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Dieser Artikel: Ausgabe 51/2008 vom 21.12.2008
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Severin, der evangelische Protobayer

200(0) Jahre evangelisch-lutherische Kirche in Bayern - eine augenzwinkernde Geschichtsumschau


Vor 200 Jahren - in den Jahren 1808 und 1809 - legten königliche Edikte den Grundstein für eine landesweite evangelisch-lutherische Kirche in Bayern. Für die Kirche des Jahres 2008 Anlass zur großen Geburtstagsfeier mit Geschenkpaket-Aktion (unser Logo). Und Anlass, mit dem Zahlen-Witz zu spielen, dass doch unsere Kirche, in Berufung auf die christliche Urgemeinde, eigentlich 2000 Jahre alt ist. Genau darum geht es im Schlussteil unserer kleinen Sonntagsblatt Serie zur 200(0)jährigen evangelischen Kirchengeschichte in Bayern.

Der Hunne Odoaker besucht den Römerchristen Severin, der im 5. Jahrhundert nahe dem heutigen Passau wirkte.
Foto: Wairer (Repro)
   Der Hunne Odoaker besucht den Römerchristen Severin, der im 5. Jahrhundert nahe dem heutigen Passau wirkte.

Der Mann hieß Seehofer, er lebte in Ingolstadt. Arsacius Seehofer. Bis 1522 studierte er in Wittenberg. Wieder daheim in Bayern, musste sich Seehofer verpflichten, keine lutherischen Lehren zu vertreten. Tat er aber doch. Da wurde er zu Widerruf und lebenslanger Haft im Kloster verurteilt, floh nach fünf Jahren und predigte fortan außerhalb Bayerns.

Argula von Grumbach, die ihm zu helfen versuchte, wurde dem »Handbuch der evangelischen Geschichte in Bayern« zufolge ausgewiesen. So sorgten die Bajuwaren dafür, dass neben der rechten Lehre, der päpstlichen, nichts hochkam.

Trotzdem umfasst die evangelische Geschichte Bayerns mehr als die zwei Jahrhunderte, die das landeskirchliche Jubiläumsjahr »200 Jahre Evangelisch-Lutherische Kirche« nahelegt. Über die hiesigen Regionen im 16. Jahrhundert steht im Historiker-Handbuch: »Das stürmische Vordringen der reformatorischen Bewegung in Mittel- und Süddeutschland versetzte die Bischöfe in lähmenden Schrecken.« Allerdings reagierten die Bayern trotz dieser Lähmung mit Enthaupten (Bäckergeselle in München, 1523), Gefangennahme (Seehofer), Ausweisung (Argula) oder Scheiterhaufen (Priester Lienhard Käser oder auch Leonhard Kaiser in Schärding am Inn, 1527).

Eigentlich ist das evangelische Bayern älter noch als die Reformation, glaubt man den Historikern: »Weil sich die evangelische Kirche nie als eine neue, sondern als die alte, allerdings nach Gottes Wort reformierte Kirche verstand«, ist in einem Handbuch evangelischer Kirchengeschichte das Christentum »von seinen Anfängen darzustellen«.

Und außerdem gilt: »Was vor 1800 noch nicht zu Bayern gehörte, wird trotzdem berücksichtigt.« Dieser Argumentation folgte auch das Münchner Landeskirchenamt und hat seinen Jubiläumstitel um eine eingeklammerte Null erweitert: Es sind »200(0) Jahre« Landeskirche!

So gesehen waren auch schon die Heiligen Afra (Augsburg, gest. 304) und Severin (Passau, gest. 482) evangelisch im lutherischen Sinne - sie wussten es bloß nicht. Weil ja der Name Luther erst ein Jahrtausend nach ihrem Tod so prominent geworden ist.

Solche evangelischen Protobayern dürfte es sogar noch früher gegeben haben, in jenen römischen Legionen nämlich, die sich weit im Norden des Reiches in den Provinzen Raetien und Noricum eingruben, hart an der Grenze (Limes) zu den fürchterlichen Barbarengebieten. Wortlaut Handbuch: »Sicher war das Christentum bereits während der Römerzeit auf das Gebiet des späteren Bayern gedrungen.« Doch diese frühesten Christen in Roms Armee hinterließen keine Spuren und verschwanden namenlos mit dem Zerfall der Provinzen Ende des 5. Jahrhunderts.

Einzigartiges Zeugnis des christlich-römischen Untergangs ist die »Vita Sancti Severini« des Eugippius von Nordafrika. Was hat der heilige Held Severin nicht alles geleistet: Severin befreit einen Gefangenen; Severin und die toten Soldaten; Severin heilt eine kranke Frau; Severin und die Flüchtlinge! Zwei Dutzend Kapitel enthält die Biografie.

Eine Episode heißt: Odoaker und Severin. Der Sohn eines hunnischen Fürsten habe bei seinen Zügen am Limes auch den berühmten Gottesmann aufgesucht. »Geh nach Italien, geh«, habe der Severin ihn aufgefordert, »zwar bist du jetzt mit armseligen Fellen bekleidet, aber bald wirst du viele reichlich beschenken.« Tatsächlich stürzt Odoaker den römischen Kaiser und regiert Italien als König. (Später ermordet ihn der Ostgote Theoderich.) Die Römer indessen geben den Limes auf, sie nehmen ihren Severin als Leichnam mit bei der Flucht vor den Barbaren.

Bayerische Christengeschichte in wenigen Zeilen und aus pointiert fränkischer Perspektive: Franken (und Iren) waren es, die das Land wieder missionierten, Germanen also, die aus dem, nun ja, katholischen Gallien kamen. Manchen Limesstein, den die Römer hinterlassen hatten, bauten die Franken in ihre neuen Kirchen ein.

Ein beschrifteter Torstein des Kastells Mediana, das im 2. Jahrhundert mit thrakischen Reitern belegt war, schmückt heute die Nordwand der Gnotzheimer St.-Michaels-Kirche. Im Frühmittelalter wurde der Brocken fränkisch, im Spätmittelalter lutherisch und erst 1806 bayerisch.

 

200(0) Jahre Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern

 

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Frank Wairer

 


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abgerufen 08.02.2012 - 22:56 Uhr

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