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Dieser Artikel: Ausgabe 35/2009 vom 30.08.2009
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Als der Zweite Weltkrieg begann

Sonntagsblatt-Umfrage: Der 1. September vor 70 Jahren


Edith Helbig
Foto: wl

»Der Krieg war 1939 noch weit weg«

»Ich war damals 16 Jahre alt und überzeugt, dass der Krieg nach ein paar Tagen vorbei sein würde. Dass Mutter weinte, als nach dem Einmarsch in Polen die Glocken täglich eine Stunde läuteten, verstand ich nicht. Der Krieg war für uns weit weg: In unserer Familie gab es kaum Männer, die zum Militär eingezogen wurden. Dann war ich doch eine echte 'Kriegsbraut': mit 18 verheiratet, mit 20 Mutter. Mit 21 war ich Witwe.«

Edith Helbig (86), Bayreuth

Helmut Winterr
Foto: wl

»Das ist Krieg«

»Ich war 12 Jahre alt und erinnere mich, dass wir am Volksempfänger die Führerrede hörten: 'Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen!' Von einem Krieg war aber nicht die Rede. Mein Vater, der den ersten Weltkrieg mitgemacht hatte, sagte jedoch sofort: Das ist Krieg! Uns war jedenfalls klar, dass der Überfall auf Polen etwas anderes, viel Schlimmeres bedeutete als alle bisherigen 'Abenteuer'; des Führers.«

Helmut Winter (83), Redakteur i.R. und Diakon, Neuendettelsau

Eckhard Herrmann
Foto: pth

»In meiner Jugend kam das Thema zu kurz«

»Meine Eltern, die den Krieg als Jugendliche erlebt haben, sprachen nur selten über diese Zeit. Auch in meiner Schulzeit in den 60er- und 70er-Jahren kam der Zweite Weltkrieg zu kurz. Die zeitliche und emotionale Distanz der Lehrer war wohl noch zu gering, ihre persönliche Belastung zu groß. Heute ist das Gott sei Dank anders. Die Zeitzeugen, die warnend ihre Stimme erheben können, werden leider immer weniger.«

Eckhard Herrmann (55), Dekan, Regensburg

Annette Farbulleh
Foto: ley

»Spätfolgen«

»Mein Vater wuchs wegen des Zweiten Weltkriegs als Vollwaise auf. Meine Großmutter mütterlicherseits erlebte ihr eigenes Kriegstrauma, nachdem sie den Dienst an der Front verweigert hatte, worauf die Todesstrafe stand. Auf ihrer Flucht musste sie dann das Brennen deutscher Städte ansehen. Bei beiden Verwandten zeigten diese furchtbaren Erlebnisse verheerende Spätfolgen, unter denen die gesamte Familie leiden musste.«

Annette Farbulleh (40), kaufmännische Angestellte, Röthenbach bei St.Wolfgang

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abgerufen 09.02.2012 - 00:16 Uhr

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