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Dieser Artikel: Ausgabe 45/2008 vom 09.11.2008
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Auf den Spuren König Davids

David: Mythos oder historische Figur? Eine 3000 Jahre alte Tonscherbe fasziniert israelische Archäologen


Für gläubige Bibelleser gibt es keinen Zweifel, dass die Könige David und Salomo tatsächlich gelebt haben. Doch von bibelkritischen Wissenschaftlern wurden die biblischen Berichte über die Frühzeit Israels immer wieder ins Reich der Legenden verwiesen. Doch nun wird der Fund einer 3000 Jahre alten Inschrift im Ela-Tal, wo sich laut Bibel David und Goliath begegnet sind, in den israelischen Medien als große Sensation gefeiert. Liefert eine Tonscherbe den archäologischen Hinweis, dass die Bibel doch recht hat?

David erschlägt Goliath: Die berühmte biblische Szene wurde immer wieder ins Reich der Legenden getan. Bündelt sich in Davids Figur lediglich der Gründungsmythos des alten Israel oder hat er vor 3000 Jahren wirklich gelebt?
Foto: AKG
   David erschlägt Goliath: Die berühmte biblische Szene wurde immer wieder ins Reich der Legenden getan. Bündelt sich in Davids Figur lediglich der Gründungsmythos des alten Israel oder hat er vor 3000 Jahren wirklich gelebt?

Der Fund der »ältesten jemals entdeckten hebräischen Inschrift« im Ela-Tal, wo sich laut Bibel David und Goliath begegnet sind, wird in den israelischen Medien ausführlich gewürdigt. »König David war doch kein Mythos«, hieß es im israelischen Rundfunk als Seitenhieb gegen jene »neuen Historiker«, die die Existenz der biblischen Könige David und Salomon anzweifeln. »Der bedeutendste archäologische Fund seit den Tote-Meer-Rollen, nur tausend Jahre älter«, titelt eine israelische Zeitung.

Ein 15 mal 15 Zentimeter großes beschriftetes Ostrakon (Bild), eine Tonscherbe mit fünf Textzeilen, wurde bei Grabungen in der Ela-Festung in Khirbet Qeiyafa in einer Schicht aus dem zehnten vorchristlichen Jahrhundert in einem Raum nahe dem antiken Stadttor gefunden.

»Melech« für König, »Schafat« für Richter und »Ebed« für Sklave sind auf der 3000 Jahre alten Tonscherbe zu lesen.
Foto: Elah Fortress, Gabi Laron
   »Melech« für König, »Schafat« für Richter und »Ebed« für Sklave sind auf der 3000 Jahre alten Tonscherbe zu lesen.

Es handelt sich um die älteste bekannte judäische Stadt. Zwei bei den Grabungen entdeckte Olivenkerne, mit der C-14 Methode auf ihr Alter geprüft, und der Stil der Keramik ergaben, dass die Scherbe mit den fünf Schriftzeilen 3000 Jahre alt ist und damit aus der Zeit König Davids stammt. Wegen seines hohen Alters erwarten Wissenschaftler, dass das Ostrakon neue Erkenntnisse über die Geschichte der Schriftentwicklung liefern wird. Auf dem in vor-kanaanäischer Schrift (eines der ältesten Alphabete überhaupt) geschriebenen Text sind gemäß ersten Entzifferungsversuchen eindeutig hebräische Worte zu erkennen: Melech für König und Schafat für Richter sowie Ebed für Sklave.

200.000 Tonnen Gestein für die Mauer bewegt: die Ela-Festung (Khirbet Qeiyafa) in einer Luftaufnahme.
Foto: Elah Fortress, Gabi Laron
   200.000 Tonnen Gestein für die Mauer bewegt: die Ela-Festung (Khirbet Qeiyafa) in einer Luftaufnahme.

Die 2,3 Hektar große Ela-Festung gilt als die älteste befestigte Stadt aus der biblischen Zeit und wird seit Juni von Professor Yosef Gurfinkel (Hebräische Universität von Jerusalem) und seinem Team ausgegraben. Sie lag an der Grenze zwischen dem judäischen Königreich Davids und dem Philisterland, heute auf halber Strecke zwischen Tel Aviv und Jerusalem bei Bet Schemesch. Die Festung ist umgeben von einer 700 Meter langen und vier Meter breiten Mauer mit Riesensteinen, von denen einige bis zu fünf Tonnen wiegen. Die Archäologen schätzen, dass vor 3000 Jahren für den Bau dieser Mauer allein 200.000 Tonnen Felsen behauen und bewegt worden sind.

Khirbet Qeiyafa: der Fundort am Rand der Ringmauer um die Festung Ela.
Foto: Elah Fortress, Gabi Laron
   Khirbet Qeiyafa: der Fundort am Rand der Ringmauer um die Festung Ela.

Der Archäologe Gurfinkel ist sich sicher, dass es sich um eine jüdische Stadt und nicht um eine Philisterfestung handelt: »Das ist eindeutig: weil die Menschen dort koscher gegessen haben.« Die Archäologen haben keinerlei Schweineknochen gefunden, wie sie in den Philisterstädten üblich sind. Obgleich es noch andere wiederentdeckte biblische Städte gibt, kommt Gurfinkel zum Schluss, »dass Khirbet Qeiyafa dank der Chronologie und Geographie der einzige Ort ist, wo sich Mythologie, Geschichte, Historiographie und Archäologie des Königs David treffen.«

Gurfinkel widerspricht damit Forschern, die in den vergangenen Jahren in Frage gestellt hatten, ob es David je gegeben hat oder ob er nicht wie König Artus in das Reich der Sage gehört. Auch jüdische Archäologen wie Israel Finkelstein (»Keine Posaunen vor Jericho - die archäologische Wahrheit über die Bibel«) qualifizierten die alttestamentlichen Berichterstattung als religiöse Propaganda ab.

David enthauptet Goliath, Pietro da Cortona, 17. Jahrhundert.
Foto: sob
   David enthauptet Goliath, Pietro da Cortona, 17. Jahrhundert.

Dass David tatsächlich gelebt hat, ist wissenschaftlich tatsächlich nur schwer belegbar. Bisher wurde noch keine Inschrift gefunden, die König David direkt erwähnt - wohl auch deshalb, weil die antike Stadt Davids südlich des Tempelberges heute größtenteils vom arabischen Dorf Silwan überbaut ist. Eine Skulptur oder ähnliches werden Archäologen auch nie finden - das Bilderverbot schloß eine Verehrung von Menschen, auch wenn sie Könige waren - aus.

Immerhin ist durch eine 1993 gefundene Inschrift aus Tel Dan - vermutlich eine Sieges­stele des Hasael von Aram-Damaskus - belegt, dass um 840 v. Chr. die Könige Judas als zum »Haus David« gehörend betrachtet wurden. Die 2900 Jahre alte, etwa 30 Zentimeter hohe Basaltsäule war im Mauerrest eines Hauses aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. gefunden worden. Der aramäische Text berichtet von einem Konflikt zwischen Israel und den Aramäern und erwähnt dabei einen »König von Israel« und das »Haus Davids«. Vermutlich hat der König der Aramäer die Stele nach seinem Sieg über Israel anfertigen lassen. Und vermutlich haben Israeliten den Stein nach der erfolgreichen Rückeroberung des Gebietes zetrümmert und für den Hausbau verwendet. Die Bibel berichtet von dem Konflikt zwischen Israel und Aram (Syrien) in 2. Könige 8,7-15 und 9,6-10.

Was weiß aber die Wissenschaft von David? »Die Spuren seiner Biografie liegen uns nur in der Geschichte ihrer Wirkung vor«, schreibt der Nürnberger Regionalbischof und Alttestamentler Stefan Ark Nitsche in seinem Buch »König David« (1994). Nitsche hat anhand der biblischen Texte über den Kampf von David gegen Goliath versucht, einen historischen Kern herauszuarbeiten.

Vermutlich starben zwei Goliaths

David wurde nach dem Bericht der Bibel in Betlehem geboren, bereits als Knabe salbte ihn Samuel zum künftigen König. Bald kam er an den Hof Sauls - was in der Bibel in zwei Varianten erzählt wird. In der ersten (1 Sam 16,14-23) lässt Saul ihn holen, um sich durch Davids Harfenspiel aufmuntern zu lassen, denn er wurde »durch einen vom Herrn gesandten bösen Geist geplagt«. Unmittelbar daran (1 Sam 17) schließt sich die Erzählung vom Sieg über den Riesen Goliath an: Der Hirtenjunge David, der eigentlich nur seinen im Heer dienenden Brüdern Brot und Käse bringen sollte, ertrug die Verhöhnungen des Vorkämpfers der Philister nicht und tötete ihn mit einer einfachen Steinschleuder. Daraufhin erkundigte sich Saul, wer denn dieser tapfere Junge sei, und ließ ihn an seinen Hof kommen.

Die Widersprüchlichkeit beider Erzählungen wird noch dadurch gesteigert, dass es in 2 Sam 21,19 heißt, nicht David, sondern ein gewisser Elhanan, der Sohn Jaare-Orgims aus Bethlehem habe Goliath getötet. In 1 Chronik 20,5 heißt es dagegen, dass Elhanan den Bruder des Goliath und nicht ihn selbst getötet habe. Nitsche sieht in den Texten Dokumente eines mehr als achthundertjährigen Wachstumsprozesses, dem mündliche Überlieferungen zugrunde lägen.

Aus der detaillierten Schilderung der für den Vorderen Orient eigentümlichen Rüstung des Philisters lässt sich laut Nitsche jedoch auf ein tatsächliches Ereignis schließen. Sicher sei auch, dass die biblischen Erzähler über genaue Ortskenntnisse verfügten. In einer eingehenden Analyse der Texte hat Nitsche den Tathergang rekonstruiert. Demnach fiel Goliath ca. 998 v. Chr. durch Sauls Kämpfer Elkanan, David besiegte um 1013/11 v. Chr. einen namenlosen Zweikämpfer. Beide Geschichten wurden später zu einer einzigen verwoben und auf David bezogen. Gibt womöglich die Tonscherbe aus Khirbet Qeiyafa demnächst noch mehr Geheimnisse des legendären israelischen Königs preis?

 

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Ulrich W. Sahm/H. Frank

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:10 Uhr

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