ZEITZEICHEN
Einer Legendenbildung zufolge nimmt die Lesefähigkeit der Deutschen dramatisch ab, und einher gehe damit, dass wir überhaupt keinen sehr pfleglichen Umgang mit unserer Sprache hätten.
Nun, Sprachliebhaber und Spracheiferer können wir - wenigstens in zweierlei Hinsicht - beruhigen: Unsere Sprache (es ist die deutsche, von der wir reden) wird geliebt! Die Mehrheit der Deutschen ist einer repräsentativen Studie zufolge stolz auf ihre Sprache. Nach einer Untersuchung des Mannheimer Instituts für Deutsche Sprache erklärten gar 87 Prozent, dass ihnen die deutsche Sprache gut bis sehr gut gefällt.
Uns Zeitungsleute freuen im Besonderen die Untersuchungsergebnisse zur Leselust der Deutschen, an der ab sofort niemand mehr zweifeln kann: Lesen (und damit auch Schreiben) ist auch und gerade im Zeitalter des Internet, wenn wir uns an der Stelle zwei undeutsche Ausdrücke erlauben dürfen, »in« und »sexy«, also keineswegs »out«, wie Kulturpessimisten es wähnen. 70 Prozent der Interviewten lesen täglich die Zeitung, ein Drittel greift gern zum Buch. Und eine Mehrheit legt Wert auf gepflegtes Deutsch und korrekte Rechtschreibung.
Nur eines kann uns Sprachfreunden nicht gefallen: Sächsisch soll - nun auch noch repräsentativ erhoben - der unbeliebteste Dialekt in Deutschland sein. Da liegt, mit Verlaub, ein doppeltes Missverständnis vor. Denn erstens kommt doch - wissen das die Befragten denn nicht? - vom (Ober-) Sächsischen alles Hochdeutsch her.
Und zweitens sind genau aus diesem »erstens« heraus die Sachsen völlig zurecht der Meinung, dass sie gar keine Mundart sprechen. Wie sagte der Sachse, der aus dem Tegernseer Bauerntheater herauskommt? »Schon schade, dass mir Sachsn so gaar geen Dialeggd ham!« |
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