»Eine Geburt hat etwas Göttliches«
Hebamme Zahra Shabani hat am Heiligen Abend nie frei - sie muss sich um Babys und Eltern kümmern
 Foto:
Müller
 »Gebt den Kindern Wärme und Liebe!« - Zahra Shabani ist seit zwölf Jahren Hebamme.
|
Während draußen leise der Schnee aus den tief über München hängenden Wolken rieselt, liegt Wiebke Haber drinnen warm zugedeckt auf einer Liege und entspannt sich. Die 38-Jährige ist in der 34. Woche schwanger und ihre Tochter Mathilda soll am 24. Januar zur Welt kommen. Zur Akkupunktur ist die Journalistin heute zu Hebamme Zahra Shabani gekommen in die Münchner Hebammenpraxis »Mein Baby«. »Ich fühle mich hier wohl«, sagt Wiebke Haber. Je zwei Nadeln sind ihr zur Schmerzlinderung in die Hände gepikst worden. Weihnachten ist für Wiebke Hader heuer anders, die Vorfreude sei größer, sagt sie.
Hebammen kümmern sich heutzutage auch verstärkt um die jungen Väter. »Wir haben regelmäßig Kurse für Männer, die sind teilweise überfordert.« Seit 1986 lebt Zahra Shabani in Deutschland und übt ihren Beruf als diplomierte Geburtshelferin seit zwölf Jahren aus. Das liegt in der Familie, denn auch ihre Großmutter und Mutter waren Hebammen. Über 1000 Babys hat sie in dieser Zeit ans Tageslicht geholt.
 Foto:
Müller
 Hebamme Zahra Shabani.
|
»Ein Kind zur Welt zu bringen hat etwas Einmaliges, etwas Göttliches«, sagt die Geburtshelferin mit leuchtenden Augen. Ihr Beruf werde für sie nie zu Routine, bei jeder einzelnen Geburt überkomme sie Gänsehaut und ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Außerdem habe sie als Hebamme eine immense Verantwortung. Jedoch: »Oft wird in der Gesellschaft unser Berufsstand nicht so respektiert«, klagt sie. »Dabei haben wir Hebammen ein viel intensiveres Verhältnis zur Mutter und zum Neugeborenen als die Ärzte.«
Um das Image ihres Berufsstandes etwas aufzupolieren hatte sie damals auch ja gesagt, als der Fernsehsender RTL 2 angerufen hatte und mit ihr zehn Teile der mehrteiligen Serie »Schnulleralarm! - Wir bekommen ein Baby!« drehen wollte. Bei der Sendung wurden junge Familien während der Schwangerschaft bis zur Geburt von einem Kamerateam in verschiedenen Situationen begleitet. Natürlich wurde dabei deutlich, wie der Alltag junger Eltern sich dann plötzlich verändert und auch Feiertage und Familienfeste in einem völlig anderen Licht betrachtet werden.
Die Hebamme Zahra Shabani kennt da ganz besonders die weihnachtliche Vorfreude werdender Mütter aus langjähriger Erfahrung. Routiniert meistert die 35-Jährige jedes Jahr ihre Einsätze um den Heiligen Abend. Denn an Weihnachten stehen besonders viele Hausbesuche an, weil viele Frauen in dieser Zeit besonders stark hormonell reagieren, hat sie beobachtet. »Viele stillende Frauen reagieren da mit Milchstau, bei anderen setzen plötzlich die Wehen ein - es liegt daran, dass viele Frauen gerade am Heiligen Abend sehr sensibel reagieren.«
Viele junge Eltern zelebrierten die Feiertage und die Kindsgeburt auf besondere Weise. Oft stünden schon im Treppenhaus Kerzen, es gebe etwas Süßes und kleine Geschenke. »Die Leute sind sehr dankbar und schätzen es sehr, dass ich auch an den Feiertagen Hausbesuche mache.« Natürlich ist für viele werdende Familien der 24. Dezember ein Wunschtermin für die Kindesgeburt. »Viele, die um dieses Datum ein Kind erwarten, schaffen es dann auch, genau am 24. Dezember zu entbinden«, sagt Shabani. An einen komplett freien Heiligen Abend kann sich Zahra Shabani gar nicht erinnern. Insgesamt betreut sie derzeit 15 Frauen, einige stehen kurz vor, andere kurz nach der Entbindung. »Aber auch wenn ich frei hätte - ich säße dann die ganze Zeit vor dem Christbaum und würde auf mein Handy schauen, das jederzeit klingeln könnte.«
Zahra Shabani hat einen 18-jährigen Sohn und einen Partner. Ihre Mutter und die Schwester wohnen im Iran. Ihr Land bezeichnet sie allerdings lieber als »Persien«, das Wort findet sie schöner. Zweimal im Jahr fliegt sie in die Heimat. »Meine Schwester feiert in Persien für mich Weihnachten mit einem künstlichen Christbaum«, sagt Zahra Shabani. Damit wollen die Verwandten ihre Verbundenheit ausdrücken. Die Schwester hat einmal zu ihr gesagt: »Zahra, wir feiern Weihnachten mit dir.« Trotz der Entfernung.
Die heutige Akkupunktursitzung für Wiebke Haber ist schon fast zu Ende, und der Journalist hat seinen Block längst zugeklappt, da will Hebamme Zahra Shabani plötzlich noch etwas Wichtigeslos werden. »Eltern! Ihr könnt euren Kindern gar nicht genug Liebe und Wärme geben und auch geistige und körperliche Nähe, das ist viel wichtiger als alles Materielle.« |
Lesen Sie jede Woche auch das Sonntagsblatt-Titelthema, viele weitere interessante Artikel und Terminhinweise. Auch vor Ort immer gut informiert mit dem Sonntagsblatt: Sechs Regionalausgaben berichten über das, was an Ihrem Wohnort wichtig ist im evangelischen Bayern. Mit Gottesdienst-Anzeiger (München/Oberbayern, Nürnberg, Augsburg).
|
| |
|
 |