»Stolpersteine gegen das Vergessen« als Mahnung?
Sonntagsblatt-Umfrage zum 70. Jahrestag des Novemberpogroms 1938
Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten Wohnort kleine Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir verlegt. Die Mahnmale sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die von Nationalsozialisten vertrieben, deportiert und ermordet wurden. Bisher hat Demnig in rund 300 Städten und Gemeinden über 15.000 Gedenksteine gesetzt. München lehnt das Kunst- und Erinnerungsprojekt bisher noch ab.
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»Menschen kommen ins Gespräch«
»Für mich sind Stolpersteine eine positive Form der Erinnerung ohne erhobenen Zeigefinger. Ich beobachte immer wieder, dass die Menschen an den beiden Stolpersteinen vor unserem Haus ins Gespräch kommen. Die älteren Marktbreiter tauschen Erinnerungen an die Familie Goldbach aus, die bis 1942 hier lebte. Touristen bleiben stehen. Schüler stellen die Verbindung her, dass hier an ermordete Juden erinnert wird.«
Christiane Berneth (54), Hausfrau, Marktbreit
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»Nicht auf gleicher Augenhöhe«
»Anfangs fand ich die Idee gut. Im Gespräch mit Juden gewann ich eine andere Sichtweise: Der »gute Name«, der gute Ruf, ist im Jüdischen ganz wichtig. Vorübergehende treten auf die Steine, den Namen; er liegt im Schmutz der Straße. Viele stolpern achtlos daran vorbei. Hunde können ihr Geschäft darauf machen. Schöner wäre es, die Steine auf gleicher Augenhöhe, beispielsweise an Hauswänden zu finden.«
Gertrud Kellermann (72), Hausfrau, Augsburg
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»Symbole richtig verstehen«
»Die Stolpersteine sind nur ein Symbol. Es geht hier aber um viel mehr als das. Das Wichtigste ist die Erinnerung und das Gedenken, wie auch das Wissen um die Vergangenheit! Wer seine Vergangenheit nicht kennt, der läuft Gefahr, in der Zukunft die gleichen Fehler zu machen. Aber wir müssen alles dafür tun, den jungen Leuten nicht das Gefühl zu geben, sie seien schuldig an der Vergangenheit.«
Charlotte Knobloch (68), Präsidentin des Zentralrats der Juden, München
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»Stolpersteine in Schulen«
»In Schnaittach wurden auf Initiative der Hauptschule 27 Steine verlegt. Wir erfahren gute Reaktionen, vor allem von den Besuchern unseres Jüdischen Museums. Im Ort selber wird wenig darüber gesprochen. Zur intensiven Erinnerung gehört sicher mehr; sicher ist aber auch, dass sich die Jugendlichen vor dem Verlegen der Steine erstmals mit den Geschichten der jüdischen Familien im Ort beschäftigt haben.«
Georg Brandmüller (58), Bürgermeister, Schnaittach (Mfr.) |