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Dieser Artikel: Ausgabe 41/2009 vom 11.10.2009
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Nichts als Wellness-Gerede?

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Herr F. nimmt in den Predigten, die er in evangelischen Kirchen hört, nur noch eine seichte »Wellness-Mentalität« wahr. Wo bleibt, fragt er sich, das Aufdecken, das beim Namen nennen, das Konfrontierende, das doch die Mitte des Evangeliums ausmache?

Seit vielen Jahren bin ich ein treuer Predigthörer. Allerdings beobachte ich seit einiger Zeit mehr und mehr, wie sich die Predigten geändert haben. Früher waren es biblisch klare und fundierte Aussagen. Gut, für manche Leute mag das zu steil oder zu hoch gewesen sein und auf jeden Fall zu dogmatisch. Aber diese Art der Verkündigung war anspruchsvoll, und sie war anstößig, und ich konnte immer etwas mitnehmen. Auch dort wo ich vielleicht unterschiedlicher Meinung war.

Heute wird, so mein Eindruck, überall alles zur Unterhaltung gemacht. Leider Gottes gilt dies auch für die Predigten, die ich höre. Ja, sie mögen unterhaltsam und kurzweilig sein, aber sie sind auch seicht und oberflächlich. Das Aufdecken, das beim Namen nennen, das Konfrontierende fehlt fast völlig. Dabei steht doch dieser Aspekt in der Mitte des Evangeliums.

Mir begegnet hier genau das Wellness-Gerede, die Wellness-Mentalität, wie ich sie in den Illustrierten finde oder auf den Faltblättern irgendwelcher Institute, die mich glücklich machen wollen. Und das ist doch, verdammt doch mal, für eine evangelische Predigt zu wenig.

Oder nicht? Bitte sagen Sie mir jetzt um Himmels willen nicht, ich sollte doch einmal mit meinem Gemeindepfarrer reden und ihn auf seine Predigten hin ansprechen. Das bringt nichts, das will ich nicht, und das werde ich nicht tun.

Herr F.

 

Schade, denn genau das hatte ich vor: Ihnen vorzuschlagen, sich an die Person zu wenden, die diese starken Gefühle auslöst. Ich selbst habe Begegnungen mit kritischen Hörern fast immer als Bereicherung erlebt und dabei viel gelernt. Schade, dass diese Erfahrung meinem Kollegen, Ihrem Gemeindepfarrer, jetzt versagt bleibt.

In all Ihrem Grollen spüre ich auch Ihr Engagement und Ihre Leidenschaft, und bei allem Zorn sind Sie anscheinend ein treuer Predigthörer geblieben. Sie hätten sich doch auch längst verabschieden können. Respekt für diese Treue!

Zur Sache. Neulich hörte ich im Gottesdienst das Evangelium vom Barmherzigen Samariter ( Lukas 10, 30-37). In jener Geschichte kommt für mich beides zusammen. Zunächst das heilende, fürsorgliche, wohltuende Moment. Wenn man so will, ist es eine »Wellness-Geschichte«. Und doch dürfen wir dabei nicht stehen bleiben. Bei der Frage: »Wer ist mein Nächster?« ( Vers 29) brauchen wir das, was Sie mit Aufdecken und Beim-Namen-nennen bezeichnen. Wer ist heute mein Nächster? Mir fallen dabei etwa Worte wie »Migrationshintergrund« oder »Prekariat« oder »Jugendgewalt« ein. Beide Aspekte, das Wohltuende und das Konfrontierende, gehören zum Evangelium.

Zum Schluss noch ein Vorschlag zur Güte. Wenn Sie möchten, schicke ich Ihnen meine Predigt vom letzten Sonntag zu und bitte Sie, mir zu sagen, wo Sie darin zu viel Wellness, zu viel Unterhaltsames oder zu viel Oberflächlichkeit sehen. Das wäre doch spannend, oder nicht?

Es ist nicht mein bester (siehe oben), aber doch immerhin mein zweitbester Vorschlag. Ob Sie sich darauf einlassen können?

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Deutenbacher Str. 1, 90547 Stein - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Herzog-Wilhelm-Str. 24, 80331 München.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Waldemar Pisarski

 


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abgerufen 09.02.2012 - 00:11 Uhr

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