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Dieser Artikel: Ausgabe 45/2008 vom 09.11.2008
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Konflikte im Hintergrund

Bei der EKD-Synode geht es nur vordergründig um Wirtschaftsethik

Von Benjamin Lassiwe

Ist die Kirche für die soziale Marktwirtschaft, ist sie dagegen, oder dient der Begriff nur als Tarnmäntelchen für die Unterstützung eines neokapitalistischen Wirtschaftsliberalismus?

Schon im Vorfeld der Bremer Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland schlugen die Wogen hoch. Eine Gruppe von Theologen um den Kapitalismuskritiker Ulrich Duchrow und den Kirchentagsveteranen Frank Crüsemann warf der EKD eine zu starke Annäherung an die herrschenden Mächte von Politik und Wirtschaft vor, und kritisierte die im Sommer entstandene Unternehmerdenkschrift der EKD. Auch im Hansesaal des Bremer Maritim-Hotels wurde dieses Thema diskutiert. Doch schnell wurde deutlich: Hinter der Debatte um die Wirtschaftsethik stecken in Wirklichkeit zwei andere Konflikte.

Zum einen ist das ein Streit der Generationen: Die meisten Kritiker der EKD-Denkschrift befinden sich schon längst im Ruhestand. Oft sind es hochverdiente Zeitgenossen, geprägt von Befreiungstheologie und 68er-Bewegung. Ruheständler, die nun feststellen müssen, dass eine andere Generation von Kirchenleitenden die Sache anders sieht.

Zum anderen aber steht hinter der Debatte um die Unternehmerdenkschrift eine alte Auseinandersetzung: Der Streit zwischen Synode einerseits und dem Rat der EKD andererseits um die Vorherrschaft in der Meinungsbildung der evangelischen Kirche. Was bei Lichte betrachtet ein Wettlauf zwischen Hase und Igel ist. Denn so lange sich die 120 Kirchenparlamentarier nur einmal im Jahr zur Beratung eines ein Jahr zuvor festgelegten Schwerpunktthemas treffen, dürfen sie sich eigentlich nicht wundern, wenn der Rat der EKD und sein mediengewandter Vorsitzender in der Zeit dazwischen Kirchenpolitik betreiben, Denkschriften und Stellungnahmen veröffentlichen.

Vielleicht wäre es eine gute Idee, die EKD-Synode aufzuspalten. Einmal im Jahr trifft man sich zu einer Arbeitstagung, und berät über ein Schwerpunktthema. Und einmal im Jahr gibt es eine repräsentative Tagung zum Beschluss des Haushalts und der Beratung über den Ratsbericht.

Und mit dem Ergebnis, dass die Synode insgesamt nicht nur auf aktuelle Ereignisse schneller reagieren könnte, sondern auch das Gewicht des Kirchenparlaments im Verhältnis zum übermächtigen Rat der EKD gestärkt würde. Denn dafür sind auf jeden Fall neue Wege, Denkmodelle und Arbeitsweisen nötig.

 

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abgerufen 08.02.2012 - 22:51 Uhr

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