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Dieser Artikel: Ausgabe 28/2009 vom 12.07.2009
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Schlafbörse für Väter

»Mein Papa kommt« vermittelt Gastgeber für getrennt lebende Väter und Mütter

Von Susanne Petersen

»Papa wohnt am Bodensee. Er besucht mich jedes Wochenende. Aber das geht nur im Sommer, denn da kann er im Auto schlafen. Kannst du da was machen?« Was der neunjährige Sven letzten Sommer seiner Religionslehrerin Annette Habert als Wunsch mit auf den Weg gegeben hat, geht nun in Erfüllung. Die Beauftragte für Alleinerziehendenarbeit im Kirchenkreis München und Oberbayern hat das Projekt »Mein Papa kommt« ins Leben gerufen, das ab sofort alleinlebenden Vätern einen kostenlosen Schlafplatz am Wohnort ihres Kindes vermittelt.

90 Prozent der Trennungskinder leben bei der Mutter. Die Initiative »Mein Papa kommt« will mit kostenlosen Übernachtungsplätzen dafür sorgen, dass alleinlebende Väter ihr Kind regelmäßig besuchen können.
Foto: Wodicka
   90 Prozent der Trennungskinder leben bei der Mutter. Die Initiative »Mein Papa kommt« will mit kostenlosen Übernachtungsplätzen dafür sorgen, dass alleinlebende Väter ihr Kind regelmäßig besuchen können.

Die Idee ist bestechend einfach: Auf einer Internetseite registrieren sich Menschen, die ihr Gästezimmer ein Wochenende lang als Schlafplatz zur Verfügung stellen. Väter (oder im selteneren Fall auch Mütter), die ihr Kind besuchen wollen, tragen sich ebenfalls ein. Annette Habert und ihr Team bringen schließlich beide zusammen: Gastgeber und Gast.

»Mich hat die Geschichte des kleinen Jungen sehr erschüttert«, sagt Habert, Mitarbeiterin im Büro der Beauftragten für Alleinerziehende in München. »Ich habe mir überlegt, wie es wohl für ihn ist, wenn er nach einem schönen Besuchstag mit dem Vater ins eigene Bett geht und weiß, dass der Papa jetzt auf irgendeinem Parkplatz im Auto schläft.«

Im Gespräch mit Beratungsstellen und Väterinitiativen erfuhr die Religionspädagogin, dass Svens Beispiel kein Einzelfall ist. »Viele Väter können sich nach Abzug der Unterhaltszahlungen die Fahrtkosten und ein Hotelzimmer einfach nicht leisten«, sagt die 48-Jährige. Für die Zeit des Besuchs bei der Mutter der Kinder zu wohnen sei für alle Beteiligten sehr belastend und nähre bei den Kindern oft die Hoffnung, »dass die vielleicht doch wieder zusammenkommen«.

Kinder lassen sich nicht scheiden: Die Initiative »Mein Papa kommt« will mit kostenlosen Übernachtungsplätzen dafür sorgen, dass alleinlebende Eltern ihr Kind regelmäßig besuchen können.
Foto: OlgaLIS - Fotolia.com
   Kinder lassen sich nicht scheiden: Die Initiative »Mein Papa kommt« will mit kostenlosen Übernachtungsplätzen dafür sorgen, dass alleinlebende Eltern ihr Kind regelmäßig besuchen können.

Da Frauen nach einer Trennung häufig in ihren Heimatort zurückkehrten, gebe es für die Väter dort oft kein Netz von Freunden oder Verwandten, auf das sie zurückgreifen könnten. Viele Väter pendeln laut Habert deswegen oft endlose Strecken im Auto hin und her - oder lassen im schlimmsten Fall den Kontakt zum Kind einschlafen.

»Mein Papa kommt« soll Abhilfe schaffen. 15 Gastgeber fand Annette Habert auf die Schnelle, die bereit waren, für alleinlebende Väter ihre Tür zu öffnen. Um sie vor zu hohen Erwartungen zu schützen, gibt es bei dem Projekt ein paar Regeln: Der Vater hinterlegt bei der Koordinationsstelle eine amtlich beglaubigte Kopie des Personalausweises; er muss für die Übernachtung nichts bezahlen; er verbringt die Zeit mit seinem Kind nicht bei den Gastgebern, sondern reist an den Besuchstagen zwischen 18 und 20 Uhr an und am nächsten Tag um 9 Uhr ab; und er verzichtet bei seinen Gastgebern auf Zigaretten und Alkohol. »Beide Parteien sollen sich sicher fühlen; die Gastgeber sollen nicht für einen Rahmen sorgen müssen«, begründet Habert das streng wirkende Regelwerk.

Das Konzept von »Mein Papa kommt« kann auch in andere Städte exportiert werden.
Foto: Wodicka
   Das Konzept von »Mein Papa kommt« kann auch in andere Städte exportiert werden.

Was die Gastgeber daraus machen, ist deren Sache. Ulrike Griso zum Beispiel hält die Regeln für ein gutes Gerüst. »Lockerheit kommt dann von selbst«, sagt die Geigenlehrerin, die im Spirituellen Zentrum St. Martin von »Mein Papa kommt« gehört hat. Selbst alleinerziehend, kennt sie das Problem von beiden Seiten. »Uns war damals klar, dass wir um des Kindes willen mitmenschlich sein müssen«, erinnert sie sich. So habe ihr Sohn den Alltag bei der Mutter und die Ferien beim Vater verbracht. Der Kontakt sei wichtig, denn »beide Eltern machen die Hälfte des Kindes aus«.

Auch Andreas Ebert hat sich bei »Mein Papa kommt« als Gastgeber registriert. »Es hat mir sofort eingeleuchtet, dass es da Unterstützung braucht«, sagt der evangelische Pfarrer. Für Christen sei es eine gute Übung, Gastfreundschaft anzubieten. Allerdings sei er gespannt, ob das Angebot auch angenommen werde - die Scham, als alleinlebender Vater fremde Menschen um Hilfe zu bitten, könne womöglich zu groß sein.

Religionspädagogin Annette Habert hat das Projekt »Mein Papa kommt« gegründet.
Foto: pet
   Religionspädagogin Annette Habert hat das Projekt »Mein Papa kommt« gegründet.

Diese Sorge teilt Annette Habert nicht. »Vor Kurzem rief ein Vater aus München bei mir an, dessen Tochter in einer norddeutschen Kleinstadt lebt«, berichtet sie. Habert telefonierte mit dem dortigen Pfarramt, schilderte die Situation und bat um Unterstützung. Die folgte prompt: Das Anliegen wurde nach dem nächsten Gottesdienst abgekündigt - sofort meldeten sich drei potenzielle Gastgeber. »Die Pfarrerin sah es als ihre Aufgabe, dem Kind, das ja in ihrer Gemeinde lebt, zu helfen«, so Habert.

Sie hofft außerdem, dass »Mein Papa kommt« an die Tradition von Kirchentagen anknüpfen kann: Dort werden unkompliziert und regelmäßig Tausende Menschen in Privatquartieren untergebracht. Wenn die Bettenkampagne zum 2. Ökumenischen Kirchentag 2010 in München startet, möchte sie deshalb ihr Infoblatt an alle ÖKT-Gastgeber schicken und so für »Mein Papa kommt« werben.

Bietet sich im Rahmen von »Mein Papa kommt« Vätern als Gastgeber an: der Münchner Pfarrer Andreas Ebert.
Foto: pet
   Bietet sich im Rahmen von »Mein Papa kommt« Vätern als Gastgeber an: der Münchner Pfarrer Andreas Ebert.

Beim bundesweiten »Verband alleinerziehender Mütter und Väter« (VAMV) stößt die Idee auf Zustimmung. »Ein erheblicher Teil der Väter hat keinen Kontakt zu seinen Kindern, weil die Entfernung zu groß ist oder die Kosten zu hoch sind«, sagt Andrea Henning, Projektleiterin im Landesverband Bayern. Mit dem Angebot von »Mein Papa kommt« werde das Kostenargument entschärft.

Auch Peter Eckhardt von der »Väterinitiative München« ist begeistert. »Das Thema wird neutral angepackt, es erfährt über die Kirche Öffentlichkeit und gibt den Beteiligten durch vernünftige Regeln Sicherheit.« Kirche als offene und gesellschaftlich anerkannte Institution sei der richtige Anbieter für eine »Schlafbörse«. Eine frühere bundesweite Initiative mit dem Namen »Betten für Väter« habe sich nicht durchsetzen können, weil sie nur in der Väterszene angesiedelt gewesen sei. Außerdem freut sich der 52-Jährige, dass die Alleinerziehendenarbeit, die sich bislang vor allem an Frauen gerichtet habe, »jetzt auch die vermeintliche Gegenpartei mit einbezieht und den Geschlechterkrieg beiseiteschiebt.«

Für Annette Habert ist das selbstverständlich. »Jedes Kind bleibt innerlich verbunden mit Vater und Mutter«, sagt die Pädagogin. Ihr Ziel ist es, Kindern einen heilvollen Umgang mit Trennung und Abschied zu ermöglichen. Das ist nötig: Die Scheidungsrate in den deutschen Großstädten liegt bei 50 Prozent, jedes zweite Trennungspaar hat minderjährige Kinder, bundesweit ist jedes sechste Kind ein Trennungskind. »Sie müssen erleben: Es geht zwar alles ganz anders weiter - aber es geht weiter!«, sagt Habert.

Um die Initiative bekannt zu machen, Gastgeber zu gewinnen und Väter und Mütter über das neue Angebot zu informieren, hat Annette Habert ihre Prospekte an Jugendämter, Beratungseinrichtungen und Kirchengemeinden in München geschickt. Und die Idee zieht Kreise: »Letzte Woche hat die Stadt Köln bei mir angerufen und sich für das Konzept interessiert«, staunt Habert. »Mein Papa kommt« kann problemlos in andere Städte exportiert werden. Bedingung: »Das Angebot muss kostenfrei bleiben, und für die Koordinationsstelle soll ein alleinlebender Vater eingestellt werden«, sagt Habert.

Der Wunsch des neunjährigen Sven scheint also Wirklichkeit zu werden. Zwei weitere Kinderwünsche stehen jetzt noch auf Annette Haberts Liste: ein Elternbalkon hoch oben an jedem Kirchturm als »Entschuldigungsraum, wo nur Gott zuhören muss«. Und ein kostenfreies Telefon in jeder Kirche, an dem Trennungskinder ungestört mit dem anderen Elternteil telefonieren können.

MEIN PAPA KOMMT: Registrierung und Infobroschüre unter www.mein-papa-kommt.de oder bei der Beauftragten für Alleinerziehendenarbeit unter Telefon (089) 552580-40.

 

 

  MEIN PAPA KOMMT: Registrierung und Infobroschüre unter  www.mein-papa-kommt.de oder bei der Beauftragten für Alleinerziehendenarbeit unter Telefon (089) 552580-40.

»MEIN PAPA KOMMT«

  Registrierung und Infobroschüre unter  www.mein-papa-kommt.de oder bei der Beauftragten für Alleinerziehendenarbeit unter Telefon (089) 552580-40.

 

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abgerufen 08.02.2012 - 11:37 Uhr

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