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Dieser Artikel: Ausgabe 28/2009 vom 12.07.2009
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Sozialer soll es werden

Die EKD stellt ein Papier zur Wirtschaftskrise vor

Von Benjamin Lassiwe

Einmal im Jahr lädt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) Politiker aller Parteien zu einem Empfang auf den Berliner Gendarmenmarkt. Für den jeweiligen Ratsvorsitzenden der EKD ist das Gelegenheit zur politischen Grundsatzrede. So auch diesmal, als Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel und große Teile von Bundeskabinett und Bundestag in der Französischen Friedrichstadtkirche versammelt waren: Scharfe Worte zur Wirtschaftskrise erklangen, als Bischof Wolfgang Huber ein »Wort des Rats der EKD zur globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise« präsentierte. Denn Deutschlands Protestanten sind gegen ein »Weiter so!«.

Trotz der Krise würden Unternehmen weiterhin »unvermindert hohe Renditeziele ansagen, die nur bei einem entsprechend hohen Anteil von riskantem Investmentbanking erreichbar sind«, kritisierte Huber: »Heute brauchen wir nicht nur einen Konjunkturaufschwung, sondern auch einen Werteaufschwung«, sagte Huber. »Deshalb mahnen wir zur Umkehr - spät, aber hoffentlich nicht zu spät.«

In jedem Fall legt die EKD in ihrem Wort zur Wirtschaftskrise klare Kriterien für eine gesunde Wirtschaftsordnung vor. »Die Wirtschaft ist um des Menschen willen da, sie ist kein Selbstzweck«, heißt es in dem Papier. Nötig seien eine Ergänzung der sozialen Marktwirtschaft um die Aspekte der »ökologischen Verträglichkeit« und der Solidarität mit den Menschen in den Entwicklungsländern. Internationale Organisationen, wie die Weltbank oder die Vereinten Nationen, müssten stärker unterstützt werden. Und die Kosten der Krise hingegen dürften nicht über den Abbau von Sozialleistungen finanziert werden, fordert die EKD.

Damit geht das neue Papier des Rats der Evangelischen Kirche deutlich über die im vergangenen Jahr erschienene Unternehmerdenkschrift hinaus - was verständlich ist, bedenkt man, dass die Weltwirtschaftskrise erst Monate nach Erscheinen der Denkschrift losbrach. Doch bereits in der Unternehmerdenkschrift hatte die EKD überzogene Renditeerwartungen und Managergehälter kritisiert und eine Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft gefordert.

In ersten Reaktionen begrüßten Vertreter fast aller politischer Parteien die Stellungnahme der Protestanten. Doch parteiübergreifenden Jubel gibt es mittlerweile bei allen Äußerungen, die die EKD veröffentlicht. Ob die politischen Forderungen der deutschen Protestanten auch umgesetzt werden, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

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abgerufen 08.02.2012 - 23:37 Uhr

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