Laterne, Laterne
Straßenlaternen nehmen Städtern seit Jahrhunderten das »Grauen vor der Finsternis«
Wenn es am Martinstag (11. November) dunkel wird, ziehen wieder allerorten die Kinder durch die Straßen und besingen, was sie vor sich hertragen: »Laterne, Laterne...« Für uns eine gute Gelegenheit, Ihnen statt Martinsgans eine kleine Kulturgeschichte der Laterne zu servieren.
 Foto:
Wodicka
 Ein Licht gegen »das Grauen vor der Finsternis«.
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Alles geht vollautomatisch. Kein Flimmern, kein Flackern, kein Knopfdruck und schon gar kein Anzünden. Auf einen Schlag beginnt die Straßenlaterne zu leuchten. Und zwar dann, wenn die Zeitschaltuhr es vorgibt oder die Fotovoltaikanlage meldet, dass die Lichtgrenze von 40 Lux unterschritten wurde. Dann, wenn es nicht mehr Tag ist und noch nicht Nacht.
Rund neun Millionen Straßenlaternen sind in Deutschland installiert, die zusammen 2620 Gigawattstunden Strom im Jahr verbrauchen und dabei Kosten von 760 Millionen Euro verursachen. »Wenn die Kommunen auf energiesparende Lichtlösungen setzen würden, könnten 400 Millionen Euro Stromkosten eingespart werden«, sagt Jürgen Waldorf vom Fachverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie. Allerdings: »Die Umstellung wird sicherlich eine Generation dauern.« Dabei soll die derzeit gebräuchliche Quecksilberdampflampe unter anderem ersetzt werden durch effizientere Modelle wie die energiesparende Leuchtdiode.
Einstein elektrifizierte Schwabing
In Paris begann man Mitte des 17. Jahrhunderts, die Gassen mit Öllampen zu beleuchten. Vor rund 200 Jahren kam dann die Umstellung auf Gasleuchten, zunächst in London. Und spätestens damit setzte auch eine Diskussion über die moralischen und sittlichen Folgen der Straßenlaternen ein. So vertrat der Kommentator der »Kölnischen Zeitung« vom 28. März 1819 die Ansicht, die Gas-Straßenbeleuchtung sei abzulehnen, »weil sie als Eingriff in die Ordnung Gottes erscheint«. Durch die künstliche Helle würden nicht nur die »Pferde scheu und die Diebe kühn«. Sie verscheuche auch »das Grauen vor der Finsternis, das die Schwachen von mancher Sünde abhält«.
Mit dem Namen Einstein ist die Geschichte der elektrischen Straßenbeleuchtung in München verbunden: Der Vater und der Onkel Albert Einsteins erhielten - nachdem sie 1886 bereits das Oktoberfest beleuchtet hatten - den Auftrag, Schwabings Straßen elektrisch zu erhellen. Der erwartete Folgeauftrag für die ganze Stadt blieb dann aber leider aus, und die Firma Einstein ging in Konkurs.
Der Bedeutung ihrer Beleuchtung bewusst, versuchen heute immer mehr Kommunen, sich sprichwörtlich ins rechte Licht zu rücken: »Es ist ein Bewusstsein für Licht entstanden«, sagt Ulrike Brandi, die seit 20 Jahren als Lichtplanerin arbeitet. Unter anderem hat sie in der Hamburger Hafen-City den Masterplan Licht entwickelt, der das städtebauliche Konzept in atmosphärische Szene setzt - durch die alltäglichen Straßenlaternen wie durch die Beleuchtung einzelner markanter Punkte. Dabei legt Brandi nicht nur Wert auf die äußerliche Gestaltung der Leuchte und eine gute Farbwiedergabe des Lichtes. Vielmehr ist es ihr ein Anliegen, dass das Licht raumbildend wirkt und auf keinen Fall blendet: »Anmutendes Licht kann sehr viel zu einer qualitätvollen Umwelt beitragen.«
Und in Celle werden die Straßenlaternen bald nicht nur für optische Erleuchtung sorgen. Ausgewählte Laternen sollen künftig sogar »sprechen können«: Auf Knopfdruck ertönen dann künftig Informationen zur Celler Stadtgeschichte. |
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