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Dieser Artikel: Ausgabe 35/2009 vom 30.08.2009
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»Es muss sehr viel Ich drin sein«

Der Jugendbuchautor Alois Prinz schreibt preisgekrönte Biografien über Hesse, Meinhof und Paulus


Wie entflieht man der Kleinstadt Wurmannsquick, wenn man noch nicht Auto fahren darf? Der junge Alois hat in den 1960er-Jahren mithilfe der Stadtbibliothek Eggenfelden die niederbayerische Enge hinter sich gelassen und ist in fremde Leben eingetaucht. Heute ist Alois Prinz selbst Schriftsteller und Jugendbuchautor. Für seine Biografien über Hannah Arendt, Franz Kafka und zuletzt den Apostel Paulus hat er den Evangelischen Buchpreis und den deutschen Jugendliteraturpreis erhalten.

»Brüche im Leben sind das Spannendste«: Schriftsteller Alois Prinz mit Border Collie Abby.
Foto: Zeidler
   »Brüche im Leben sind das Spannendste«: Schriftsteller Alois Prinz mit Border Collie Abby.

Abby will nur schnell sehen, wer da zu Besuch kommt. Doch das Herrchen schickt den Border Collie wieder nach draußen. »Eigentlich gehört sie unserer Tochter, aber sie hat sich halt mich ausgesucht«, lacht Prinz. Jeden Morgen geht der Schriftsteller mit dem Hund Gassi, um neun Uhr sitzt er dann am Schreibtisch, arbeitet bis Mittag, manchmal kocht er für die Familie. Die hauptsächliche Schreibarbeit findet abends statt.

»Es ist geistige Einsiedelei. Ich bin auf mich allein gestellt«, erzählt der Jugendbuchautor Alois Prinz. Er lebt mit seiner Familie in Feldkirchen-Westerham im Pfarrhaus. Seine Frau ist die Pfarrerin der Gemeinde. Bei Prinz´ Paulus-Biografie hat er oft auf ihre Bibliothek zugegriffen. »Das Lesen der Paulusbriefe war für mich ein morgendliches Ritual, ein Einpendeln in seine Gedankenwelt«, erzählt Prinz.

Herausgekommen ist »Der erste Christ. Die Lebensgeschichte des Apostels Paulus«, das 2007 erschienen ist. Fast zwei Jahre hat er daran geschrieben und eine Menge theologischer Literatur aufgearbeitet. »Man muss viel drum herum lesen«, sagt der Schriftsteller, »und dann am besten alles wieder vergessen. Das Wichtigste kommt wieder.«

Prinz wollte einen Menschen vom Anfang des Christentums porträtieren und theologische Fachsprache übersetzen in allgemeine Erfahrungen. »Es ging mir darum, den Mystiker Paulus zu demokratisieren. Er gilt zu Unrecht als schwer verständlich«, so der studierte Germanist. Er hat bei den Jesuiten studiert, dann eine journalistische Ausbildung gemacht, bei der Süddeutschen Zeitung gearbeitet, auch fürs Sonntagsblatt und für Publik Forum geschrieben. Ein Wettbewerb beim Verlag Beltz brachte ihn 1994 zur Schriftstellerei. Dass sein Manuskript unter den ersten drei gelandet ist, hat Prinz ermutigt.

Seine literarischen Biografien firmieren unter dem Label »All Age Buch«, das heißt, dass auch Erwachsene seine Jugendbücher lesen können. Zunächst müsse im Schriftsteller ein Interesse an der Person wachsen, die er darstellen will. Oft sei das ein Prozess des Wartens, des Einkreisens. »Irgendwann weiß ich dann: Das trägt! Der ist mir so nahe, dass ich was daraus machen kann. Es muss sehr viel Ich drin sein«, erklärt Prinz.

Der 50-Jährige liest oft an Schulen aus seinen Büchern. Schüler verstünden die paulinische Thematik vom Gesetz, das die Sünde erst hervorbringt, recht gut: »Die kapieren Paulus, wenn sie merken, dass erst das Verbot von Computerspielen sie verlockt, sie heimlich doch zu spielen.« Für das Buch über die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof ist er durch Deutschland gereist. Ehemalige Mitschülerinnen Meinhofs organisierten ein Klassentreffen, er sprach mit dem Schuldirektor und der Ziehmutter Renate Riemeck. Für die KafkaBiografie studierte er alte Stadtpläne von Prag, für die Lebensgeschichte des Paulus baute er Modelle der antiken Städte aus Pappe.

Prinz will sich ganz hineinbegeben ins fremde Leben. Ihn interessiert, welche Ideale Menschen verfolgen, wie sie handeln, ohne die eigenen Prinzipien zu verraten. »Brüche im Leben sind das Spannendste«, findet er: Ulrike Meinhof, Klosterschülerin, erfolgreiche Journalistin und am Ende »Staatsfeind Nr. 1«. Paulus, der als Christenverfolger begann und schließlich Gemeinden gründete. Gerade ist sein neuestes Buch erschienen, das sich genau diesen Lebensbrüchen widmet. Prinz porträtiert zehn Menschen, die ihre Bestimmung fanden: Jesus, Augustin, Dorothee Sölle. »Ich wollte eigentlich, dass das Buch Die zweite Geburt heißt«, lächelt Prinz. Nun heißt es »Mehr als du denkst.«

Aus dem jungen Alois aus Wurmannsquick ist vielleicht auch mehr geworden, als er dachte. Wahrscheinlich hat er seine Bestimmung gefunden: in fremde Leben eintauchen und sie lesbar machen.

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Sandra Zeidler

 


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abgerufen 08.02.2012 - 12:13 Uhr

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