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Dieser Artikel: Ausgabe 46/2008 vom 16.11.2008
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Oktoberfest und Armenfürsorge

Erste bayerische Königinnen brachten den evangelischen Glauben mit


Die evangelischen Gemahlinnen der ersten bayerischen Könige haben nicht nur Verdienste um das Oktoberfest, sondern vor allem um die noch junge evangelische Kirche in München.

Friederike Karoline (1777-1841).
Foto: sob
   Friederike Karoline (1777-1841).

Die badische Prinzessin Friederike Wilhelmine Karoline (1777-1841), Frau des Kurfürsten und seit 1806 ersten bayerischen Königs Max I. Joseph, brachte 1799 ihren eigenen evangelischen Hofprediger Ludwig Friedrich Schmidt und ihren zum Teil evangelischen Hofstaat nach München mit. Königin Karoline war jung, schön und hilfsbereit - und im Volk überaus beliebt.

Sie stellte sich an die Spitze der Frauenvereine in München, die nach der Völkerschlacht in Leipzig verwundete Soldaten pflegten, und unterstützte regelmäßig hilfsbedürftige Untertanen. Im Land ging der Spruch um: »Geht Dir die Not bis obenhin, so gehst Du zu der Karolin'.«

Unwürdig waren die Begleitumstände ihrer Beisetzung: Vor dem Portal der Theatinerkirche wurde den Evangelischen der Zutritt verwehrt. Hofprediger Schmidt musste seine Predigt vor der Kirche halten. Katholische Geistliche in Zivilkleidung übernahmen den Sarg und brachten ihn ohne jede Liturgie durch die schmucklose Kirche in die Gruft.

Friederike Karoline (1777-1841).
Foto: sob
   Friederike Karoline (1777-1841).

Seit ihrer Heirat mit dem Kronprinzen Ludwig im Jahr 1810 gehörte auch Therese von Sachsen-Hildburghausen (1792-1854) zur protestantischen Hofgemeinde. Nicht nur als Namensgeberin für die Theresienwiese, auf der zu ihrer Hochzeit ein fünftägiges Fest veranstaltet wurde, aus dem das Oktoberfest entstand, ist sie in Erinnerung geblieben.

Begeisterte Bergsteigerin

Seit 1825 Königin, unternahm die beim Volk äußerst beliebte Therese weite Reisen durch das Land und engagierte sich als Protektorin vieler sozialer Vereine und Gesellschaften. Bereits 1827 stiftete sie den »Theresienorden« einen Damenorden, der sich die Armenversorgung zum Ziel gesetzt hatte. Sie förderte die Arbeit der Kleinkinderbewahranstalten, die ab 1833 von Oberkonsistorialrat Faber ins Leben gerufen wurden. Dabei war ihr wichtig, dass Kinder beider christlicher Konfessionen Aufnahme in den Anstalten fanden.

Als Therese am 1854 an Cholera starb, wurde sie zunächst in der Fürstengruft der Theatinerkirche bestattet. Der König nahm an der Beisetzung seiner evangelischen Gemahlin nicht teil, da er sich nicht einem Eklat aussetzen wolle wie bei seiner Stiefmutter Karoline.

1857 wurde ihr Sarg in die neuerbaute Abtei St. Bonifaz überführt, die König Ludwig I. als Grablege für die bayerischen Könige bestimmt hatte - aus kirchenpolitischen Gründen dort allerdings in der Gruft unter Ludwig. Eine späte Rehablitation erfuhr sie erst 2002, als sie neben ihren Mann in einen Marmorsarkophag umgebettet wurde.

Friederike Karoline (1777-1841).
Foto: sob
   Friederike Karoline (1777-1841).

Mit der Hohenzollernprinzessin Marie Friederike von Preußen (1825-1889), die 1842 den Kronprinzen Maximilian (seit 1848 König Maximilian II.) heiratete, zog wieder eine Evangelische in München ein. Wie ihre Vorgängerinnen wirkte die Mutter des späteren »Märchenkönigs« Ludwig II. als Protektorin zahlreicher sozialer Projekte und tatkräftige Förderin der Evangelischen in München.

Zeitlebens war Marie Friederike eine begeisterte Bergsteigerin. Dafür erfand sie eine eigene Tracht: ein Kleid mit weitem Rock aus schwarzem Loden, darunter eine lange Hose und feste Schuhe. 1874 trat sie zur katholischen Kirche über. Offensichtlich glaubte sie, dass durch diesen Schritt ihr geisteskranker Sohn Otto gesund werden könnte.

 

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Hans Deyerl

 


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abgerufen 21.05.2012 - 09:20 Uhr

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