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Dieser Artikel: Ausgabe 51/2008 vom 21.12.2008
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Ruf in die Nachfolge

Die Jahreslosung für 2009 wendet sich gegen jede Leistungsreligion - und doch ist der Mensch gefordert


»Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.« Lukas 18,27

Die Jahreslosung in einem Plakat von Marc Willwacher. Das Motiv kann bestellt werden unter http://www.4yourwall.de.
Foto: Willwacher (Grafik)
   Die Jahreslosung in einem Plakat von Marc Willwacher. Das Motiv kann bestellt werden unter http://www.4yourwall.de.

Worum ging es Jesus eigentlich? Wer in Jesus vor allem den außergewöhnlichen Menschen sieht, wird sagen: Er predigte Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit, er wollte, dass sich die Menschen Gottes Liebe zuwenden. Wer in ihm den Sohn Gottes sieht, wird antworten, Jesus ging es um die Erlösung und die Überwindung des Todes am Kreuz, er wollte, dass die Menschen durch den Glauben an ihn gerettet werden.

Sicher lässt sich das eine nicht vom anderen trennen, Jesus war wahrer Mensch und wahrer Gott, er kam aus der jenseitigen in die diesseitige Welt. Das Lukasevangelium setzt jedoch ganz eigene Akzente in der Beantwortung der Frage, worum es Jesus ging. In verschiedenen Texten wird deutlich, dass es nicht um ein theoretisches und theologisch korrektes »Für-wahr-halten« von Glaubensinhalten geht. Zentral ist Jesu Ruf in die Nachfolge - ganz praktisch.

Radikaler Jesus

Ein Beleg dafür ist das Wort der Jahreslosung für 2009: »Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.« ( Lukas 18, 27). Dieser Vers ist der Schlusssatz in der Erzählung vom reichen Jüngling, der zu Jesus kommt und ihn fragt, was er tun müsse, um das ewige Leben zu erlangen. Die Gebote hält er bereits alle sehr gewissenhaft: Er bricht nicht die Ehe, stiehlt nicht und er ehrt Vater und Mutter. Doch mit seiner Frage zeigt er, dass ihm das nicht genug ist.

Jesu Antwort ist radikal und sie kommt unerwartet: »Verkaufe alles, was du hast, und gibt's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach.« Der Jüngling aber ging traurig davon, denn er war sehr reich.

Jesu Forderung ist bis heute ein Stachel im Fleisch reicher westlicher Kirchen, und jeder wohlhabende Christ muss sich fragen, wie ernst er den Auftrag Jesu nimmt, mit denen zu teilen, die nichts haben. Auch in der heutigen Zeit wird wieder offensichtlich, dass die Anhäufung großer Vermögen gezwungenermaßen zu Ungerechtigkeiten führt. Ist es überhaupt möglich, ein Milliardenvermögen anzuhäufen, ohne die Gebote zu verletzen? Wohl kaum. Für Christen, aber im Prinzip für alle Menschen sollte gelten: Wir sind nicht die Besitzer der irdischen Ressourcen, sondern Verwalter dessen, was Gott uns anvertraut hat. Und: Die irdischen Güter dienen zum Nutzen aller.

Jesus stellt Reichtum in Frage, wenn er sagt: »Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme.« Doch wenn man im Text weiterliest, wird deutlich, dass es Jesus letztlich noch um etwas ganz anderes geht. Die Zeugen des Dialogs sind erschüttert, sie fragen: »Wer kann dann selig werden?« Wer darf sich überhaupt noch Hoffnung machen auf das ewige Leben? Die Erzählung bekommt eine überraschende Wendung und endet mit Jesu Antwort: »Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.« ( Lk 18, 27).

Kann der Reiche also doch noch hoffen? Nur auf den ersten Blick ist die Sache abgemildert. In seiner Radikalität treibt Jesus die Begegnung mit dem reichen Jüngling auf die Spitze. Erst verlangt er von ihm etwas, was er gar nicht erfüllen kann, dann macht er den Zuhörern deutlich, dass »menschliche Möglichkeiten« nicht ins Reich Gottes führen. Vom reichen Jüngling forderte er, seinen Besitz den Armen zu geben, von einem Familienmenschen würde er vielleicht verlangen, Frau und Kinder, Vater und Mutter zu verlassen. Einem Musiker würde er sagen, verschenke deine Instrumente und lass die Musik sein, einem Schriftsteller würde er sagen: »Hör auf zu schreiben!«

Das Ende der Religion

Jesus wollte dem reichen Jüngling klarmachen, dass er sich das Heil nicht durch eine besondere Tat oder eine außergewöhnliche Anstrengung sichern kann. Der Theologe Karl Barth hat einmal gesagt, »Jesus ist das Ende der Religion«. Im Gespräch mit dem Jüngling macht Jesus deutlich, dass die Erlangung des Heils nicht im Bereich menschlicher Möglichkeiten liegt, sondern ausschließlich im Bereich von Gottes Möglichkeiten. Weil Jesus die Hürde so hoch legt, dass sie der reiche Jüngling nicht überwinden kann, markiert er damit das Ende der Leistungsreligion.

Worauf kommt es Jesus dann an? Im  9. Kapitel des Markusevangeliums heißt es »Alles ist möglich dem, der glaubt!«. Es sind Gottes Möglichkeiten, die sich im Glauben eröffnen. Dem reichen Jüngling war es unmöglich, sich durch eine Tat die Seligkeit zu sichern. Doch bei Gott ist alles möglich. Vielleicht ist der Jüngling Jesus später noch einmal begegnet, vielleicht ist er nach Ostern zur Urgemeinde gestoßen. Er gehörte womöglich zu den wohlhabenden Jerusalemer Gemeindemitgliedern, die von ihrem Besitz etwas abgaben, damit die Armen in der Gemeinde zu essen bekommen, wie es die Apostelgeschichte erzählt.

Die Idee des »einfachen Lebens« war für die ersten Christen eine Selbstverständlichkeit. Es wurde als normal erachtet, seine Güter zu verkaufen und sie mit den anderen zu teilen. Dann hätte der Jüngling seinen Besitz nicht hergegeben, um ewiges Leben zu erlangen, sondern er hätte geteilt, weil er dieses Leben schon hat.

Jesus vertraute völlig in Gottes grenzenlose Möglichkeiten. Wir können es nicht, weil wir nur beschränkte Möglichkeiten dazu haben. Wichtig ist daher das Gebet, die Bitte, dass Gott möglich macht, was für uns unmöglich ist, die Ausrichtung auf Gott in der Nachfolge Jesu. Wo wir unsere begrenzten Möglichkeiten erkennen und bekennen, da beginnen Gottes große Möglichkeiten.

 

  Das Plakatmotiv zur Jahreslosung 2009 von Marc Willwacher kann man bestellen unter www.4yourwall.de.

JAHRESLOSUNG 2009

Ruf in die Nachfolge. Die Jahreslosung für 2009 wendet sich gegen jede Leistungsreligion - und doch ist der Mensch gefordert. Von Helmut Frank. » lesen!

»Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich« (Lukas 18, 27) - Sonntagsblatt-Umfrage: Wie verstehen Sie die Jahreslosung 2009? » lesen!

 

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Helmut Frank

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:50 Uhr

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