ZEITZEICHEN
Wer könnte demnächst das Rad, das Buch, die Uhr verbieten? Das ist keine rhetorische Frage, sondern eine ernsthafte Überlegung. Denn die EU verbietet ein Ding, das wir den drei genannten Begriffen ohne weiteres ebenbürtig zur Seite stellen können als eine die Menschheit befördernde Erfindung: die Glühlampe!
Ihr drei Jahre dauerndes Ende beginnt mit diesem ersten September, ab dem keine 100-Watt-Glühlampen mehr in den Verkauf kommen sollen und auch alle mattierten aus dem Markt genommen werden. Nach und nach werden dann alle Glühlampen verboten. Nach EU-Plan ist der Kontinent zwischen Sizilien und dem Nordkap 2012 elektrobirnenfrei.
Da ist ein sentimentaler Nachruf fällig. Wir Licht-Verbraucher hamstern seit Wochen alle Restbestände, als drohte ewige Finsternis, und werden, bis auch die letzte durchgebrannt ist, treu zu unserer Birne stehen. Denn seit sich das EU-Verbot herumgesprochen hat, ging uns - diese Metapher muss nun einfach sein - ein Licht auf: nämlich dass die Glühlampe, die bisher so selbstverständlich-unauffällig ihren gleichwohl leuchtenden Dienst tat, uns fehlen wird. Ihr rötlich-heimeliges Licht verheißt uns Geborgenheit. Künftig scheint die Energiesparlampe, blau, hässlich, mitsamt ihrem Quecksilber ein Sondermüllfall. Und damit wollen wir das Klima verbessern?
So weit so erhellend. Auf der dunklen Medaillen-Seite der Glühbirne ist freilich zu vermerken, dass dieselbe nur fünf Prozent des Stroms in Helligkeit umsetzt, 95 Prozent aber in »Abwärme« verschwendet. Das also ist es, was uns einstige Höhlenbewohner so für sie einnimmt. Im kalten Schein der Energiesparlampe werden wir mindestens im Winter fröstelnd der guten alten Glühbirne gedenken. |
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