ZEITZEICHEN
»Die Liebe ist ein seltsames Spiel«, meinte Connie Francis Anfang der Sechziger-jahre: »Sie kommt und geht von einem zum andern. Sie nimmt uns alles, doch sie gibt auch viel zu viel.« Damals, so scheint es, waren viele Menschen glücklich darüber, endlich eine allgemeingültige Definition der Liebe zu besitzen. Wahre Liebe war unberechenbar, anstrengend, herausfordernd. Connies kleiner Schlager war die unangefochtene Nummer-Eins-Single des Jahres 1960.
Heute, fast fünfzig Jahre später, muss das seltsame Spiel der Liebe wohl neu definiert werden. Denn »Liebe ist kein Zufall«, das behauptet zumindest eine Schweizer Firma, die mit dieser Erkenntnis das große Geld verdienen will.
Anhand des genetischen »Fingerabdrucks« könne man exakt bestimmen, ob zwei Menschen miteinander kompatibel sind, sagt die Firma. Und deshalb kann man auch voraussagen, ob ein Partner treu ist, wie anziehend er im Laufe der Beziehung bleibt und ob aus dieser Verbindung hübsche Kinder hervorgehen werden. Die Geschäftsidee der Schweizer ist ganz einfach: Wer zusammen mit einer Speichelprobe 190 Dollar bei ihnen einsendet, bekommt dafür seinen genetischen Code - natürlich nur die partnerschaftlich relevanten Teile davon - zugeschickt. Mit diesen Daten kann er dann im Internet die passenden Menschen herausfischen.
In Sachen Liebe kennt die Zukunft also schon bald keinen Zufall mehr. Braut und Bräutigam werden einander zugeführt wie die Partner einer Zwangsheirat. Die Firmengründerin selbst trägt übrigens die genetische ID 1150021-88. Vor der Ehe hat sie sich und ihren Partner testen lassen - mit dem Ergebnis, dass sie nicht zuammenpassen. Ihre Konsequenz: Sie hat ihn trotzdem geheiratet. Die Liebe ist ein seltsames Spiel! |
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