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Dieser Artikel: Ausgabe 45/2008 vom 09.11.2008
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»Sich über alles wundern«

Der Karikaturist, Autor und Schauspieler Loriot wird 85 Jahre alt


»Wach bleiben, nichts als selbstverständlich hinnehmen und sich über alles wundern« - so beschrieb Victor von Bülow alias Loriot einst sein Erfolgsrezept. Der Karikaturist, Autor, Schauspieler und Regisseur zählt zu den beliebtesten Humoristen im deutschsprachigen Raum. Am 12. November wird er 85 Jahre alt.

Die Knollennasen und ihr Meister: Vicco von Bülow alias Loriot.
Foto: ddp
   Die Knollennasen und ihr Meister: Vicco von Bülow alias Loriot.

Bekannt wurde Loriot für seine exakte Planung von Witz und Hintergründigkeit: »Ich zeige ja allzu menschliche Dinge, die wirklich jedem passieren und einen großen Wiedererkennungswert haben.«

Den meisten Deutschen ist er durch die gespielten Sketche seiner sechsteiligen Fernsehserie »Loriot« im Gedächtnis - oft an der Seite von Evelyn Hamann (1947-2007). Legendär ist etwa die »Liebeserklärung«, die an einer Nudel auf der Nase scheitert. Aber auch die Trickfilme mit Dr. Klöbner, Herrn Müller-Lüdenscheidt und einer Gummi­ente in der Hotelbadewanne zählen zu den Loriot-Klassikern. Später wurden seine Kinofilme »Ödipussi« (1988) oder »Pappa ante portas« (1990) zu großen Erfolgen.

Pirol, der »Bülow-Vogel«

Der 1923 in Brandenburg an der Havel geborene Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow stammt aus einer alten preußischen Offiziersfamilie. Er wurde zum Kriegsdienst eingezogen, nahm am Russlandfeldzug teilt. Nach Kriegsende studierte er Malerei und Grafik und zeichnete ab 1950 unter dem Pseudonym »Loriot« Karikaturen. Der Name, der später sein Markenzeichen wurde, geht auf das Wappentier der Familie zurück: den Pirol, der auf Französisch Loriot heißt. In manchen Gegenden nennt man den starengroßen, gelbschwarzen Singvogel des Laubwaldes volkstümlich auch »Vogel Bülow«.

Heute lebt der Vater zweier Töchter, der seit 1951 verheiratet ist, am Starnberger See. Seit einigen Jahren ist es stiller geworden um Victor von Bülow, der davon überzeugt ist, dass das Fernsehen heute »zu schnell geworden ist für meine Komik«. Die von ihm stets angestrebte und geleistete »komische Qualität« sei kaum mehr erreichbar im hektischen TV-Geschäft, glaubt er.

Doch zu seinem 85. Geburtstag bringt das Berliner Schiller-Theater vom 27. November an das Stück »Loriots Dramatische Werke« auf die Bühne. Gespielt werden 16 Sketche, darunter auch »Mutters Klavier« und natürlich »Herren im Bade«.

Die ARD bringt ein Porträt Loriots mit Interviews, Filmausschnitten, Cartoons und Ausflügen in die klassische Musik.

Und schließlich zeigt das Berliner Museum für Film und Fernsehen vom 6. November bis zum 29. März nächsten Jahres eine Ausstellung zu Leben und Werk des eher stillen Humoristen, in der auch einige noch nie gezeigte Loriot-Werke präsentiert werden sollen.

»Der deutsche Film ist angenehmer als eine Nase, denn bei durchschnittlicher Länge läuft er nur 90 Minuten.« Diesen Ausspruch über die Filmkunst hat Victor von Bülow seinem berühmten Knollennasen-Männchen in den Mund gelegt. Auch der Hund Wum und seine Freunde, der Elefant Wendelin und der Blaue Klaus, mit denen das ZDF über viele Jahre für die Aktion Sorgenkind warb, stammten aus Loriots Feder.

Zu Klassikern wurden die Steinlaus, der Lottogewinner, der mit dem Papst in Wuppertal eine Herren-Boutique eröffnen will, oder die Hausfrau Frau Hoppenstedt mit ihrem Jodeldiplom: Evelyn Hamann bringt Herrn Doktor Vogler zur Weißglut, weil sie einfach nicht begreift, dass Hollerö dö dudel dö »als zweites Futur bei Sonnenaufgang« etwas gänzlich anderes ist als Holleri du dödel di. »Lachen ohne Anlass ist pure Dämlichkeit«, formulierte Loriot einst über die »allzu menschlichen Dinge« in seinen Sketchen.

 

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Andreas Rehnolt

 


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abgerufen 08.02.2012 - 22:58 Uhr

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