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Dieser Artikel: Ausgabe 45/2008 vom 09.11.2008
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Hilfe von Mensch zu Mensch

UN-Experte Rainer Rosenbaum plädiert für »Entwicklungshilfe im Kleinen«


Es gibt keine bessere Form der Entwicklungshilfe als kleine Projekte örtlicher Partnerschaftsgruppen. Diese Bilanz zieht der UN-Gesundheitsexperte Rainer Rosenbaum nach 30-jähriger Tätigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit. Der in Würzburg und Mexiko lebende Arzt war als Regierungsberater auf fast allen Kontinenten im Einsatz, traf mit Papst Johannes Paul II. und Fidel Castro zusammen, kennt die Elendsviertel südamerikanischer Metropolen ebenso wie das diplomatische Parkett. Nach ernüchternden Erfahrungen mit Großorganisationen plädiert er für Hilfsprojekte »von Mensch zu Mensch« - orientiert an der Botschaft Jesu.

»Das schönste und intelligenteste Motiv ist die Botschaft von Jesus Christus«: Rainer Rosenbaum.
Foto: Lenz
   »Das schönste und intelligenteste Motiv ist die Botschaft von Jesus Christus«: Rainer Rosenbaum.

Langjähriger Repräsentant des UN-Bevölkerungsfonds, Beauftragter der staatlichen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, Mitarbeiter der kirchlichen Dienste in Übersee, Teilnehmer an über 200 internationalen Konferenzen - der 63-Jährige gehört zu den international anerkannten Experten auf seinem Gebiet. Vor drei Jahren ließ er sich bei den Vereinten Nationen aus familiären Gründen beurlauben.

Aufgewachsen in einem protestantischen Würzburger Elternhaus, Posaunenbläser im CVJM, Studium in Würzburg, Salamanca und Heidelberg, Promotion »Magna Cum Laude, Tropenmedizin in Hamburg, Baltimore, Berlin… »Ich möchte eigentlich nicht über mich reden«, wirft er ein. Der bescheiden auftretende Mann ist mit einer in Mexiko lebenden Bolivianerin verheiratet und Vater zweier Kinder. Fast die Hälfte seines Lebens hat er in Lateinamerika verbracht. Ab 2000 leitete er in Bratislava das UN-Büro für Technische Zusammenarbeit in Osteuropa und Zentralasien.

2004 erhielt er den Auftrag, von Jordanien aus beim Wiederaufbau des Iraks mitzuarbeiten. Spätestens seit dieser Zeit ist er überzeugt, dass die UN und ihre Netze weitgehend von machtpolitischen Interessen beeinflusst sind und im Wesentlichen von den USA und England gesteuert werden. Rosenbaum, dem die Freude über ein erfülltes Berufsleben anzuspüren ist, räumt freimütig ein, dass er den Glauben an die Wirksamkeit der Entwicklungshilfe großer staatlicher und nichtstaatlicher Institutionen verloren habe. »Die Menschen, um die es angeblich geht, bleiben fast immer unbeteiligt.«

Schon in seiner Dissertation hat der Mediziner kritisch beleuchtet, was passiert, wenn deutsche Firmen mit deutscher Entwicklungshilfe in den Anden Krankenhäuser bauen. »Die kranken Indios kamen nicht. Sie machten um die 'weißen Elefanten' und die Spanisch sprechenden Ärzte einen weiten Bogen.«

Mit dem Geld hätte man in vielen Andendörfern bevölkerungsnahe Gesundheitsstationen errichten können, meint er im Rückblick. Auch wenn sich in der Entwicklungsarbeit inzwischen manches geändert habe, die Frage nach ihrer Effizienz stelle sich immer wieder neu. Rosenbaums Antwort ist das private Engagement, der persönliche Kontakt über Grenzen hinweg, kleine, örtliche Initiativen auf dem Fundament christlicher Ethik. »Es geht um Hilfe ohne Eigeninteresse, ohne bürokratische Institutionen, ohne Verwaltungskosten, unabhängig von Politik und wirtschaftlichen Zwängen.«

Für ihn, der zeitweise über Millionenetats verfügte, ist inzwischen die kleine Münze der Anteilnahme von unschätzbarem Wert. Keine Spende könne die Begegnung mit Menschen in Not ersetzen, die Bereitschaft, gemeinsam mit ihnen für eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen auf diesem Globus einzutreten, so Rosenbaum. Die Motive für eine solche Entwicklungshilfe im kleinen Rahmen mögen unterschiedlich sein. Er selbst habe dafür »nichts Schöneres und Intelligenteres gefunden als die biblische Botschaft von Jesus Christus«. Kritik an der Kirche schließt dies nicht aus. Die Haltung der römisch-katholischen Kirche in der Frage der Empfängnisverhütung sieht er als eine der Ursachen für die Armut in Entwicklungsländern.

Im nächsten Jahr werden es 25 Jahre, dass Kirchenmusiker aus dem unterfränkischen Sennfeld nach einem Besuch in Peru ein Projekt für Not leidende Indios starteten. Rosenbaum stand damals als Fachmann Pate. Inzwischen hat die Indio-Hilfe Sennfeld rund zehn Projekte mit fast 300.000 Euro gefördert, begleitet von wechselseitigen Besuchen. Vor wenigen Wochen war Rosenbaum mit einer Gruppe der Würzburger Martin Luther-Gemeinde in einer entlegenen Bergregion des mexikanischen Bundesstaats Hidalgo unterwegs, wo eine Krankenstation gebaut werden soll.

Die Vorzeichen für dieses Projekt stehen gut, die Bevölkerung will mit anpacken, Geld ist da. Jetzt komme es darauf an, den Kontakt nach San Lorenzo Achiotepec auszubauen, betont Rosenbaum. »Wir brauchen noch Leute, wie wär's mit Ihnen?«

 

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Gerhard Lenz

 


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abgerufen 08.02.2012 - 11:56 Uhr

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