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Dieser Artikel: Ausgabe 25/2008 vom 22.06.2008
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Eine Erfolgsgeschichte?

Sammelband zieht Bilanz zu 30 Jahren Feministischer Theologie


Die vor zwei Jahren erschienene »Bibel in gerechter Sprache« sorgte noch einmal für Aufregung - insgesamt ist es ruhiger geworden um die Feministische Theologie. Ein Sammelband zieht Bilanz.

Renate Jost: Professorin für Feministische Theologie in Neuendettelsau und Mitherausgeberin.
Foto: Augustana
   Renate Jost: Professorin für Feministische Theologie in Neuendettelsau und Mitherausgeberin.

Vor zwei Jahren knallte es noch einmal heftig. Die »Bibel in gerechter Sprache«, in der die Jüngerin, die Apostelin, die Diakonin an die Stelle der biblischen überlieferten Begriffe Apostel, Diakon und Jünger traten, sorgte für viel Disput in der evangelischen Kirche und der Gesellschaft.

Theologische Forschung aus Frauenperspektive gibt es in Deutschland erst seit rund 30 Jahren, so die Autorinnen des Sammelbandes, der eine Zwischenbilanz dieses jungen Zweigs der Theologie zu ziehen beansprucht.

»Feministische Theologie hat viel bewegt und wird unsere Kirche in gut protestantischem Anspruch weiterhin davor bewahren, ein Traditionspflegeverein zu werden«, zeigt sich die Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter im Vorwort des Buches überzeugt. Feministische Theologie, in der auch unterschiedliche Strömungen bestehen, interpretiert die Bibel vor allem aus Frauenperspektive. Dabei werden Rollenklischees aufgebrochen und patriarchalische Strukturen hinterfragt.

Die Geschichte des Glaubens könne nicht ernsthaft behandelt werden, ohne die unterschiedliche Rolle von Frauen und Männern zu berücksichtigen, sagte der damalige Ratsvorsitzende Manfred Kock, als er 2003 für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) den Hanna-Jursch-Preis für herausragende theologische Arbeiten aus der Frauenperspektive überreichte. Kock fügte hinzu: »Für diese Fragestellung war Theologie bis in die jüngere Zeit blind.« So sei nicht zur Kenntnis genommen worden, »wie sehr Frauen in der Geschichte der Kirche und des Glaubens unterdrückt und benachteiligt waren«. Gute Theologie müsse zu einer geschlechtergerechten Gemeinschaft von Frauen und Männern beitragen.

Unter dem Einfluss der Frauenbewegung im 20. Jahrhundert, der ökumenischen Bewegung, der Erneuerung der katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Befreiungstheologie etablierte sich nach 1980 die Feministische Theologie. Die Katholikin Catharina Halkes übernahm 1983 den weltweit ersten Lehrstuhl für Feministische Theologie im niederländischen Nimwegen. Im selben Jahr rückte die Schweizer Theologin Marga Bührig in das Präsidium des Weltkirchenrates. Und in Deutschland entstand »Schlangenbrut«, eine Zeitschrift für feministisch und religiös interessierte Frauen.

In der evangelischen Kirche verbuchte die Gleichstellung von Frauen schon früh Erfolge: Vor 50 Jahren machte die pfälzische Landeskirche den Weg für Frauen ins Pfarramt frei. Frauenordination ist in den evangelischen Landeskirchen heute kein Thema mehr, Schlusslicht war die kleine Kirche von Schaumburg-Lippe, wo Frauen erst 1991 zum Pfarramt zugelassen wurden. Auch der Marsch der Frauen durch die Institution Kirche zeitigte Erfolge: Maria Jepsen aus Hamburg wurde 1992 die erste lutherische Bischöfin weltweit. In Hannover wurde Margot Käßmann 1999 die erste Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche.

Nüchternes katholisches Fazit

Der Sammelband dokumentiert die Vielzahl von Initiativen, Institutionen und Netzwerken, die in den vergangenen drei Jahrzehnten innerhalb der Kirche, aber auch an deren Rand entstanden sind. Dazu gehören etwa die Lehrstühle für Theologische Frauenforschung und Altes Testament in Bonn und Münster, das Frauenstudien- und -bildungszentrum der EKD oder die Professur für Feministische Theologie an der Augustana Hochschule Neuendettelsau.

Während die überwiegend evangelischen Autorinnen die Feministische Theologie als Erfolgsgeschichte bezeichnen, fällt das Fazit für die katholische Kirche aus Sicht von Katholikinnen nüchterner aus. »Katholische Frauen sind immer noch BürgerInnen zweiter Klasse«, urteilte Elisabeth Schüssler-Fiorenza, eine der führenden feministischen Theologinnen, kürzlich auf dem Katholikentag.

BUCHTIPP

Feministische Theologie - Initiativen, Kirchen, Universitäten - eine Erfolgsgeschichte. Hgg. von Gisela Matthiae, Renate Jost, Claudia Janssen, Annette Mehlhorn, Antje Röckemann. 408 Seiten, Gütersloher Verlagshaus 2008, 39,95 Euro. ISBN 978-3-579-08032-1

  Feminis- tische Theologie - Initiativen, Kirchen, Universitäten - eine Erfolgs- geschichte. Hgg. von Gisela Matthiae, Renate Jost, Claudia Janssen, Annette Mehlhorn, Antje Röckemann. 408 Seiten, Gütersloher Verlagshaus 2008, 39,95 Euro. ISBN 978-3-579-08032-1

 

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Rainer Clos

 


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abgerufen 08.02.2012 - 11:51 Uhr

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