Doppeldecker ohne Glauben
In Berlin starteten Atheisten eine Buskampagne gegen den christlichen Glauben
Von
Benjamin Lassiwe
Der Bus hatte Verspätung. Gut zehn Minuten musste die kleine Schar Berliner Journalisten warten, bis der rote Doppeldecker vor dem Bundespresseamt endlich um die Ecke bog. »Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott« stand auf der Außenwand des einst von der Berliner BVG genutzten Fahrzeugs, das bis zum 18. Juni in zahlreichen deutschen Städten zum Einsatz kommen soll.
Ins Rollen gebracht hatte den Bus eine als »Buskampagne« firmierende Gruppe Konfessionsloser um den Hamburger Politologen Carsten Frerk und die atheistische Giordano-Bruno-Stiftung. Nach dem Vorbild ähnlicher Kampagnen in England, Spanien und Australien will man auf die Interessen Religionsloser aufmerksam machen. In Deutschland allerdings war kein einziges von 17 angefragten Verkehrsunternehmen bereit, den Organisatoren ein Fahrzeug als Werbefläche zur Verfügung zu stellen, empört sich Frerk.
Nun wollen die Atheisten einen Musterprozess anstrengen: In München wollen sie dagegen klagen, dass keine U-Bahn, kein Bus und keine Straßenbahn ihre Slogans tragen durfte. Werbung für Gottesdienste oder den Deutschen Evangelischen Kirchentag fände sich dagegen ebenso oft in den öffentlichen Verkehrsmitteln wie Plakate von konfessionellen Hilfswerken oder Missionswerken, die das Neue Testament verschenken. »Wir halten es für einen Verstoß gegen das Antidiskriminierungsgesetz und Artikel 4 des Grundgesetzes, wenn man uns unsere Werbung verbietet«, sagt Frerk. »Denn zur Religionsfreiheit gehört auch die Freiheit, keine Religion zu haben.«
In Berlin freilich erregte der rote Doppeldecker nur wenig Aufmerksamkeit zwischen Touristenbussen, Fahrradtaxis und Werbeträgern aller Art. Frerk hofft dennoch darauf, dass bis zu 500.000 Menschen den Atheistenbus auf seiner Fahrt durch Deutschland sehen werden. Die beiden großen Kirchen reagierten indes gelassen auf den Start der Buskampagne: »Die Atheisten machen ihrem Namen alle Ehre - sie beschäftigen sich mit Gott«, sagt der Pressesprecher der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Volker Jasztrembski. Die auf dem Bus angebrachte Aussage zur Wahrscheinlichkeit Gottes helfe aber nicht weiter: »In Glaubensdingen zählt Vertrauen und nicht die Statistik.«
Kürzer fasste sich die römisch-katholische Deutsche Bischofskonferenz. Sie bezeichnete die Kampagne, für die seit März 40.000 Euro Spenden eingingen, schlicht als »geistlos«. |
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