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Dieser Artikel: Ausgabe 51/2008 vom 21.12.2008
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Kein Fest der heilen Familie

Sonntagsblatt-Sprechstunde


An Weihnachten allein - auch mit den Erinnerungen an die schönen Weihnachtsfeste in der Familie mit Kerzenglanz und gemeinsam gesungenen Weihnachtsliedern.

Ich bin an Weihnachten alleine. Ich weiß schon, dass das eigentlich nichts Besonderes ist, aber es fällt mir doch schwer. Ich habe schon mit einer Freundin darüber geredet, und die hat gesagt: »Geh' halt irgendwo hin, wo Leute, die alleine sind, gemeinsam feiern - oder frag', ob du da mithelfen kannst. Die brauchen immer jemanden, der mit anpackt. Dann hast du was zu tun und bist abgelenkt.«

Aber ich muss dann immer daran denken, wie schön Weihachten war, als wir noch Kinder waren, mit dem Weihnachtsbaum mit echten Kerzen und den Liedern. Aber meine Eltern sind schon lange gestorben und meine Kinder können zu Weihnachten nicht kommen.

Frau M.

 

Weihnachten ist nicht das Fest der heilen Familie. Dieser Wunsch, an Weihnachten würden alle Menschen liebevoll zusammen unterm Weihnachtsbaum sitzen, scheint mir immer so ein wenig wie eine kollektive verklärte Kindheitserinnerung. Wenn man genauer nachfragt, wie Weihnachten früher wirklich war, dann erzählen Menschen oft von Not und Angst. Zum Beispiel, dass kurz vor Weihnachten die Nachricht kam, der Vater wäre gefallen. Aber sie erzählen auch davon, dass ihre Eltern sich alle Mühe gegeben haben, Weihnachten wenigstens für die Kinder ein bisschen schön zu machen.

Über 40 Prozent feiern Weihnachten dieses Jahr nicht mit ihrer Familie, so eine aktuelle Statistik. Ich bin darüber erschrocken. Mir ist klar geworden, dass es für sehr viele Menschen zu Weihnachten dazugehört, jemanden zu vermissen. Die Sehnsucht ist, so gesehen, die andere Seite von Weihnachten. Zugleich muss ich herausfinden, wie ich selbst ganz persönlich dieses Jahr Weihnachten feiern will. Mit allem, was ich daran schön, erträglich oder auch schwer finde.

Für manche Menschen mag der Tipp ihrer Freundin ja passen: sich zu beschäftigen, sich abzulenken, sich irgendwo nützlich zu machen.

Für Sie liegt der Schlüssel dieses Jahr vielleicht in den Kindheitserinnerungen. Darin, dass es früher die Eltern waren, die sich Mühe gegeben haben, es ein bisschen schön zu machen. Sie heute als Erwachsene an Weihnachten vielleicht in beiden Rollen: in der der gebenden Eltern und des empfangenden Kinds.

Vielleicht geht es darum, dass Sie selbst entdecken, wie Sie - gewissermaßen in liebevoller Erinnerung an Ihre Eltern - sich Ihr Weihnachten jetzt auch ein wenig liebevoll für sich selbst gestalten können. Vielleicht gibt es irgendetwas Besonderes, was Sie sich gönnen: etwas besonders Gutes zu essen, schöne Musik, ein Weihnachtskonzert (und ein Taxi, das Sie hinbringt und wieder abholt?).

Die echten Kerzen am Weihnachtsbaum, von denen Sie schreiben, erinnern mich beispielsweise an eine Freundin, die im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit langem Weihnachten alleine gefeiert hat. Sie hat sich eine Liste mit all den Menschen gemacht, die sie mag, die sie vermisst, an die sie denken wollte. Da ist einiges zusammengekommen. Sie hat am Weihnachtsabend für jeden dieser Menschen auf ihrer Liste eine Kerze angezündet. Und auf einmal war ihr Weihnachtszimmer voller Licht und Wärme.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Deutenbacher Str. 1, 90547 Stein - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Herzog-Wilhelm-Str. 24, 80331 München.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Barbara Hauck

 


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abgerufen 08.02.2012 - 11:52 Uhr

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