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Dieser Artikel: Ausgabe 28/2009 vom 12.07.2009
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Als das Land heilig wurde

Glaubenskurs Teil 7: Die »Landnahme« der Israeliten - ein Blick in die Frühgeschichte des Heiligen Landes

Von Helmut Frank

Auf die Herausführung aus Ägypten (Glaubenskurs Teil 3) folgt im heilsgeschichtlichen Zusammenhang die Hineinführung in das Land Kanaan. Von der Sklaverei am Nil geht es nun in das Land, in dem Milch und Honig fließen. Josua führt die Israeliten, Priester tragen die Bundeslade mit den Gebotstafeln voraus. Die Mauern von Jericho werden durch Posaunenstöße vernichtet. Mythos und Geschichte der späten Bronzezeit um das 13. Jahrhundert vor Christus durchdringen sich.

Josua führt die Israeliten durch den wundersam aufgestauten Jordan ins Gelobte Land. Priester tragen die Bundeslade mit den Gebotstafeln. Holzschnitt nach Josua 3,17 von Julius Schnorr von Carolsfeld, 1860.
Foto: pa
   Josua führt die Israeliten durch den wundersam aufgestauten Jordan ins Gelobte Land. Priester tragen die Bundeslade mit den Gebotstafeln. Holzschnitt nach Josua 3,17 von Julius Schnorr von Carolsfeld, 1860.

Das 5. Buch Mose erzählt in seinem 34. Kapitel vom Tod des Mose. Der Führer der Israeliten starb mit 120 Jahren auf dem Berg Nebo im Ostjordanland. Bei seinem Tod hatte er sein Lebensziel vor Augen: Gott gewährte ihm noch einen Blick auf das verheißene Land jenseits des Jordans, das er jedoch nicht mehr betreten sollte. Der Generation des Mose war wegen der Anbetung des Goldenen Kalbs am Sinai das gelobte Land verwehrt.

Josua war der charismatische Führer, der von Gott berufen wurde, die Israeliten in dieses über Generationen verheißene Land zu führen. Für diese Aufgabe konnte er sich der besonderen Nähe Gottes sicher sein: »Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen«, sprach der Herr zu ihm. Seine Geschichte wird im Buch Josua erzählt.

Der Name Israel begegnet erstmals auf der Stele des Pharao Merenptah etwa 1219 v. Chr.
Foto: PD
   Der Name Israel begegnet erstmals auf der Stele des Pharao Merenptah etwa 1219 v. Chr.

In den Kapiteln 1-12 des Josuabuches werden der wundersame Durchzug durch den Jordan und die Eroberung Kanaans erzählt, in den Kapiteln 13-22 geht es um die Verteilung des Landes an die Stämme Israels, in den Schlusskapiteln 23 und 24 ist Josuas Mahnrede und die Erzählung vom »Landtag zu Sichem« überliefert.

Das Land Kanaan ist nach dem Exodus aus Ägypten nun der zweite Teil von Gottes Verheißung. Von der Sklaverei am Nil führt Gott sein Volk nun in das Land, in dem Milch und Honig fließen (2. Mose 3,8). Nach den Erzählungen der Bibel wagte Josua bei Jericho die Überquerung des Jordans. An der Spitze der Zwölf Stämme marschierten Priester mit der Bundeslade, und wie beim Durchzug durch das Schilfmeer an der ägyptischen Ostgrenze half ihnen ein Wunder. Der Jordan staute sich »wie ein Wall«, flussabwärts war das Flussbett trocken.

Nach dem Übertritt eroberte Josua mit seiner Streitmacht das Land. Das einer Festung gleichende Jericho wurde zuerst eingenommen, dann wurde »an Mann und Weib, jung und alt, Rindern, Schafen und Eseln« der Bann vollzogen, die Stadt verbrannt und der Trümmerhaufen verflucht.

Einteilung Palästinas unter den 12 Stämmen Israels im Zuge der von der Landnahme nach dem Buch Josua nach einer Karte von Tobias Lotter aus dem Jahr 1759.
Foto: PD
   Einteilung Palästinas unter den 12 Stämmen Israels im Zuge der von der Landnahme nach dem Buch Josua nach einer Karte von Tobias Lotter aus dem Jahr 1759.

        

Die Erzählungen über die Einnahme der kanaanäischen Städte wirken in ihrer Grausamkeit verstörend, die Bibel wurde und wird deswegen als gewaltverherrlichend abgelehnt, Gott als grausamer Despot gebrandmarkt. Tatsächlich bietet das Buch Josua hier schwere Kost. Nach der Zerstörung Jerichos eroberte Josua die Stadt Ai und tötete deren zwölftausend Bewohner. Das Vieh wurde verschont, die Beute verteilt. Flüchtlinge, die dem Massaker entkommen konnten, wurden dagegen aufgespürt und erschlagen, den König von Ai ließ Josua an einen Baum hängen.

Die Erzählungen im Buch Josua sind keine Kriegsberichte

Die Gibeoniter, die durch eine List einen Nichtangriffspakt mit Josua schlossen, wurden unterjocht. Fünf regionale Könige, die einen Angriff wagten, wurden besiegt, unter ihnen auch der König von Jerusalem. Nachdem sich die Könige in eine Höhle geflüchtet hatten, legte Josua selbst Hand an und tötete sie; ihre Leichname ließ er an Bäume hängen. Josua überzog das Westjordanland mit Krieg und vollzog an seinen Bewohnern den Bann und übergab das Land den Zwölf Stämmen Israels. In der Erzählung wird betont, dass keine Stadt mit Israel Frieden machen wollte. Das lag offenbar auch nicht in Gottes Plan, der alles in Josuas Hand gab, die Herzen der Feinde verstockte, damit sie den Kampf suchten und die Israeliten an ihnen den Bann vollstrecken konnten.

Mit Posaunen gegen Mauern: »Die Trompeten von Jericho«, Gemälde von Jean Fouquet, Paris 1452.
Foto: PD
   Mit Posaunen gegen Mauern: »Die Trompeten von Jericho«, Gemälde von Jean Fouquet, Paris 1452.

Der französische Bibelkritiker Ernest Renan (1823-1892), hat seinen Abscheu vor diesen »bluttriefenden Barbarensitten« vor gut einem Jahrhundert so ausgedrückt: »Die menschliche Grausamkeit nahm die Form eines Paktes mit der Göttlichkeit an. Man legte ein feierliches Gelöbnis ab, alles zu töten, und verbot damit sich selbst, der Vernunft oder dem Mitleid Folge zu leisten. Man weihte eine Stadt oder ein Land der Vernichtung und glaubte Gott zu beleidigen, wenn man den gräulichen Eid nicht hielt.«

Heute geht die theologische Wissenschaft davon aus, dass die biblischen Erzählungen über die Landnahme keine »Kriegsberichte« sind. Das Buch Josua beschreibt die Landnahme als koordinierte militärische Aktion der Zwölf Stämme Israels. Es gilt jedoch als sicher, dass sich Israel erst in einem sehr langen Prozess auf dem Boden des Kulturlandes gebildet hat. Auch archäologische Erkenntnisse untermauern diese Sichtweise. Jericho wurde in der Spätbronzezeit nicht zerstört, und die Stadt Ai war zur Zeit der Landnahme längst das, was ihr Name besagt, ein »Trümmerhaufen«, in der Zeit zwischen 2400 und 1000 v. Chr. nicht besiedelt. Eine Zerstörung durch einwandernde Israeliten im 13. Jh. v. Chr. ist also in diesem Fall nicht wahrscheinlich.

  ALLERDINGS BELEGEN archäologische Funde aus dem 13. Jahrhundert die Zerstörung der Stadt Hazor, die in dieser Zeit etwa 20.000 Einwohner gehabt haben soll. Die Reste des monumentalen kanaanäischen Palastes von Hazor weisen Spuren eines starken Brandes auf, und mehrere darin enthaltene Statuen ägyptischer Herkunft wurden absichtlich verstümmelt. Der in Josua 11,1 und in Richter 4 angegebene Name des Königs von Hazor, Jabin, ist in einer auf akkadisch verfassten Keilschrift-Tafel als Ibni belegt.

Der Schlüssel zum Verständnis liegt darin, dass das Josuabuch rund fünfhundert Jahre nach der sogenannten »Landnahme« der späteren Israeliten verfasst wurde. In diesem halben Jahrtausend seit der »Landnahme« ist eine Menge passiert...

 

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abgerufen 08.02.2012 - 11:20 Uhr

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