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Dieser Artikel: Ausgabe 28/2009 vom 12.07.2009
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»Kirchliche Kindergärten als Gästehäuser«

Interview mit Familientherapeut Jürgen Wolf


Besuchsmodelle, Zukunftskonzepte: der Münchner Familientherapeut Jürgen Wolf über Kinder getrennter Eltern

Jürgen Wolf ist Familientherapeut beim Evangelischen Beratungszentrum in München.
Foto: Petersen
   Jürgen Wolf ist Familientherapeut beim Evangelischen Beratungszentrum in München.

  Warum kann ein Vater, der sein Kind besucht, nicht einfach bei der Exfrau schlafen?

Wolf: Der Umgang mit den Kindern ist bei getrennten Paaren oft Teil des Kampffelds. Dann ist eine möglichst große Distanz zwischen den Eltern notwendig, damit sie nicht wieder in alte Muster fallen. Ich halte auch nicht viel von dem Modell, bei dem die Mutter ihre Wohnung am Wochenende dem Vater überlässt und selbst woanders­hin geht. Mit der Trennung hat sich etwas verändert: die Wohnung ist jetzt Privatbereich der Frau, der Vater kann sich darin nicht ungezwungen bewegen. Das merken auch die Kinder.

  Gibt es ein Besuchsmodell, das für die Kinder am besten ist?

Wolf: Nein. Egal, ob Kinder wechselweise bei Vater und Mutter wohnen oder ob sie nur bei einem Elternteil leben und der andere alle 14 Tage zu Besuch kommt - Hauptsache, der Umgang ist geregelt und der Kontakt findet statt. Allerdings halte ich es für ungünstig, wenn Kinder beispielsweise ihren Vater immer nur in der künstlichen Umgebung des »Besuchspapas« erleben - zum Beispiel im Hotelzimmer. Es ist wichtig für die Identifikation mit dem Vater, dass Kinder sein reales Umfeld kennenlernen und wissen, wie es dort aussieht, wie es sich anfühlt, wie es dort riecht.

  Was müssen Eltern beachten, damit ihre Kinder die Trennung gut verkraften?

Wolf: Es gibt ein paar Standards: Sie müssen die Elternebene von der Paarebene trennen. Sie dürfen nicht vergessen, dass es beim Umgangsrecht um ein Recht des Kindes geht. Und sie sollen nicht aus der vermeintlichen Sicht des Kindes argumentieren, sondern stattdessen die Kinder selbst anhören und deren Wünsche und Bedürfnisse ernsthaft im Trennungsprozess berücksichtigen.

  Ist das Angebot »Mein Papa kommt« nützlich?

Wolf: Ich halte es für eine gute Idee, denn es wahrt die Neutralität für die Gastgeber und unterstützt dennoch die Väter oder Mütter, die ihr Kind besuchen wollen. Und es ist ein Anfang, der sich ausbauen lässt. Denn ideal wäre es natürlich, wenn der Vater ein Zimmer in einer Art Gästehaus buchen könnte, wo er zusammen mit seinen Kindern Platz zum Spielen hat und wo er abends gemeinsam mit anderen Vätern und deren Kindern kochen kann. Auch das könnte man kostengünstig bieten, wenn man wollte: zum Beispiel in den kirchlichen Kindergärten, die am Wochenende nicht genutzt werden, aber die passende Infrastruktur mit Küche und Spielzimmer bieten würden.

»MEIN PAPA KOMMT«

  Registrierung und Infobroschüre unter  www.mein-papa-kommt.de oder bei der Beauftragten für Alleinerziehendenarbeit unter Telefon (089) 552580-40.

 

Schlafbörse für Väter. »Mein Papa kommt« vermittelt Gastgeber für getrennt lebende Väter und Mütter. Von Susanne Petersen. » lesen!

»Kirchliche Kindergärten als Gästehäuser«. Interview mit Familientherapeut Jürgen Wolf. » lesen!

 

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abgerufen 08.02.2012 - 23:09 Uhr

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