Was tut Ihre Gemeinde für Mitgliederbindung?
Sonntagsblatt-Umfrage
Kerngemeinde oder Volkskirche? »95 Prozent der kirchlichen Arbeit richten sich auf gerade einmal fünf Prozent der Kirchenmitglieder. Doch nicht im Kern, sondern an den Rändern schmilzt die Kirche.« Was tun die Gemeinden angesichts dieser Diagnose?
 Foto:
privat
|
»Reichweite«
»95 Prozent kirchlicher Arbeit richten sich gerade einmal auf fünf Prozent der Mitglieder, die sogenannte Kerngemeinde. Doch nicht im Kern, sondern an den Rändern schmilzt die Kirche! Pastorale Arbeit muss gleichwertig Kerngemeinde 'pflegen', wie auch Wege suchen, jene anderen 95 Prozent angemessen zu erreichen. Auch wer nicht aktiv am Gemeindeleben teilnimmt, will als vollwertiges Gemeindeglied ge- und beachtet werden!«
Markus Ambrosy (44), Gemeindepfarrer in Puchheim bei München
 Foto:
gük
|
»Kultur«
»Wir setzen vor allem einen Akzent auf den Dialog zwischen Kunst und Kirche. Ausstellungen, Theater- und Literatur-Gottesdienste stärken unser Profil einer 'offenen Kirche im Stadtpark'. Segens- und Taizé-Gottesdienste kommen hinzu. Außerdem besuche ich als Schwerpunkt neu Hinzugezogene, aber auch 18-Jährige zu ihrem Geburtstag. Ganz viel Wert legen wir darauf, dass unser Monatsgruß gut ankommt.«
Wolfgang Vieweg (49), Pfarrer der Auferstehungsgemeinde Fürth
 Foto:
the
|
»Anziehender Kindergarten«
»Wir haben in unserer Amtszeit sogar schon eine Kirche abreißen müssen! Das lag aber nicht am Mitgliederschwund, sondern an der maroden Kirche. Ein nagelneuer Kindergarten zieht an, und wir versuchen, von Gemeindefest bis Religionspädagogik die Gemeinde einzubinden. Manche Austritte wenden sich anderen Religionen zu, das kriegen wir dann nicht mit. Wir taufen und beerdigen allerdings häufiger, als dass Mitglieder austreten.«
Christiane Weber (45), Pfarrerin in St. Lukas, Regensburgn
 Foto:
wl
|
»Gemeindebrief«
»Als größte Kirchengemeinde der Stadt nehmen wir die Öffentlichkeitsarbeit sehr ernst: Unser Gemeindebrief erreicht 100 Prozent aller Haushalte und lädt auch Menschen ein, die der Kirche nicht so nahestehen. Skeptisch bin ich, wenn eine zentral gesteuerte Kampagne zur 'Mitgliederpflege' flächendeckend umgesetzt werden soll, die den individuellen Charakter der Gemeinden nicht berücksichtigt.«
Martin Bachmann (51), Pfarrer in Bayreuth-St. Georgen |