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Dieser Artikel: Ausgabe 28/2009 vom 12.07.2009
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Wein in der Bibel

Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel


Bibelleser wissen: Nicht im Wein, sondern in Jesus ist Wahrheit. Trotzdem gehörte Wein zu biblischen Zeiten zu den Freuden des Alltags.

Stillleben mit Steinkrug, Gillis Jacobsz van Hulsdonck, 1645.
Foto: sob
   Stillleben mit Steinkrug, Gillis Jacobsz van Hulsdonck, 1645.

Noah, der Winzer der Welt - 1. Mose 9, 20-29

In den Pfützen der versiegenden Sintflut spiegelte sich noch der Regenbogen, gerade hatte Gott einen neuen Bund mit den Überlebenden geschlossen - da legt Noah schon einen Weinberg an. Als ob es nichts Wichtigeres zu tun gegeben hätte! Kaum ist der erste Wein fertig, betrinkt sich Noah und endet im Delirium in seinem Zelt - mit entblößtem Geschlecht. Sein Sohn Ham entdeckt den Vater in diesem erbarmungswürdigen Zustand; er holt seine beiden Brüder Sem und Jafet, die den Vater liebevoll zudecken. Am nächsten Morgen scheint Noah noch immer einen hohen Alkoholpegel zu haben, denn grundlos verflucht er Ham. ( 1. Mose 9, 20-29)

  Zitat: »Da er von dem Wein trank, ward er trunken.«

 

Wein? Aber nur in Maßen! - Sirach 31, 30-39

In ein Buch voller Lebensweisheiten gehört auch ein Abschnitt über Alkoholgenuss und -missbrauch. Jesus Sirach wusste das und schildert drastisch Freud und Leid, das der Wein bedeuten kann. Maßvoll getrunken, erquickt der Wein die Menschen. Wer jedoch zu viel trinkt, wird Herzeleid spüren, Streit beginnen, hinfallen und sich gar verletzen. Höchst aktuell erweist sich Sirach mit seiner Warnung vor dem Koma-Saufen: »Sei kein Held beim Weinsaufen; denn der Wein bringt viele Leute um.« ( Sirach 31, 30-39)

  Zitat: »Der Wein, zu rechter Zeit und in rechtem Maß getrunken, erfreut Herz und Seele.«

 

Gott schuf den Wein - Psalm 104, 15

Eigentlich logisch: Wenn Gott den Wein erschaffen hat - dann kann dessen Genuss nicht verboten sein! Der Psalmist lobt Gott dafür, dass er Wasser, Brot, Wein und vieles mehr den Menschen zur Freude und Stärkung geschenkt habe. Dieser Psalm überzeugte sogar den als wenig sinnenfreudig bekannten Reformator Johannes Calvin; in einer Predigt argumentierte der Denker: »Unsere Natur würde sich allemal mit einem Trunk Wasser begnügen; kommt Wein hinzu, so ist dies Gottes besondere Freigebigkeit.« ( Psalm 104, 15)

  Zitat: »Der Wein erfreue des Menschen Herz.«

 

Fröhliche Trinker, Pieter de Hooch, um 1650, Berlin, Gemäldegalerie.
Foto: sob
   Fröhliche Trinker, Pieter de Hooch, um 1650, Berlin, Gemäldegalerie.

Am Ende eine Welt voll Wein - Joel 4, 18

Am Ende aller Zeiten werden paradiesische Zustände herrschen, behaupten die Seher der Bibel. Der Prophet Joel malte sich und den Gläubigen ein Endzeit-Bild, in dem Jerusalems Berge voller Wein sind. Allerdings: Die Liebhaber trockenen Weins werden nicht Erfüllung finden. ( Joel 4, 18)

  Zitat: »Zur selben Zeit werden die Berge von süßem Wein triefen.«

 

Jesus ein »Weinsäufer«? - Lukas 7, 34

Wie man's macht, macht man's falsch: Diese Lehre musste Jesus ziehen, als er sich wieder mal vor den Schriftgelehrten seiner Zeit rechtfertigen mussten. Johannes den Täufer hatten die religiösen Besserwisser für verrückt erklärt, weil er abstinent lebte; nun beschimpften sie Jesus nicht nur als »Weinsäufer«, sondern auch als »Fresser«. Eine wichtige historische Information gibt dieser Hinweis des Evangelisten Lukas: Offensichtlich trank Jesus - auch - Wein. ( Lukas 7, 34)

  Zitat: »Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer.«

 

Der Weinkelch zum Gedächtnis - 1. Korinther 11, 23-25

Seine höchste christliche Weihe erhielt der Wein als kultisches Getränk. Bis heute trinken allsonntäglich Millionen Menschen im Gedächtnis an Jesus Christus im Abendmahl Wein. Diese Tradition geht auf das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern zurück, bei dem er mit ihnen Brot und Wein teilte. »Das tut zu meinem Gedächtnis«, fordert er sie auf. Schon in den Gottesdiensten der Urkirche stand das »Herrenmahl« im Mittelpunkt des Gottesdiensts. Die katholische Lehre erweiterte den biblischen Befund und behauptet, der Wein wandle sich substanziell in das Blut Christi. Dass der Wein ein Symbol für Jesus ist, überliefert der Evangelist Johannes (15,5) auch auf andere Weise. Ihm zufolge sagte Jesus von sich: »Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.« ( 1. Korinther 11, 23-25)

  Zitat: »Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl...«

 

Nur die Liebe ist schöner - Hohelied 4, 10

Nicht nur Wein, auch Liebe kann trunken machen. Bis heute wird das Verliebtsein als Taumel beschrieben. Dass der Rausch der Liebe sogar schöner als der des Weins ist, erfährt auch das Liebespaar, dessen Geschichte aus dem »Hohelied« überliefert ist. Der Wein gehört zum erotischen Spiel von Sulamith und Salomo; die beiden beteuern sich gegenseitig, dass ihre Liebe »lieblicher als Wein« ist und dass Küsse durchaus dem Trinken von Wein ähnlich sind. ( Hohelied 4, 10)

  Zitat: »Deine Liebe ist lieblicher als Wein.«

 

BIBLE'S DIGEST

»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...

 

  »Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.

 

REBEN DES LEBENS

  »Was ist das Leben ohne Wein?«, fragt Jesus Sirach ( 31, 33). Hauptsächlich Rotwein wurde in biblischen Zeiten gekeltert und getrunken - mal pur, gerne auch als Schorle oder in starker Variante, wenn der Bodensatz des Weins verwendet wurde. Aus Schläuchen oder Krügen gereicht, wurde er zur Freude getrunken, aber auch als Heilsmittel verwendet. Die biblischen Verfasser waren sich über die Gefahr des Weintrinkens bewusst und warnen vor Trunkenheit.

  Zum Weiterlesen: Kurt-Rainer Klein: Vom Wein in der Bibel, Hamburg 2008.

 

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:24 Uhr

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