige Argumentation: Wenn Gott Liebe ist und wenn er die Menschen als »Gottes Kinder« liebt, dann ist das als Aufforderung zu verstehen: »Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt«. ( 1. Johannes 4, 16)

  Zitat: »Gott ist die Liebe.«

 

Liebt eure Feinde! - Matthäus 5, 43-48

Wahrlich Großes fordert Jesus von seinen Nachfolgern: Dass sie nicht nur Freunde, sondern sogar die Feinde lieben! »Wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid - was tut ihr Besonderes?«, fragt Jesus in der Bergpredigt. Gott lasse seine Sonne aufgehen über Böse und Gute - also sollen auch die Menschen ohne Rücksicht auf Sympathie lieben. Die ersten Christen setzten bereits den jesuanischen Wunsch in die Tat um. »Man schmäht uns, so segnen wir«, sagt der wegen seines Glaubens verfolgte Apostel Paulus (1. Korinther 4,12). Das wirklich Neue an der Feindesliebe wird auch bei einem Blick in die Schriften der Essener-Sekte deutlich, die in Qumran am Ufer des Toten Meeres lebte: Sie plädierten dafür, nur die »Kinder des Lichtes« zu lieben, die »Kinder der Finsternis« jedoch zu hassen. ( Matthäus 5, 43-48)

  Zitat: »Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen!«

 

BIBLE'S DIGEST

»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...

 

  »Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.

 

LIEBE IN DER BIBEL

  »Das Alte Testament kennt die Liebe als geheimnisvolle Kraft, die Menschen in Gefühl, Willen und Gedanken aneinander kettet: den Vater an den Sohn, den Mann an die Frau«, beschreibt das renommierte Lexikon »Die Religion in Geschichte und Gegenwart« und weist auf einen interessanten Sprachbefund hin: Das hebräische Wort für »lieben« - ‚ahăb - »enthält auch den Akzent des wählenden Entschlusses und ist nicht auf die Sphäre des Gefühls zu begrenzen«. Im Neuen Testament betont der griechische Begriff »Agape« den Hingabe-Charakter der Liebe.

  Zum Weiterlesen: Edith Düsing/Hans-Dieter Klein (Hg.): Geist, Eros und Agape: Untersuchungen zu Liebesdarstellungen in Philosophie, Religion und Kunst, Würzburg, 2009.

 

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:13 Uhr

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