Hakenkreuz am Christbaum
Vor 75 Jahren begann die Pervertierung von Weihnachten im Dritten Reich
Wie die Nationalsozialisten versuchten, das Christfest zur »deutschen Volksweihnacht« mit nordisch-germanischen Wurzeln umzudeuten.
 Foto:
Archiv Bernd Mayer
 Das Hakenkreuz auf... und unterm Christbaum.
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Vor 75 Jahren stimmte das NS-Regime die »Volksgenossen« auf die erste »Volksweihnacht unter dem Hakenkreuz« ein. Einer ihrer Wegbereiter war der bayerische NS-Kultusminister Hans Schemm, zugleich Bayreuther Gauleiter. Der völkische Trommler und rabiate Antisemit verkündete im Dezember 1933 pathetisch: »Wir feiern das erste wirkliche deutsche Weihnachten. Das Prinzip unserer Volkheit schreitet alles bezwingend durchs Land...«.
Von nun an braute die Partei nach ihren Rezepten den Punsch ihrer »Deutschen Volksweihnacht« zusammen. Heidnisch-germanische Mythen und NS-Symbole wurden mit christlichen Versatzstücken verrührt und mit völkischem Weihrauch dem Volk präsentiert. Langfristig schwebte der nationalsozialistischen Diktatur die völlige Entchristlichung des Weihnachtsfestes vor. Als Ersatz bot sich ihnen das »höchste und heiligste Fest im alten Germanien« an: die »Julfest-Weihnacht«. Zunächst mussten jedoch die alten, im Volk tief verwurzelten Weihnachtslieder durch neues Liedgut ersetzt werden.
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Archiv Bernd Mayer
 ... und unterm Christbaum.
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»Fest der nordischen Vorfahren«
Der Weihnachtsmann im Braunhemd besang künftig weihevoll die »hohe Nacht der klaren Sterne« und ließ auch das Horst-Wessel-Lied nicht aus. Aber selbst eingefleischte »alte Kämpfer« vermochten sich nur schwer von den traditionellen Weihnachtsweisen zu lösen. So überschrieb NSDAP-Reichsleiter Robert Ley noch im Dezember 1942 einen Artikel im Parteiorgan »Der Angriff« mit »Stille Nacht, Heilige Nacht« und löste damit einen wütenden Protest des Thüringer Gauleiters Fritz Sauckel bei der Berliner Parteikanzlei aus.
Alle Jahre wieder rüsteten sich SA und SS zum altgermanischen Wintersonnwendfest - »der Weihnacht unserer nordischen Vorfahren«, wie es hieß. Mit großem nächtlichen Brimborium wurde der »Sieg des Lichts« gefeiert. Der Weihnachtsbaum überlebte zwar die ideologische Umdeutung, aber bereits 1934 wurde das Hakenkreuz als Christbaumschmuck offiziell zugelassen. Statt Hirten auf dem Feld tummelten sich SA-Männlein unter den Tannenzweigen.
Im Zweiten Weltkrieg war bei den Weihnachtsfeiern der Partei von Jesus und der christlichen Botschaft nicht einmal mehr beiläufig die Rede. So hieß es in der Ansprache des Bayreuther NSDAP-Ortsgruppenleiters im Dezember 1940: »In den Stunden der Weihnacht, da das Licht, die Sonne zu neuer Kraft wiederkehrt, da singt und klingt in uns die Stimme des Blutes.« Beschworen wurde jetzt der »heilige Krieg«.
1941, als die deutschen Soldaten erstmals die Härte des russischen Winters zu spüren bekamen, lautete die Parole: »Über dem Begriff Weihnachten steht das Wort Kampf und das Wort Sieg.« Von nun an diente das Fest in den »Julreden« der Partei mehr und mehr als Symbol des erwarteten »Endsiegs«.
Mit ihrer Strategie der Entchristlichung von Weihnachten stieß die NSDAP bei der Bevölkerung auf immer weniger Zustimmung, je länger der Krieg andauerte. »Die weit überwiegende Zahl der Menschen beging das Fest wie eh und je und ließ die Parteifeiern einfach über sich ergehen«, erinnert sich ein fränkischer Pfarrer. In vielen Familien habe es »einen stillen Widerstand« gegen die ideologische Vergewaltigung des christlichen Festes gegeben. | WEIHNACHTEN
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