Gott wird 70
In seiner tschechischen Heimat genießt der Sänger Karel Gott eine nahezu übermenschliche Verehrung
Am 14. Juli werden unzählige Tschechen auf ihren Superstar anstoßen. Karel Gott, die »goldene Stimme von Prag« feiert siebzigsten Geburtstag. »Bozska Kaja«, »göttlicher Karl« nennen seine Landsleute ihn liebevoll. Und das, obwohl die Bedeutung seines Nachnamens im Tschechischen nichts mit Gott zu tun hat. Dennoch genießt Karel Gott in seiner Heimat eine nahezu übermenschliche Verehrung.
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Kolja Warnecke
 Karel Gott vor einem seiner selbstgemalten Bilder.
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Eine Welt ohne Gott ist nicht möglich, deshalb spielt der Sänger im atheistischsten aller Länder die entsprechende Rolle«, analysierte der polnische Schriftsteller Mariusz Szczygiel jüngst das Phänomen.
Während Karel Gott in der Bundesrepublik Deutschland im als politisch unverdächtigen Schlagergenre landete, enthielten seine Lieder für DDR-Hörer brisante Botschaften. »Einmal um die ganze Welt - und die Taschen voller Geld«: Niemand beschrieb die Sehnsucht der Menschen in den Ostblockstaaten eingängiger als Karel Gott.
Der ausgebildete Opernsänger gehörte schon 1970 zu den ganz Großen der Musikbranche. Als »Sinatra des Ostens« war er einer der größten Devisenbringer für das sozialistische Land. In unzähligen Fernsehshows und Konzerthallen in ganz Westeuropa trat er auf, spielte sogar in Las Vegas. Seine weiche, ausgebildete Stimme kann bis heute Swing genauso gut singen wie Schlager, Operetten-Arien und Country-Musik. Mehr als 30 Mal verliehen ihm die Tschechen die »Goldene Nachtigall«, die höchste Auszeichnung für Sangeskünste. Karel Gott - Superstar.
Und diese Biene, die ich meine, die heißt Maja
Im Herbst 2008 überraschte er das Publikum mit einem Duett mit dem Skandal-Rapper Bushido: »Für immer jung«. Im Video begegnen sich der alternde Star und der Rapper auf einer Kreuzung und blicken sich tief in die Augen: ein rührender Moment, in dem sich Fremdheit und tiefe Verbundenheit über die Generationen hinweg spiegeln.
Zwar hat Karel Gott den Olymp der Unterhaltungsmusik erklommen. Unumstritten ist er jedoch nicht. Der Sänger muss sich gegen unangenehme Vorwürfe zur Wehr setzen.
Deren Tenor: Als 1977 ein kräftiger Hauch der Freiheit durchs Land wehte, habe sich Gott von den kommunistischen Machthabern gegen die Opposition instrumentalisieren lassen. Damals hatte die tschechische Opposition in der »Charta 77« ihre Regierung öffentlich der Menschenrechtsverletzung bezichtigt.
Das Regime konterte die Anwürfe mit einer »Anticharta«. Tausende Künstler und Personen des öffentlichen Lebens verunglimpften die entstehende Opposition und riefen zur Loyalität mit der kommunistischen Regierung auf. Auch Gott unterschrieb das offensichtlich gesteuerte Polit-Pamphlet. »Wer das im Nachhinein verurteilt, macht sich keine Vorstellung davon, was es hieß, als Sänger zu arbeiten«, entgegnet Gott heute auf die Vorwürfe. Natürlich stand seine Existenz auf dem Spiel. Stolz verweist Gott darauf, dass er in keinem seiner Lieder die kommunistische Idee gepriesen habe.
Auch nicht in einem ebenfalls 1977 erschienen Lied, durch das auch in Deutschland jedes Kind Gott kennt: »In einem unbekannten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit, war eine Biene sehr bekannt...« - so beginnt das von Gott gesungene Titellied zur erfolgreichen Kinderserie »Biene Maja«.
Seinen Superstar-Status baute Gott auch nach dem Fall der Mauer und der »Samtenen Revolution« in Tschechien konsequent aus. In der »Gott-Gallery«, einem noblen Restaurant in der Prager Innenstadt, sahen Gäste bis vor kurzem rund um die Uhr Videos mit ihrem Idol; an den Wänden hingen vom Sänger gemalte Gemälde. Die Speisekarte bot »Nachtigallzungen« und »Meisterfilet«. Und rund 60 Kilometer südöstlich von Prag, im kleinen Ort Jevany, öffnete 2006 »Gottland«: ein Museum mit Ausstellungsstücken aus dem Leben und der Karriere Karel Gotts.
Mit Gott den Kommunismus überdauert
Rund 30000 Menschen pilgerten in die ehemalige Villa Karel Gotts. Anfang dieses Jahres haben Restaurant und Museum geschlossen. Nicht wegen mangelnden Interesses, sondern aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten, heißt es.
Die Tschechen halten jedenfalls zu ihrem Liebling. Erst recht, nachdem er vor drei Jahren Vater wurde und heiratete. Die Tschechen »liebten Gott und haben mit ihm zusammen den Kommunismus überdauert«, meint Mariusz Szczygiel; der Kult um Karel Gott sei »wie eine Absolution: Die Vergangenheit ist okay.« |