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Dieser Artikel: Ausgabe 50/2008 vom 14.12.2008
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Wie Gottesdienst erlebt wird

Gottesdienst, Predigt, Kirchenmusik: Eine neue Studie zeigt, was »ankommt«


Was der Gottesdienst für evangelische Christen in Bayern bedeutet, zeigt eine Studie des Gottesdienst-Instituts (Nürnberg) in Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth. Die Studie wurde durch Interviews der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ergänzt.

Was erwarten Menschen, wenn sie zum Gottesdienst gehen? Die Studie »Zur Bedeutung des Gottesdiensts im Leben evangelisch getaufter Menschen in Bayern« ist die bisher größte derartige Erhebung in Deutschland.
Foto: AP
   Was erwarten Menschen, wenn sie zum Gottesdienst gehen? Die Studie »Zur Bedeutung des Gottesdiensts im Leben evangelisch getaufter Menschen in Bayern« ist die bisher größte derartige Erhebung in Deutschland.

Die befragten Kirchgänger praktizieren im häuslichen Bereich sehr viele Rituale, die sie persönlich wichtig finden. Das fängt bei der morgendlichen Teezeremonie an und hört damit auf, dass man nach der Arbeit ein Bier trinkt. Diese Rituale haben »den Charakter des Verlässlichen, haben mit Urvertrauen, mit Grundvertrauen zu tun«. Dabei kann man sich fallen lassen und ruhig werden. Wichtig ist, dass sich diese Rituale nicht verändern.

In Anbetracht dieser positiven Grundhaltung gegenüber persönlichen Ritualen ist es nicht überraschend, dass die breite Mehrheit der Kirchgänger in Bayern ein sehr gutes Verhältnis zur Liturgie hat: »Liturgie und so was, … also, ich finde es schön und irgendwie auch wohnlich sozusagen, dass es so etwas gibt, das ist irgendwie angenehm«, sagt eine Befragte.

Der Wert der Liturgie wird darin gesehen, einerseits dabei zu sein, sich andererseits aber auch innerlich davon lösen zu können. Liturgie ermöglicht ein »Zurück-zu-sich-selbst-Finden, … man hat nichts weiter zu tun als abzuschalten oder mitzudenken, mitzufühlen; ich bin trotzdem dann im Geschehen, wenn meine Gedanken abirren.«

Kindergottesdienst: die Kirchgänger von morgen? Kirchlich sozialisierte Kirchenmitglieder erleben den Gottesdienst erwartungsgemäß anders.
Foto: Schlueter/ddp
   Kindergottesdienst: die Kirchgänger von morgen? Kirchlich sozialisierte Kirchenmitglieder erleben den Gottesdienst erwartungsgemäß anders.

Gerade weil es bei der Liturgie um diese Erfahrung geht, ist eine »gewisse Monotonie« erwünscht, etwa die Wiederholung derselben Verse bei Kyrierufen. Dabei kommt es darauf an, dass es »dieser genaue rituelle Ablauf« ist, der »etwas Beruhigendes« hat, und dass immer die gleiche Liturgie vollzogen wird. Veränderungen der vertrauten Liturgie werden also nicht geschätzt. Wie beim persönlichen Ritual im Alltag geht es manchen, die am Sonntagvormittag den Gottesdienst besuchen, um eine ganz bestimmte und vertraute liturgische Form, die von Sonntag zu Sonntag gleich bleiben soll.

Bei den befragten Kirchgängern gibt es ein starkes Bedürfnis nach Gemeinschaft im Gottesdienst. Man will in einer Gemeinschaft feiern, das Miteinander erleben und sich treffen und austauschen. Diese Gemeinschaft ist einerseits auf Gott ausgerichtet. Notwendig ist die »Bereitschaft des Einzelnen … sich einzulassen auf die Gemeinschaft, die da versammelt ist, und auf diese Gottesbegegnung oder wie man das bezeichnen will. Ich bin jetzt offen für das, was kommt, für die religiös transzendente Seite.« Andererseits bedeutet diese Gemeinschaft ein gemeinsames »Ausgerichtetsein« mit anderen: Es geht um das gemeinschaftlich ausgerichtete Schauen hin zu Altar, Kanzel oder Lesepult und um das gemeinsam ausgerichtete Hören, Singen und Beten. Wichtig ist das »Zugehörigkeitsgefühl« und der Umstand, dass man gemeinsam Gottesdienst feiert.

Der evangelische Kirchenchor in Auerbach.
Foto: »Wettbewerb Kirche vor Ort«
   Der evangelische Kirchenchor in Auerbach.

Vor oder nach dem Gottesdienst wird von manchen eine andere Art von Gemeinschaft gesucht, nämlich die Unterhaltung vor der Kirchentür oder im Vorraum. Allerdings darf man diese Begegnungen nicht überbewerten: »Mit den Leuten, mit denen ich im Gottesdienst singe, mit denen muss ich dann nicht unbedingt Kaffee trinken.«

Interessant ist auch, was Sonntagskirchgänger nicht meinen, wenn sie über Gemeinschaft im Gottesdienst sprechen: Sie meinen damit kein Praktizieren von Gemeinschaftsformen. Das kann bedeuten, dass sie gar nicht aus ihrer Anonymität heraustreten wollen: »Ich habe kein Bedürfnis, dass mich da jeder sieht, dass ich jetzt auch da war.« Wenn Sonntagskirchgänger von Gemeinschaft sprechen, haben sie deswegen noch nicht das Bedürfnis nach näheren Kontakten. So wird etwa der gegenseitige Friedensgruß mit Handschlag von manchen regelrecht als Zumutung empfunden: »Ich schalte immer ab, wenn es darum geht, seinem Banknachbarn die Hand zu geben und 'Friede sei mit dir' zu wünschen. Das kann ich einfach nicht. Also das ist mir so fern, und das will ich irgendwie nicht. Ich mache es dann zwar manchmal trotzdem, aber wenn mir dann jemand die Hand gibt, dann merke ich bei mir, das ist jetzt nicht unbedingt aufrichtig. Ich kann das nicht zu jemandem Wildfremden sagen. Na, ich mache es halt, weil man es in der Kirche anscheinend so macht. Aber das gefällt mir einfach überhaupt nicht. Dabei bin ich total offen, aber wenn ich es will. Es ist etwas Aufgesetztes daran, aber ich schaffe es trotzdem nicht, mich zu wehren und zu sagen: Das mache ich nicht.«

»Claras Platz«
Foto: »Wettbewerb Kirche vor Ort«
   »Claras Platz«

Wie die GfK-Untersuchung zeigt, gibt es hierzu zwei Ausnahmen: Der Friedensgruß findet Anklang unter persönlich miteinander bekannten Gottesdienstbesuchern und dort, wo er bereits Teil des vertrauten Ritus ist.

Fazit: Viele von denen, die den Sonntagmorgengottesdienst besuchen, wünschen sich einen vertrauten und gleich bleibenden Ablauf des Gottesdiensts. Es schadet diesem Gottesdiensttyp, wenn man ihn jeden Sonntag mit neuen Variationen »aufpeppen« will.

Menschen, die am Sonntag in die Kirche gehen, suchen und finden dort Gemeinschaft mit Gott und mit anderen. Die Gemeinschaft untereinander wird darin erlebt, dass man gemeinsam etwas tut. Gleichzeitig wollen viele nicht »auf Befehl« auf den Banknachbarn zugehen und ihm die Hand geben müssen. Das wird schnell als unangemessen und unecht empfunden, wenn man sich nicht kennt. Wo also der gegenseitige Friedensgruß mit Handschlag nicht schon länger eingeführt ist, sollte man ihn besser sein lassen.

Den Friedensgruß mit Handschlag findet nicht jeder gut

Für manche Befragten ist das Abendmahl wichtig. Bei den Befragungen kamen dazu Äußerungen wie: »Häufig ist dann auch der Abendmahlsbesuch wichtig für mich.« Oder: »Ich gehe in den Gottesdienst, um Gottes Wort zu hören, die Liturgie mitzufeiern, das Abendmahl mitzufeiern, falls es stattfindet.« Auf der anderen Seite gibt es manche, die es stört, wenn im Gottessdienst Abendmahl gefeiert wird. Das ist dann ein Grund, den Gottesdienst nicht zu besuchen. Schließlich wird deutlich, dass einige Kirchgänger das Abendmahl nur als Pflichtübung über sich ergehen lassen. Man »geht hin, denkt sich: Was soll das sein? Also, dann muss man zwanghaft etwas Religiöses hineininterpretieren, aber es ist in dem Sinne nicht einfach, dass man sagt: Ich mache das gerne. Das wirkt dann eher ein bisschen wie eine Pflichtübung.«

Für diejenigen, in deren Gemeinde das Abendmahl nur zwei- oder dreimal im Jahr angeboten wird, ist es etwas ganz Besonderes. Für diejenigen, die es öfters feiern, ist es eine Selbstverständlichkeit.

Für die Kirchgänger, die alternative Gottesdienste bevorzugen, haben diese »eine ganz andere Qualität als der offizielle Gottesdienst«. Die Predigt ist bei alternativen Gottesdienstformen weniger wichtig als beim Sonntagsgottesdienst. Es geht eher darum, sich im Gottesdienst über einen Bibeltext mit Menschen austauschen zu können, mit denen man vertraut ist. Diejenigen, die dem freikirchlichen Spektrum nahestehen, schätzen es sehr, wenn sie im Gottesdienst eigene Gebete sprechen können: »Das gefällt mir halt einfach gut, dass man dann auch mal mitbeten kann, dass das nicht nur der Pastor macht.«

Im Blick auf die Musik gibt es hier bestimmte Vorlieben. Die Orgel wird hier weniger geschätzt, dafür werden andere Instrumente und Bands bevorzugt. Die Bandbreite reicht dabei von Popmusik bis hin zu Taizé-Liedern. Anbetungslieder mit eingängigen Refrains werden lieber gesungen als traditionelle Kirchenlieder. Für alternative Gottesdienste ist es schließlich wichtig, dass sie zu passender Zeit stattfinden. Abendtermine werden deutlich bevorzugt, und zwar zwischen Donnerstag und Sonntag. Der Sonntagvormittag gilt als unpassender Termin.

DIE PREDIGT ist für evangelisch getaufte Menschen in Bayern nach ihren eigenen Aussagen in großer Breite das Wichtigste im Gottesdienst. Mehr als 80 Prozent derer, die von sich sagen, dass sie Gottesdienste besuchen, sehen dies so. Dem hohen Ansehen der Predigt entsprechen bestimmte Erwartungen.

Menschen, die zur Kirche gehen - egal wie häufig - wollen bei einer Predigt etwas »mitnehmen«. Die Predigt wird auf das eigene Leben bezogen: »Was der Pfarrer sagt, das höre ich mir dann auch genau an und denke: Aha, das war heute wieder ganz für mich.« Auch wenn Kirchgänger manchmal von Predigten enttäuscht werden, sind sie grundsätzlich davon überzeugt, dass die Predigt ihnen etwas bringt und Gott durch sie in ihr Leben spricht. Die Botschaft der Bibel soll lebendig werden und zur eigenen Situation sprechen. Soziale und politische Inhalte finden viele weniger interessant, es sei denn, man ist persönlich betroffen. Wenn die Qualität der Predigten schwankt, wird das mitunter gelassen gesehen: »Mancher predigt gut, und mancher … ist eben nicht so toll.«

Interessant ist: Bei Predigten geht es für manche Befragte gar nicht in erster Linie darum, ihnen genau zuzuhören. So werden Predigten auch dann positiv erlebt, wenn man ihnen nicht zuhört: Die Predigt wird in diesem Fall als eine Art »Raum« der Ruhe, des Rückzugs und der eigenen Besinnung erlebt und geschätzt. Die Hörer gehen in diesem »Raum« ihren eigenen Gedanken nach, während die Predigt wie ein Film im Hintergrund weiterläuft. Eine Befragte formuliert es so: »Manchmal höre ich auch zu. Aber manchmal ist es einfach auch nur Kulisse; und zwar positive Kulisse, wenn da jemand etwas redet, was hoffentlich in irgendeiner Weise auch positiv ist.«

Menschen, die nicht in die Kirche gehen, haben erstaunlich viel über Predigten zu sagen. Manchmal beziehen sie sich dabei auf Predigten, die sie im öffentlichen Raum oder bei Taufen und Hochzeiten gehört haben. Dabei überwiegen die Klagen über Predigten. Sehr kritisch wird es gesehen, wenn Geistliche die Predigten dazu benutzen, um ihre eigenen politischen Ansichten zu verkünden, z.B. in puncto Kirchenasyl. Man spricht den Predigenden ganz einfach ab, dass sie von diesen Dingen mehr verstehen als andere.

Bei den befragten Kirchgängern - und zwar vor allem bei den gelegentlichen - wird deutlich, dass sie sich nicht selten von Predigten überfordert fühlen. Dieses Ergebnis wird durch die GfK-Untersuchung gestützt: 49,1 Prozent der Befragten mit Hauptschulabschluss stimmen der Aussage »Viele Predigten sind mir zu kompliziert« entweder »voll und ganz« oder »etwas« zu. Immerhin 20,7 Prozent der Befragten mit abgeschlossenem Studium stimmen der Aussage ebenfalls »voll und ganz« oder »etwas« zu.

Viele können die Gedanken des Pfarrers nicht nachvollziehen

Dabei scheint weniger die verwendete Sprache das Problem zu sein. Vielmehr können viele der Kirchgänger die Gedankenschritte und Auslegungen ihrer Pfarrer und Pfarrerinnen nicht nachvollziehen. Dass die Predigten von nicht wenigen Kirchgängern als zu kompliziert empfunden werden, ist ein ernstes Problem.

Die Länge der Predigten wird übrigens von keinem einzigen befragten Kirchgänger angesprochen oder als Problem wahrgenommen. Das Thema der Predigtlänge ist nur für die interessant, die nie zur Kirche gehen.

DIE KIRCHENMUSIK ist neben der Predigt das Wichtigste im Gottesdienst. Insgesamt wird die Orgelmusik am Sonntagmorgen sehr geschätzt. »Kirche und Orgelmusik … das gehört einfach dazu.« Die Orgelmusik ist fester Bestandteil des Ritus. Selbst eine Frau, die dem Gottesdienst sonst eher fernsteht, meint: »Orgel, das ist schon etwas Schönes, nicht?« Dabei wird vor allem erwartet, dass die Orgel den Gesang unterstützt.

Beim Singen empfinden viele Kirchgänger ein Gemeinschaftsgefühl: »Das ist immer so ein Gemeinschaftsgefühl, und das finde ich so klasse, wenn dann so viele Leute einfach miteinander singen.« Weil dieses Gemeinschaftsgefühl sehr wichtig ist, wird es beim Singen in einer vollen Kirche stärker erlebt, als wenn nur wenige miteinander singen: »Wenn eine Kirche voll ist und wenn man dann mitei­nander singt, das klingt natürlich anders, wie wenn jetzt nur zwanzig Leute irgendwo sind.«

Das Singen ganz bestimmter Lieder kann auch der Höhepunkt eines Gottesdiensts sein, etwa wenn zum Abschluss der Christvesper »O du fröhliche« gesungen wird.

Damit man gemeinsam singen kann, müssen die Lieder bekannt und beliebt sein: »Ich will gute Lieder singen, die mir gefallen und die ich mitsingen kann.« Wichtig ist auch, dass die Tonlage passt. Traditionelle Lieder werden oft als zu hoch empfunden. Schließlich kommt es darauf an, dass man weiß, was gerade gesungen wird. Auffällig ist auch, dass traditionelle Kirchenlieder sogar von Personen geschätzt werden, die der Kirche distanziert gegenüberstehen. In hohem Maße wird abgelehnt, wenn neue Lieder im Gottesdienst eingeübt werden.

Oft hört man, dass die Sprache der Gesangbuchlieder unverständlich und veraltet sei. Die GfK-Untersuchung zeigt: Vor allem Ausgetretene empfinden dies so; Kirchenmitglieder hingegen vertreten diese Meinung viel seltener. Außerdem gilt: Je häufiger Menschen Gottesdienste besuchen, desto weniger finden sie die Texte veraltet. Und wie steht es um die liturgischen Gesänge? In der GfK-Umfrage wird die Aussage »Die Wechselgesänge von Pfarrer und Gemeinde finde ich überflüssig« von etwas mehr Menschen abgelehnt, als ihr zustimmen.

Die Chorarbeit ist für den Gemeindeaufbau und das Gottesdienstleben ganz wichtig. In den Interviews zeigt sich, dass das Singen und Musizieren in einem Chor Menschen an eine Gemeinde und an den Gottesdienst bindet. Ein Chor kann beispielsweise zum Treffpunkt für neu Zugezogene werden.

Besonders erbaulich ist das Mitwirken im Chor dann, wenn die Chormitglieder etwa gleich alt sind und untereinander Geselligkeit pflegen, auch über die Proben und Auftritte hinaus. Das Singen kann ein »sich wie ein roter Faden durch mein Leben ziehendes Ritual« sein, sodass ein Befragter nach einem Wohnortwechsel sofort wieder den Anschluss an den Kirchenchor sucht.

GOTTESDIENST-STUDIE

Das sagen die Befragten

  LITURGIE: Veränderungen der vertrauten Liturgie werden nicht geschätzt. Der »genaue rituelle Ablauf« wird als »etwas Beruhigendes« empfunden.

»Liturgie und so was, also, ich finde es schön und irgendwie auch wohnlich, dass es so etwas gibt, das ist irgendwie angenehm.«

  GEMEINSCHAFT: Kirchgänger haben ein starkes Bedürfnis nach Gemeinschaft im Gottesdienst. Man will in einer Gemeinschaft feiern, das Miteinander erleben und sich austauschen. Der gegenseitige Friedensgruß mit Handschlag wird dennoch von manchen als Zumutung empfunden:

»Ich schalte immer ab, wenn es darum geht, seinem Banknachbarn die Hand zu geben und Friede sei mit dir zu wünschen. Das kann ich einfach nicht. Es ist etwas Aufgesetztes daran, aber ich schaffe es trotzdem nicht, mich zu wehren und zu sagen: Das mache ich nicht.«

  DIE PREDIGT ist für 80 Prozent der Gottesdienstbesucher am wichtigsten. Auch wenn Kirchgänger manchmal von Predigten enttäuscht werden, sind sie grundsätzlich davon überzeugt, dass die Predigt ihnen etwas bringt und Gott durch sie in ihr Leben spricht.

»Was der Pfarrer sagt, das höre ich mir dann auch genau an und denke: Aha, das war heute wieder ganz für mich.«

  DIE BOTSCHAFT DER BIBEL soll lebendig werden und zur eigenen Situation sprechen. Soziale und politische Inhalte finden viele weniger interessant, es sei denn, man ist persönlich betroffen. Sehr kritisch wird es gesehen, wenn Pfarrer die Predigten benutzen, um ihre eigenen politischen Ansichten zu verkünden. Wenn die Qualität der Predigten schwankt, wird das mitunter gelassen gesehen:

»Mancher predigt gut, und mancher ist eben nicht so toll.«

»Manchmal höre ich zu, aber manchmal ist es einfach auch nur positive Kulisse, wenn da jemand etwas redet.«

  KIRCHENMUSIK: Neben der Predigt ist für evangelisch getaufte Menschen in Bayern die Kirchenmusik das Wichtigste im Gottesdienst. Beim Singen empfinden viele Kirchgänger ein Gemeinschaftsgefühl:

»Das ist immer so ein Gemeinschaftsgefühl, und das finde ich so klasse, wenn dann so viele Leute einfach miteinander singen.«

  NEUE LIEDER: In hohem Maße wird abgelehnt, wenn neue Lieder im Gottesdienst eingeübt werden. Damit man gemeinsam singen kann, müssen die Lieder bekannt und beliebt sein:

»Ich will gute Lieder singen, die mir gefallen und die ich mitsingen kann.«

HINTERGRUND

  Die Studie »Zur Bedeutung des Gottesdiensts im Leben evangelisch getaufter Menschen in Bayern« ist die größte Erhebung zum Gottesdienst, die bisher in Deutschland vorgenommen wurde.

  Unter der Leitung von Professor Hanns Kerner vom Gottesdienst-Institut (Nürnberg) am Lehrstuhl von Professor Christoph Bochinger (Bayreuth) wurde die Studie in Form von ausführlichen Interviews erstellt.

  Um die aus dem Interviewmaterial abgeleiteten Schlussfolgerungen zu überprüfen und zu weitergehenden Aussagen zu gelangen, wurde nun von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg eine ergänzende repräsentative Online- und Telefon-Umfrage unter evangelisch Getauften in Bayern ab 20 Jahren vorgenommen.

 

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abgerufen 04.02.2012 - 06:46 Uhr

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