»Wahrheit aus dem Lot geraten«
Enkel will mit neuem Buch über Landesbischof Hans Meiser »aufklären und neue Fakten vorstellen«
Ein neues Buch zu dem umstrittenen bayerischen Landesbischof Hans Meiser (1881-1956) hat der Enkel des Bischofs, Hans Christian Meiser, in München vorgestellt.
 Foto:
sob
 Noch ist die Straße, an der das bayerische evangelische Landeskirchenamt liegt, nach seinem Großvater benannt: Hans Christian Meiser am Münchner Königsplatz.
|
Die Publikation mit dem Titel »Der gekreuzigte Bischof - Kirche, Drittes Reich und Gegenwart« verstehe sich als Spurensuche und wolle darüber »aufklären, wer Hans Meiser wirklich war«, erklärte Hans Christian Meiser bei der Präsentation im Münchner Presseclub.
In den vergangenen Jahren habe es im Zusammenhang mit der Umbenennung der Meiserstraße in Nürnberg und München harte Vorwürfe und Anschuldigungen gegen Bischof Meiser gegeben. Vor allem der Vorwurf der antisemitischen Haltung Meisers sei groß. Dem wolle die Publikation nun »neue Fakten« entgegenstellen, sagte Meiser, der promovierter Philosoph ist und als Publizist in München lebt. Beispiele dafür seien ein Protestschreiben Meisers gegen die »wirtschaftliche Schädigung der Juden von Ansbach« aus dem Jahr 1934 und ein Gratulationsbrief des Oberrabiners Aron Ohrenstein zum 60. Geburtstag des Bischofs vom Februar 1950.
Belebung der Meiser-Diskussion
Die Publikation werde zwar die Entscheidung des Münchner Stadtrats zur Umbenennung nicht ändern, sagte Meiser. Doch lasse sich damit nachweisen, dass sein Großvater in den vergangenen Jahren ein Opfer politischer und kirchlicher Interessen geworden sei. Meiser erinnerte auch daran, dass er die Stadt München vor dem Verwaltungsgericht verklagt habe. Der Prozess finde wohl zum Jahresende statt. Den Plan der Landeskirche, eine Erinnerungstafel an dem Gebäude an der Meiserstraße aufzuhängen, habe er ebenfalls »juristisch verhindert«. Verlegerin Lioba Betten vom München-Verlag erklärte, die Publikation wolle die Diskussion um die Umbenennung der Meiserstraße neu beleben. »Wir möchten mit dem Buch die Erinnerungskultur in München unterstützen und nach der Wahrheit suchen, die aus dem Lot geraten ist«, sagte Betten.
Der Münchner Publizist Gerhard Bogner, der ein Nachwort zu dem Buch verfasst hat, sagte, das Leben von Bischof Hans Meiser stehe zwischen »Verstrickung und Verhängnis«. In der aktuellen Diskussion müsse Bischof Meiser allerdings mehr als bisher aus seiner Zeit heraus bewertet werden: »Wir müssen die Umstände, in denen der Mensch gelebt hat, mit berücksichtigen«, forderte Bogner.
Der Präsentation des Meiser-Buchs erfolgte nur einen Tag vor einer Veranstaltung zu dem umstrittenen Landesbischof mit dem Titel »Nicht für die höchste Ehrung in Form einer Straßenbenennung geeignet« in der Münchner evangelischen Stadtakademie. Beide Termine sind wiederum bewusst vor eine wissenschaftliche Fachtagung der bayerischen Landeskirche an diesem Wochenende gesetzt. Auch umgreift der Titel Geschichte und Gegenwart: »Spielräume des Handelns und der Erinnerung - die Evangelische Kirche in Bayern und der Nationalsozialismus«.
Hans Christian Meiser: Kirche, Drittes Reich und Gegenwart. Eine Spurensuche. 176 Seiten mit Fotos, ISBN 978-3-937090-36-8. 16,80 Euro
| |
Kirche und Nationalsozialismus
|
Weitere Beiträge zum Thema »Kirche und Nationalsozialismus« finden Sie » hier.
Artikel unter anderem zu den Themen |
| |

|
Lesen Sie jede Woche auch das Sonntagsblatt-Titelthema, viele weitere interessante Artikel und Terminhinweise. Auch vor Ort immer gut informiert mit dem Sonntagsblatt: Sechs Regionalausgaben berichten über das, was an Ihrem Wohnort wichtig ist im evangelischen Bayern. Mit Gottesdienst-Anzeiger (München/Oberbayern, Nürnberg, Augsburg).
|
| |
|
 |