Alles Buddenbrooks
Am 25. Dezember kommt Heinrich Breloers Verfilmung der Lübeck-Saga von Thomas Mann ins Kino
Lübeck feiert seine - jedenfalls literarisch - berühmteste Familie: die Buddenbrooks. Noch bevor der neue Film mit Armin Mueller-Stahl und Iris Berben am ersten Weihnachtstag (25. Dezember) in die Kinos kommt, gibt es bereits einen »Buddenbrook«-Stadtplan, ein »Buddenbrook«-Café und Pauschalreisen mit »Buddenbrook«-Menü.
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Warner Bros. / Bavaria Film
 Die feine Lübecker Gesellschaft, angeführt von Senatorin Möllendorpf (Sunnyi Melles, links) beäugt am Strand von Travemünde misstrauisch Tony Buddenbrooks wenig standesgemäße Affäre mit Morten Schwarzkopf.
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Angeboten werden Führungen zu den Drehorten, eine Sonderausstellung zum Film, Theater und »Buddenbrook«-Marzipan. Bitter für die »Buddenbrook«-Stadt Lübeck ist nur, dass die Premiere in der Ruhrgebietsmetropole Essen stattfindet, wo weder die Familie Mann noch die Buddenbrooks je heimisch waren.
Es ist einer der beliebtesten Romane deutscher Sprache: Detailreich, mit feiner Ironie und kunstvoll gedrechselten Sätzen erzählt Thomas Mann auf rund 700 Seiten den Niedergang der Kaufmannsfamilie im 19. Jahrhundert, ohne dabei auch nur ein einziges Mal den Namen Lübeck zu erwähnen. Doch bereits kurz nach dem Erscheinen im Oktober 1901 kursierten Listen in der Stadt, die den einzelnen Romanfiguren jeweils reale Lübecker zuordneten - nicht immer zu deren Freude.
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 Lübeck zu Zeiten der Buddenbrooks - geschäftiges Treiben vor dem Holstentor.
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Die enge Heimat verlassen
Die Erstausgabe in zwei Bänden kam nur mit einer Auflage von 1000 Stück auf den Markt. Der Verleger Samuel Fischer hatte anfangs große Vorbehalte: Die Menschen hätten für ein derart umfangreiches Werk weder Zeit noch »Concentrationslust«. Der Roman müsse um die Hälfte gekürzt werden. Doch Thomas Mann wehrte sich erfolgreich. Mehr als vier Millionen Exemplare wurden seitdem in Deutschland verkauft. Der Roman wurde in 40 Sprachen übersetzt und jetzt zum vierten Mal verfilmt. 1929 erhielt Thomas Mann dafür den Nobelpreis.
Schreiben konnte Thomas Mann über seine Heimatstadt aber erst, nachdem er die engen Gassen verlassen hatte. In Rom begann er im Oktober 1897 mit der Niederschrift, beendet wurde sie in München. Zuvor hatte er intensiv Material gesammelt. Sein Onkel informierte ihn über das Wirtschaftsleben, die Mutter sandte Kochrezepte, und Bruder Viktor steuerte als Münchner bayerische Schimpfwörter bei.
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 Konsul Jean Buddenbrook (Armin Mueller-Stahl) zeigt seinem zukünftigen Schwiegersohn Bendix Grünlich (Justus von Dohnányi) die Geschäfte der Buddenbrooks
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»Verfall einer Familie« lautet der Untertitel: Die Tugenden und Ideale des Bürgertums sind dem neuen Industriezeitalter nicht mehr gewachsen. Mit jeder neuen Generation verschlechtert sich der Gesundheitszustand, steigen nervliche Anspannung und seelische Empfindlichkeit. Der letzte Nachkomme Hanno Buddenbrook stirbt bereits mit 16 Jahren. Nach dem Tod seines Vaters Thomas Buddenbrook wird das einst so blühende Geschäft liquidiert.
In Lübeck wird der Filmstart bereits am 19. Dezember gefeiert. Neben den Hauptdarstellern hat sich auch Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) angekündigt. Innerhalb von Minuten waren die 360 Kinokarten zu je 33 Euro verkauft. Doch wird die pompöse Gala im Filmpalast die Hanseaten nicht darüber hinwegtrösten können, dass die Premiere mit Bundespräsident Horst Köhler bereits drei Tage vorher in Essen gefeiert wurde. 16,2 Millionen hat die Produktion gekostet, und die Filmförderung Nordrhein-Westfalen zeigte sich mit 2,15 Millionen Euro eben besonders spendabel.
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 Bendix Grünlich (Justus von Dohnányi) macht Tony Buddenbrook (Jessica Schwarz) einen Heiratsantrag.
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Zentraler Ort des Films ist das Buddenbrookhaus in der Lübecker Altstadt, das ehemalige Domizil der Großeltern von Thomas Mann. Es beherbergt heute das Heinrich und Thomas Mann-Zentrum, das am 19. Dezember eine Sonderausstellung über den Film eröffnet. Bis zum 8. März können Besucher einen Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten werfen. Allerdings ließ Regisseur Heinrich Breloer nicht im Buddenbrookhaus drehen, sondern baute das Haus der Kaufmannsfamilie in einem Kölner Studio nach.
Teure Lübecker Straßensperren
Wem der Film nicht genügt, kann die Kaufmannsgeschichte auch auf der Bühne des Lübecker Theaters verfolgen. Ein Film-Workshop soll Jugendlichen im nächsten Jahr die Möglichkeit bieten, ihren eigenen Buddenbrook-Film zu drehen.
Die alte Kaufmanns-Mentalität steckt den Lübeckern allem Anschein nach auch heute noch im Blut, und so forderte die Hansestadt 125000 Euro von der Münchner Produktionsgesellschaft Bavaria für Straßensperrungen und Verkehrsschilder. Doch die Filmemacher halten die Summe für zu hoch. Eine Einigung steht nach Angaben der Stadt noch aus.
Informationen zum Film auch unter www.buddenbrooks-derfilm.de
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