»Ich bin Kirchen-Öffner«
Der ehemalige Regionalbischof von Schwaben bewohnt ein altes Pfarrhaus an der Ostsee
Gerade hat Ernst Öffner einem an klassischer Kunst interessierten Ehepaar die herrlichen Ausmalungen der Dorfkirche von Kalkhorst aus dem 14. Jahrhundert erläutert, da geht die Tür auf. Herein kommt ein kahl geschorener kräftiger Mann mit Tätowierungen, die Sonnenbrille auf dem Hinterkopf platziert - wahrlich kein typischer Kirchenbesucher. Als der ehrenamtliche Kirchenführer Ernst Öffner ihn anspricht, da erzählt der Besucher seine halbe Lebensgeschichte. Seine Kindheit habe er in Kalkhorst verbracht, er sei ein »böser Junge« gewesen, mit der Kirche hatte er es nicht so, nur mit der Tochter des Pastors. Jetzt hat er sich mit einem Tattoo- und Piercing-Studio in Berlin eine Existenz aufgebaut. Diese und andere spannende Geschichten der Menschen sind es, die Ernst Öffner hierher gebracht haben.
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Mölkner
 Ernst Öffner mit Frau Hildegard in der Kirche von Kalkhorst: Der Backsteinbau wurde Mitte des 13. Jahrhunderts begonnen und gehört mit seiner barocken Ausstattung zu den Sehenswürdigkeiten des kleinen Orts unweit der Ostsee in Nordwestmecklenburg.
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Gemeinsam mit seiner Frau Hildegard, beide 65 Jahre alt, fällte Öffner letztes Jahr eine große Entscheidung. Der Ruhestand des Regionalbischofs von Augsburg und Schwaben stand unmittelbar bevor. Und relativ spontan entschieden sich die rüstigen Rentner für ein altes Pfarrhaus in Mecklenburg.
Durch die Kontakte der bayerischen mit der dortigen Landeskirche hatte Öffner frühzeitig großes Interesse an der Geschichte und den Menschen im Osten entwickelt. Und als der Ruhestand bevorstand, richteten die Öffners eine offizielle Anfrage an den Landesbischof und bekamen schließlich das herrliche Pfarrhaus in Kalkhorst angeboten. Im November 2008 folgte der Umzug.
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 Gartenarbeit: Ende 2008 konnte der bayerische Ex-Regionalbischof mit seiner Frau in das große Kalkhorster Pfarrhaus einziehen.
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»Ich bin Kirchen-Öffner«, sagt Ernst Öffner hintersinnig. An der Kirche steht sein Name und die Adresse Heinrich-Schliemann-Straße 4, und Besucher können sich im fünf Minuten entfernten Pfarrhaus den Schlüssel holen. Oder aber sie werden wie heute von ihm selber geführt. Für die Besucher und auch im Gottesdienst spielt er gerne die Orgel, predigen muss er bislang noch nicht, worum Öffner gebeten hatte. Schließlich verbringt er hier seinen Ruhestand. Der Blick richtet sich auf die nächsten fünf Jahre, es sei denn, es käme früher ein Pastor ins Pfarrhaus, was sehr unwahrscheinlich ist. Die Öffners wollen den Umzug zurück nach Bayern noch »mit eigener Kraft« schaffen.
Groß das Bemühen um die Integration in der neuen Heimat. Sie singen im Dönkendorfer Chor in der Nachbarschaft, ein Kreis von Gemeindemitgliedern trifft sich zu Gespräch und Andacht einmal die Woche bei ihnen im Pfarrhaus. Im Nachbardorf gibt es das Literaturhaus Uwe Johnson, in dem sie viel DDR-Literatur kennenlernen.
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 »Ich bin der Kirchen-Öffner«: Ernst Öffner an der Orgel der Kalkhorster Kirche.
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Ernst Öffners Hoffnung geht in Erfüllung: Die Menschen und ihre Geschichten kennenlernen, mal nicht gleich mit Predigen loslegen müssen. »Man muss natürlich Interesse an den Menschen haben, auf sie zugehen, und dann haben wir bisher ganz viel Freundlichkeit erlebt«, resümiert Öffner. Das Schicksal der Menschen hier berührt ihn. Gerade haben die Eigentümer der großen Wismarer Werft in unmittelbarer Nachbarschaft angekündigt, diese zu schließen und Tausende zu entlassen. Wenigstens der Tourismus bietet hier - nur vier Kilometer von der Ostsee entfernt zwischen Lübeck und Wismar gelegen - große Chancen.
Und eines wird Öffner beim Besuch des ehemaligen Kalkhorsters mit dem Tattoo-Studio in Berlin bewusst: Kein Besucher - und gebe er noch so sehr vor, kirchenfern zu sein - bleibe vom Besuch der Kirche unberührt. Öffner jedenfalls lädt den Gast natürlich zum Besuch eines Gottesdienstes ein, in dieser oder einer anderen evangelischen Kirchengemeinde. |
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