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Dieser Artikel: Ausgabe 19/2009 vom 10.05.2009
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Eine betende SA

In der NS-Zeit spielte die Hensoltshöhe eine unrühmliche Rolle


Es gibt kaum ein Bild, das die zwischenzeitliche Nähe von NS-Staat und Kirche im evangelischen Bayern so trefflich symbolisiert wie dieses aus dem Jahr 1934: der mittelfränkische Gauleiter Julius Streicher auf der Freitreppe der Hensoltshöhe, gesäumt von strahlenden Diakonissen. In ihrer Ausstellung stellt sich das Diakonissen-Mutterhaus auch diesem Kapitel seiner Geschichte.

Julius Streicher (9. v. r.) mit Anhang auf der Freitreppe der Hensoltshöhe, gesäumt von strahlenden Diakonissen.
Foto: Landeskirchliches Archiv Nürnberg
   Julius Streicher (9. v. r.) mit Anhang auf der Freitreppe der Hensoltshöhe, gesäumt von strahlenden Diakonissen.

Und das ist keineswegs so selbstverständlich, wie es viele Jahrzehnte nach dem »Dritten Reich« klingen mag. Denn die Hensoltshöhe ist die wahrscheinlich letzte evangelische Einrichtung von Rang in Bayern, die sich gegen eine Aufarbeitung dieser Zeit bislang konsequent gesperrt hat - im Wissen um die tiefe Verstrickung von Diakonissen-Mutterhaus und regimetreuen Deutschen Christen (DC).

So erinnert sich etwa der damalige Dekan von Gunzenhausen, Wilhelm Bogner, an einen Vorfall in den 1980er-Jahren, als der Verein für Bayerische Kirchengeschichte seine Jahrestagung in Gunzenhausen abhielt. Damals sei der Hensoltshöher Rektor bei ihm erschienen und habe gefordert, alle Referate zur NS-Zeit abzusetzen, was natürlich nicht geschah. »Während meiner Dienstzeit habe ich nie etwas anderes gehört als das, dass die Leitung der Hensoltshöhe die Archive gegen jedermann dicht hält«, weiß Bogner.

1999 unterzeichnete das Mutterhaus eine Schulderklärung des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbands (DGD), ohne dies aber öffentlich zu machen. Das geschah erst zwei Jahre später, als die »Höhe« den Internet Award »Web Fish« der EKD gewann und sich kritischen Fragen stellen musste, warum die Zeit des »Dritten Reichs« in der eigenen Internet-Präsentation auf den Eintrag »1939-1942: Schließung unserer Schulen« reduziert war.

Der »Frankenführer« Julius Streicher und die Leitung der Hensoltshöhe (Detail).
Foto: Landeskirchliches Archiv Nürnberg
   Der »Frankenführer« Julius Streicher und die Leitung der Hensoltshöhe (Detail).

Bis in die jüngste Vergangenheit galt in Gunzenhausen: Die »Höhe« war »not amused«, wenn jemand das heikle Thema ansprach. In der aktuellen Ausstellung hat nun sogar das peinliche Streicher-Foto Platz gefunden - für Rektor Eberhard Hahn und Kuratorin Gesa Büchert eine Selbstverständlichkeit: »Das gehört doch zur Geschichte der Hensoltshöhe dazu.«

Die historischen Fakten liegen ja längst auf dem Tisch. Schon 1968 zeigte Helmut Baier in seinem Standardwerk über die Deutschen Christen in Bayern die Nähe des Hensoltshöher Rektors Ernst Keupp zu Reichsbischof Ludwig Müller auf. Julius Streicher war gern gesehener Gast auf der »Höhe«, dieweil er mit der bayerischen Landeskirche schon im offenen Clinch lag.

In ihrer Festschrift zum 25-jährigen Bestehen des Hauses versicherten die Schwestern 1934, sie wollten »für unseren großen Führer und unser geliebtes Deutschland eine betende SA sein«. Kreisleiter Johann Appler gratulierte damals: »Die Hensoltshöhe ist frühzeitig in freimütiger Weise für den Führer und sein Werk eingetreten.«

Im Kirchenkampf positionierte sich die »Höhe« gegen die Bekennende Kirche. Als sich der Gnadauer Verband 1935 der Bekennenden Kirche anschloss, trat die Hensoltshöhe dort aus. »Niemand in Bayern ist mir so in den Rücken gefallen wie die Hensoltshöhe«, äußerte Landesbischof Hans Meiser gegen Kriegsende in seinem engsten Vertrautenkreis. Jahrelang weigerte er sich auch nach 1945, die »Höhe« zu betreten.

Über Keupp resümiert Baier: »Keine Spur von Reue zeigte sich bei ihm. Nach der Kapitulation des Dritten Reichs hatte auch er ausgespielt. Er und seine Oberin mussten zurücktreten, die Hensoltshöhe sich der Landeskirche unterstellen.«

HENSOLTSHÖHE

Ehre sei Gott auf der Höhe. Das Diakonissen-Mutterhaus Hensoltshöhe feiert 100. Geburtstag. Von Thomas Greif. » lesen!

Eine betende SA. In der NS-Zeit spielte die Hensoltshöhe eine unrühmliche Rolle. » lesen!

 

Kirche und Nationalsozialismus

Kirche und Nationalsozialismus (Bild: Dietrich Bonhoeffer und »Reichsbischof« Ludwig Müller)

Weitere Beiträge zum Thema »Kirche und Nationalsozialismus« finden Sie » hier.

 

 

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Thomas Greif

 


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abgerufen 07.02.2012 - 10:13 Uhr

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