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Dieser Artikel: Ausgabe 51/2008 vom 21.12.2008
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ZEITZEICHEN


Finster sind die Zeiten, schrecklich finster. Darüber ist man sich einig in den Chefetagen und Fernsehstudios der Republik ebenso wie unter Wirtschaftsanalysten und bei Wirtshausphilosophen.

Denn kaum wird es zurzeit draußen hell, setzt auch die Dämmerung schon wieder ein. Düstere Aussichten auch für unsere Autobauer, die ihre Weihnachtsferien wohl mindestens bis zum Osterfest ausdehnen werden müssen. Und wer sein Erspartes statt in den Strumpf in einen der vielen todsicheren Fonds gesteckt hat, wird den Kapitalmarkt mit seinem unbegrenzten Wachstumsversprechen längst als schwarzes Loch empfinden.

Hiobsbotschaften haben uns überschwemmt in den vergangenen Monaten. Das Wasser steht uns längst bis zum Hals, sagen die Flutexperten - und nun ist auch noch die Zeit aus den Fugen geraten: Am Ende des Jahres, so heißt es, wird eine ganze Sekunde übrig bleiben. Sie ist einfach da, dort, wo sonst das neue Jahr beginnt, schiebt sie sich vorwitzig dazwischen.

Im ersten Moment waren wir sehr erschrocken über diese Mitteilung. Nicht einmal mehr den allereinfachsten Wahrheiten kann man trauen, haben wir uns gedacht, dass die Erde eine Kugel sei zum Beispiel, dass ein Tag vierundzwanzig Stunden habe und eine Minute aus sechzig Sekunden bestehe. Wenn unsere Welt schon einmal aus den Fugen gerät, so schien es uns, dann aber richtig.

Doch dann haben wir einmal die Zeitung beiseite gelegt, den Fernseher ausgeschaltet und das Radio leise gedreht. Plötzlich herrschte um uns herum eine ungewohnte Stille und Unaufgeregtheit. Vielleicht, so dachten wir, ist das ein Zeichen: Die geschundene Erde schenkt uns etwas von dem, was das Wichtigste ist - Zeit. Zeit für die anderen, Zeit für die Nächsten, Zeit füreinander. Und es ward Licht in finsteren Zeiten. Weihnachten konnte kommen.

 

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abgerufen 08.02.2012 - 11:13 Uhr

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