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Dieser Artikel: Ausgabe 35/2009 vom 30.08.2009
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Zwischen Flucht und Aufbruch

Wie sich die Wende anbahnte: die Chronik des September 1989 (1)


Der 20. Jahrestag der friedlichen Revolution in der DDR steht in diesem Jahr bundesweit im Mittelpunkt zahlloser Veranstaltungen. Die Monatschronik für den September 1989 dokumentiert die wichtigsten Ereignisse der Zeit unmittelbar vor der Wende.

Mit Kerzen für den Frieden: Teilnehmer des Gebets in der Leipziger Nikolaikirche im Herbst 1989.
Foto: pa
   Mit Kerzen für den Frieden: Teilnehmer des Gebets in der Leipziger Nikolaikirche im Herbst 1989.

1.9. Mitglieder der Friedensbewegung bilden am Weltfriedenstag eine Menschenkette zwischen der sowjetischen und der US-amerikanischen Botschaft in Ost-Berlin. Der Rat der Stadt Leipzig drängt gegenüber der Nikolaikirchengemeinde vergeblich darauf, die in der Sommerpause unterbrochenen Friedensgebete am 4. September nicht wieder zu beginnen.

2.9. In ungarischen Lagern warten über 3500 DDR-Bürger auf eine Ausreise in den Westen.

3.9. In der Lübecker Bucht erreicht der letzte DDR-Bürger, der eine Flucht über die Ostsee riskiert, nach 20 Stunden westdeutsches Festland.

4.9. An das erste Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche nach der Sommerpause schließt sich eine Demonstration für »offene Grenzen, Versammlungsfreiheit und Vereinigungsfreiheit« vor laufenden Kameras westlicher Medien an. Danach kommt es zu einem Demonstrationszug »Für freie Fahrt nach Gießen«.

7.9. Auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz wird gegen die Wahlfälschung bei den Kommunalwahlen vom 7. Mai protestiert. DDR-Sicherheitskräfte unterbinden die Aktion brutal und nehmen etwa 80 Personen vorübergehend fest. In einem Schreiben an das SED-Zentralkomitee fordern kirchliche Basisgruppen gesellschaftliche Öffnung, Umgestaltung und Demokratisierung.

8.9. Stasi-Mitarbeiter beschlagnahmen in Leipzig eine Dokumentation mit Fotos über Polizeimaßnahmen nach Friedensgebeten und anderen Ereignissen. Nach entsprechenden Zusicherungen durch Rechtsanwalt Wolfgang Vogel verlassen alle 117 DDR-Bürger die Ständige Vertretung Bonns in Ost-Berlin.

9.9. Der evangelische DDR-Kirchenbund veröffentlicht ein Schreiben an SED-Staats- und Parteichef Erich Honecker, das die Verweigerung längst überfälliger Reformen als Ursache für die nach wie vor hohe Zahl ausreisewilliger DDR-Bürger beklagt.

10.9. In Ost-Berlin wird der Gründungsaufruf der Initiative »Neues Forum« veröffentlicht. Er ist von 30 Bürgerrechtlern aus der ganzen DDR unterzeichnet. Darunter sind die Malerin Bärbel Bohley, die Witwe des Bürgerrechtlers Robert Havemann, Katja Havemann und der Molekularbiologe Jens Reich. Ungarn öffnet ohne vorherige Absprache mit der SED-Führung seine Grenzen für DDR-Ausreisewillige nach Westen. Bis Ende September kommen etwa 30.000 Übersiedler auf diesem Weg in die Bundesrepublik.

11.9. In der Leipziger Nikolaikirche wird der Brief des DDR-Kirchenbunds an Honecker verlesen und von den rund 1300 Teilnehmern mit Beifall aufgenommen. Während des Gebets riegeln Polizeiketten das Gebiet um die Kirche hermetisch ab. Beim Verlassen der Kirche werden 89 Personen festgenommen. 19 Besucher des Friedensgebets kommen erst Mitte Oktober aus der Stasi-Haft wieder frei.

12.9. Die Bürgerinitiative »Demokratie Jetzt« fordert in ihrem Gründungsaufruf zur »Einmischung in die eigenen Angelegenheiten« auf. Die SED-Führung protestiert gegen die Öffnung der ungarischen Grenze für DDR-Bürger und nennt sie »organisierten Menschenhandel«.

15.9. Zum Auftakt der in Eisenach tagenden Synode des DDR-Kirchenbunds appelliert dessen Vorsitzender, der Thüringer Bischof Werner Leich, an die DDR-Führung, »jetzt deutliche Zeichen« für notwendige Veränderungen zu setzen. Die brandenburgische Stadt Fürstenwalde und das hessische Reinheim vereinbaren die letzte Städtepartnerschaft in den Zeiten der deutschen Teilung.

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epd

 


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abgerufen 04.02.2012 - 07:09 Uhr

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